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0

GESCHICHTE

DER QUELLEN UND LITERATUR

DES

RÖMISCHEN RECHTS

IM FRÜHEREN MITTELALTER

VON

.i

Dr. MAX CONRAT JCOHN),

PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT AMSTERDAM

ERSTER BAND

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J. C. HINHM'HSSCHK IM rmiANDLllNi;

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■^o^o COCt

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APR 21 1893

ALFRED PERNICE

ZUGEEIGNET.

Inhalt.

Erster Abschnitt.

Seite.

Nachweise einer Benutzung der Kechtsquellen, Breviar und

Justinianische Gesetzgebung 1—30

Killleitung 1

1. Kapitel. Weltliche (Jesetze 1 5

1. I>?ge8 barbaronini 2—4

a) Ix»x Salica \1

h) liex Kibuaria 2

c) I^x Alamannorum 2

«l) Ta'x Wi8ig<»th()nini 3

e) Ia'x Baiuwarionini 3

0 Leges Langobarclicae . 3 u. 4

g) KugliiK*he (fcsetze 4

2. Kapitularien und Kai^*erges(•tze 4 n. 5

2. Kapitel. Klerus 5-30

1. Sechstes Jahrhundert i) U

2. Siel>entes Jahrhundert lo— 14

.3. Achtes Jahrhundert 11

1. Neunt«*s Jahrhundrrt ir> 2.')

r». /fhntes Jahrhundert 2."» u. 2«)

♦i. Die Folgezeit 2li .30

Zweiter Abschnitt.

Die Vcrbrt'itung der Bechts(j Hellen, Breviar und Justinianische

(.icsetzi^ebunEf, bis gegt-n lU'ginn <les 11. Jahrliunderts . . 31-01

KinN'itung 31

.;. Kapltt'l. Spanien .31—33

I. Kapitfl. Frankrfi<-h 3!J— l'i

1. I»if .fu>tinianiM-hc Kinlitikation 33— 3»J

2. Hurgund 37 u. .3S

3. Kpilonu' Juliani .3^ II

I. Ili-rr>ehart dc> Hnviars 41 11

.'». Karl der <in»sM* H n. l.">

»). liiirrpri tatinn, Kpilnnio und üajus l.*i u. 4'1

■». Kapilfl. lialirn I'l .■»!•

1. Da-* |ln\i;ir . . H;— |s

2. HtTrM'hatt-u't'l'i'.t drr .lu.-<tiniarii^tli»n < i»M't/g<l»unL' 1"^ ."••'

f

VI Inhalt.

Seite

3. Mass der Herrschaft 51—53

4. Codex 53—57

5. Institutionen 57

0. Novellen 57—59

6. Kapitel. P:ngland ÜOu.61

Dritter Abschnitt.

Die Quellen des röiiiischeii Rechts, Justinianisches Recht und

Breviar, vom 11. Jahrhundert ab 62—80

7. Kapitel. Italien 62—77

1. Kenais!*ance des römischen Rechts und der Quellen 62 65

2. Schicksale der Pandekten 65—72

3. Erklärung derselben 73—77

8. Kapitel. Frankreich 77—80

Vierter AbHclmitt.

Die Rechts([uelleu ausser dem Breviar und der Justinianischen

Gesetzgebung im früheren Mittelalter 81—05

Einleitung 81u.82

0. Kapitel. Juristenschriften 82— IK)

1. Fragmente, Isidor, Paulus im Breviar 82u. 83

2. Verlorene Schriften 83-85

3. Fragmenta Ulpiani 85—87

4. Lex Dei 87 u. 88

5. Interpretatio. Scholien, Consultatio 89u. W

10. Kapitel. Konstitutionen 91—95

1. Die drei Codices Constitutionum 91—93

2. Posttheodosianische Novellen 93

3. Die Sirmondischen Konstitutionen . 93 u. 94

4. Novellen Justinians 94 u. 95

Fünfter Abschnitt.

Die Kodifikation des römischen Rechts im Lichte der profanen

Literatur 96—106

Einleitung 96u. 97

11. Kapitel. Die Chronisten und Annalisten 97— KM)

1. Gesetzgebung Theodosius II 97u. 98

2. Paulus Diaconus über die Kodifikation Justinians 98u. 99

3. Beda über den Codex 99—102

4. Anastasius über die Novellen 102—106

Sechster Absclinitt.

Die Literatur des römischen Rechts im Zeitalter Justinians . 107—160

P^inleitung 107

12. Kapitel. Die Literatur zur Justinianischen Gesetzgebung . 107 141

1. Die Literatur zu den Institutionen 108-119

a) Alte Turiner Institutionenglosse 108—118

b) AlU' Bamberger Glosse 118 u. 119

2. Die Literatur zu den Pandekten 119 u. 120

3. Die Literatur zum Codex 120 u. 121

Inhalt. VII

Seite

4. I>ie Literatur zur Epitome .Tuliani 121—130

d) Abteilung 122

hl Index 122 u. 123

i) Die Schollen 123—125

d) Die alten Summen 125—127

e) Paratitlen 127—120

f) Api»endix 12?»u. 13<)

:.. Novellen i:iO— 132

♦i. DiiM Autheuticuni 132—137

7. !»ie Literatur zu ver«'hiedenen Teilen der KodifikatioD 1.37—110

a) Dirtatuni de ConHiliarÜH 137—140

h) Collei'tio de tutoribu» 140

V ><hlussJH'traehtuug llnu. 141

1.;. Kapitel. Die Literatur zum Breviar 141 145

1 ApiH'udix 141-143

J. KiiiM'haltungen aun den Quellen des Breviarn 143 145

.1. SiUNtip* Krweiteruiipi»n 145

W. Kapitel. Sammlungen für den kirchlichen (tebrauch .... 14.5 149

1. Summlungen mit Kxceq>ten aus den alten Quellen 145

ai l^ueMieUohe Sammlung 11.'»

b) Sammlung gallis<*her Konzilien in der IlandHi'hrift von Ki'dn . . llti v) Späten* Ke<laktinn der Sirmondischen Konstitutiimen 14*'» u. 147

L*. Sammlungen mit KxctTpten au.** der JuMiuianiM'hen K<NiiHkation 147 149

a) Bn*vih HU'IIuh de n*buj» eccli»>*iae llSu. MO

bi Sammlung der Juntiniani Impr. Sacra Privilegia (N>ncilii Vizaceni 140

1\ Kapitel. Sonstige Literatur 140-153

1. <\iq»iiA (iromaticorum 150

2. Nidors Etymologien ITH» 153

)•'. Kapitel. Apokryphe Schriften . 151— lliO

1. Vier Stücke «le» i\**\. Prag. Metrop. .1. LXXIV K>1-1.V»

J. t'om|K'ndiuni iiiriii l.'iÜ ItjO

Siebenter Abschnitt.

iMe Litiratur des früheren Mittilalters l»ii-:«i

17. Kapitel. Die Li terat ur zu r .? u.^ti nianihchen («ehct zgebun g l»il-2m

1 Literatur zu den Inntitutionen lf'»l ifis

a) Kritik HU u. 1*12

b} (WoHsen Iti2-l»i«i

c) AuMUg der ( f audenzihchen Sanmilung Ui»i— W>K

d'. Ein.'<'haltung des Stemma cognatiouum 1**8

2. Literatur zum ('i>dex l*^^— 1!»1

<rlo!*.'^>n IHS— 1S2

b' Summa Perusina l'^2— 1^7

i\ Kpitome INKÜci» ... 1^7 101

.1. Die Literatur zur Kpitome .Tuliani r.«2 *AtJ

.1 (;ifw,Hn r,«2— 2»r2

b; Die jüngeren Summen 2"2u. 2«».?

4 .S-hlusi»lK»trachtung 2'».Iu.2<4

1^ Kapitel. Sammlungen für den k i rchlichin <ieliraiich in 1 talien. 2»t."i Jls

1. \a'X Kitmana raiionirc coni|tta . . 2"'» *-'!•»

J. Sammlung iles (imI. Vatie. i:;4',« Jl"

>. Bobienner Kxwrpte . . Jl" -.M2

1. <'«»llectio AuK'lmu de«lii-ata 212 -21'»

viii iDbalt.

Seite

5. Cod. Vatic. 8487 215

6. Sammlung des Cod. Vatic. 1339 215-217

7. SchhiHsbetrachtung 218

19. Kapitel. Die Literatur zum Kreviar 218—252

1. KxplaiiatioDes Titulorum 218—221

2. Auszüge 221 u. 222

3. Die Epitomes des Breviara 222 240

a) P^pitome Aegidii 222—228

b) Epitome Parisiensis 228—231

c) P2pitom» (fuelpherbitana 231 u. 232

d) Epitome Codicis Seldeni 232 u. 233

e) Epitome Lugdunensis 233 238

f) Epitome Monachi 238—240

4. Glossen 240—252

a) Erster Typus 241-250

b) Zweiter Typus . . . ' 251

c) Dritter Typus 252

5. Schlus8l)etracbtung 252

. 20. Kapitel. Sammlungen für den kirchlichen Gebrauch im fränki- schen Reich 252— 2()5

1. Die Sammlung in 4(X) Kapiteln 252 u. 253

2. Sammlung des Fiorus 253 u. 254

3. Glossen des kanonischen Rechts aus dem karolingischen Zeitalter . 254 u. 255

4. Sammhmg des Cod. Philipps. 1741 u Cod. S. German. 3(j0 . . . . 255 u. 250 5 Sammlung des Cod. Ambros. A. 40 in f. 250 u. 2.57

0. liCx episcoporum et ceteris clericorum 257

7. Die Sammlung Ex Justiniani Augusti pro episcopis et monasteriis . 257

8. Regino 258 u. 259

9. Abbo 259—201

10. Burchard von Worms 201 u. 202

11. Sammlung des Cod. (^uelpherbit. 1104 202

12. Die Sammlung in zwölf Büchern 202 u. 203

13. Sammlung des Odoramnus 203

14. Sammlung des Cod. Vatic. Reg. 453 204

15. Schlussbetrachtung 204 u. 205

21. Kapitel. Die Literatur germanisch-römischen Rechts .... 205-298

1. Spanien. Westgothische Formeln 200 u. 207

2. Italien 207—270

a) Lex legum 208—274

b) Quaestiones ac Monita 274 27()

c) Problematisches 270

3. Provence. Gaudenzische Sammlung 277 28^1

4. Churrätien 284—293

a) Capitula secundum Lodoici imperatoris filius Lothari imperatoris 284 -28()

b) Lc*x Romana Curiensis 280-292

c) Capitula Remcdii 292 u. 293

5. Fränkisches Reich 293—298

a) Zusatz zu Ansegis 293

b) Formelsammlungen 293—298

22. Kapitel. Fälschungen 299-311

1. Benedikt I^vita 299—3(4

2. Capitula Angilramni 304 u. 305

3. Pseudo-Isidorische Dekretalcn 305 u. 30(3

4. Gemeinsames 300 310

Inhalt. IX

Seite

5. Gesta Aldrici 310u.311

23. Kapitel. Die Literatur zum Vorjustiuianischen Recht . . . 311—319

1. Literatur zum Onlex Thcodosianu» 312 u. 313

2. Literatur zur I>ex Dei 313 u. 314

3. Bearbeitung von Inidors Etymologien 314 310

a) Verbindung mit Texten der Kodifikationen römischen liechti* . . 314 u. 315

]>) Auszuge 315 u. 310

4. Stemmatii 316-319

24. Kapitel. Apokryphe 8chri ften 319 331

1. JuristiHchcH Lehrbuch d. S. Jahrhunderte« 320

2. Epitome luHtitutionum 320 323

3. Da« Stück Foll. S<ia-S8a des Cod. Taurin 323 u. 324

4. Da» Stück Foll. 78b-79a de« C<k\. Taurin 325-331

Achter Abschnitt.

Die Literatur dos römischen R«M*.hts in dvT UbcrpanpsziMt . . 332- r>2r)

213. Kapitel. Die Literatur zur JustinianiHchen (tenetzgebung 3i-J2— 3<)i{

1. Literatur zu den Institutionen . . 333—347

a) Glossen 333— ,115

b) Institutiouenauszug der Britischen Dekretalensammlung . . . 345- 'M7

2. Literatur zu den Pandekten . iil7— 354

a) Kritik 347— ;^50

b) (iloHwn :i50u.351

c) Auszug d<T Britischen Dekrctaiensammlung 351—354

3. I^iteratur zum (?odex .T>4 359

a) Vervollständigung des Codex 354 u. 3,55

b) (flössen 355—359

4. Literatur zur F^pitome Juliani .... ,'W)0— 302

a) (tloswn 3»)«)— 3r)2

b^ Auszüge 'M}\1

5. S<'hhissbetrachtung 302 u. 303

20 Kapitel. Die klerikale Literatur Italiens 3J>,3— 37K

1. Anselm von Lucca 3^)-l— 300

2. l^»ni7.os hber ml aniicum . 3')7

3. (V)llertio ranonuni des l>eusdcf)i( .... ... .... 307 u. ! JOS

I. Li)K-lhi> contra inva.'*<»res des Dfusdeilit .... 3<).Su. 3t)9

.'». I>4'kn't des Bonizo 30'.Mi.37n

0. Britis^'he Dekn'talenMammhing 370-372

7. IMacidus I.»ib4T dv honore eccU•^ia^• .... 372 u. 373

8. StreitM-hrift dt"s (VmI. Bibl. nat Na|>nl. .... . . .373 u. 371

0. Tolykarp 374 u. 37.'>

10. Kaiintiftisanindung de?» (NmI. IMstor 375-377

11. Srhhi-'»;U'trafhtung .... . 377 u. .17^

27. KapitrI. I>i<* klerikale Literatur Frankreichs .... .i7s ;!*•.!

1. I>ekn't d«'«» Ivo von Chart res . . 37^— 3S3

2. Panormie de> Ivo ;;s;;— .K".

3. Briete «le.s Ivo 3V) -3SS

I. Tripartita .... . . . . .... 3.SS— ;;<K)

.'>. i'oll. < ';M>ar.-.\ii^n^t;m:i ... .... it'.H» i/>2

♦.. Srhlii-'»lM'traihtniiL' . ;M2 n. .«»3

2*^. K :ipi l «l, I >ii- l.i tera t u I rnmi lieii li it h t «» /um laiigobai d i>i-)i<-n

Keeht ::•».; i2i>

1. .Vlte <t|o.*.svn und <t|os>are .... ... 31»3u..I',M

Inhalt.

Seite

2. Glossen des Liber Papiensis 394—401

3. Walcausma 401—403

4. Expositio 401—412

5. liombarda 412—414

6. EntstehungsverhältDisse 414—420

29. Kapitel. Die sich um die Exceptioues Petri gruppierende

Literatur 420—549

1. Das Tübinger Reehtebuch 420-490

n) Zusammensetzung 420—427

b) Textesgestaltung 427—430

c) Prolog 430—432

d) Rubriken 432u.433

e) Quellen 433-437

f) Charakterisierung 437—448

g) Sprache 448 u. 449

h) System und Bestimmung 450—453

i) ZwiBchenquellen 453—458

k) Entfitehungszeit 458 474

1) Entstehungsgebiet 474—484

m) Extravaganten 484—487

n) Glosse 487-41M)

o) Benutzung 41K)

2. Das Grazer Recht«buch 490-498

a) Verhältnis zum Tübinger Rechtsbuch 490 195

b) Sonstiger Inhalt 495-497

c) Entstehungs Verhältnisse 497 u. 498

3. Prager Kanonensammlung 498 u. 499

4. Das Ashburnhamer Recht^buch 41M)— 510

a) Zusammensetzung 499 503

b) Texteagestaltung 503u.5(M

c) Quellen 504-5^7

d) System 507 u. 508

e) Vergleich mit dem Tübinger Recht«buch 508—510

f) Zwischenquellen 510 u. 511

g) Entstehungsverhältnisse 511 515

h) Glosse 515u.51<i

5. Die Exceptiones Petri 510—547

a) Überlieferung 510 u. 517

b) Quellen 517—5*20

c) Kompilation 520 529

d) Entstehungsverhältnisse 521>u. 530

e) Benutzung 530—532

f) Name 533

g) Glosse 534— 5:V)

h) Extravaganten 53()- [>47

0. Schlussbetrachtung 5^17—549

30. Kapitel. Der Brachylogus 550—582

1. Überlieferung 550

2. Quellen 550-553

3. Charakterisierung 553—509

4. Zwischenquellen 569-573

5. EntstehungHverhältnisKC 573—575

0. Glosse 575—580

7. Benutzung 580—582

Inhalt XI

{]. KRpitel. Die lanfj^obanÜHche liiteratur zum r«"»nuHrhen Kerht 58:i (iO()

1. hit* liii^iert«' Konntitiitioii Aber die Klai^oriiielu fHii- 5Ki)

•_'. nie tin^ierie KoiiHtitution JufttinianH über den Keeht^gang .... r)89— r»f>4

i. IKhm Stück über die aetio mutui r)95u. 59Ü

I. St-hlusslietrachtung WMJ-CÜO

:tl. Kapitel. Die Kavennatinche Literatur mi—i'tU

1. Diu« (iutacfaten in »Sachen der graduH conHan^tiinitatiM <K)1— <iO<i

•J. Klapifhrift de« IVtrus CraiwUH m)-i\V2

:». (u'tälM*hte I'rivile(ri«'n (»TJu. <il!i

i;. Ka|iite|. SrhIuHH f»14-<>2^i

I. Kur/f IMrachtuu); !^»nj«tij(er ^H•h^iften t»14- -O'J'i

.i) Summa ('«NÜeis der* C'«xl. Trecinwis Ü14

li npiami!« tle e<lendo dir»

ri Stücke einert C\n1. Li|m. (Haenel) (ilO— (»]S

d) Stücke fim-H Cod. Bamh ^ilKu.fJll*

r) Siüiki- eineM ('«mI. Taurin iVJH) OIM

fi .Vnhan^ /u den In«tituti(»nen in OnI. Paris. 14 Jl' itLM iiJLV»

J. ShhiiHfilHtraclitunK tjj:. u. VM

Na4.-htr;i^i* und IWichtiu'ungcn <»-7— G4.'{

Vrrreirhnif* riiii^^T u\tin'ki\r/.i un^cMilirtiT WVrke .... (i44u.ti4ri

>irifi!»ti"ir«-iid»' PrurkTfliltT ♦i-Jti

Erster Abschnitt.

Nachweise einer Benutzung der Rechtsquellen, Breviar und

Justinianische Gesetzgebung.

Einleitung.

Die Beantwortung der Frage, ob die Quellen des römischen Rechts in der (iestalt des Breviars und der Justinianischen Gesetzgebung zu irgend einer Zeit des Mittelalters unbekannt waren, kann heute, zumal seit Savignys Erörterungen im zweiten Bande der Geschichte des römischen Rechts im Mittelalter, zu keinem Zweifel Anlass geben. Aus jedem Jahrhundert des Mittelalters oder besser, um nicht ohne Not trivial zu werden, auch aus den frühesten und früheren Jahr- hunderten des Mittelalters, dem früheren Mittelalter, sind Belege einer Kenntnis der Quellen des römischen Rechts nachweisbar. Zuletzt war es Savignys genanntes Werk*), welches aus Gesetzen, Urkunden, der allgemeinen Literatur und den juristischen Schriften ein reiches Material von Belegen einer Benutzung der Rechts- quellen im früheren Mittelalter zusammenstellte.

Das aus der letzteren Kategorie, den juristischen Schriften, zu schöpfende Ma- terial kann auf Grund neuerer Untersuchungen, welche sich vorzugsweise auf hand- schriftliche Funde stützen, eine reichliche Vermehrung erfahren: ihr wird in dieser Schrift eine besondere Darstellung gewidmet (sechster })is achter Abschnitt). An einer anderen Stelle mögen gedruckte und ungedruckte Urkunden zu dem von Savigny Veröffentlichten zahlreiche Ergänzungen liefern'^). Hingegen erfährt in diesem Abschnitt die Benutzung der römischen Rechtsquellen in den Gesetzen sowie in der allgemeinen Literatur eine nähere Erörterung.

1. Kapitel. Weltliche Gesetze.

Im P'olgenden ist zunächst von den Gesetzen der weltlichen Macht die Rede. l)a die Forschung seit dem Erscheinen von Savignys Werk eine erhebliche Ver- mehrung des zudem auch leicht übersehbaren und zugänglichen Materials zu liefern aussier Stande war, so ergiebt sich lediglich eine Nachlese und die Richtigstellung

I) IHe F<*!*ti»t4*lluiijr «ie>»»*oii, wie viel Savijriiy f*<'inen Vorjräup'rn verdankt, lie^t iiUH?M»rhnlh nieim*r AiifgralM*.

-^ Ich ziehe vor, liel»er keine hIh unvollständig' Mitteilunjren zu machen, unter Vor- U*hiilt ein<« Verbuch»* nir»glir!ist v<)llhtän<iijr<'r Hearln'itunjr <ics rrkinHletinmtcrial.w. welche nun (iun-h Oenterlcy, \V<»jrweiMer dun'h d. IJt. d. rrkundensanHnlunjren, erhehlich erleichtert ist. Courat. Oetch^d. i^mIL a. Lit. d. rum. Rechts otc 1

haroriim.

2 KrKter AV>ischnitt.

*

♦jinz<;lii(r Angaben »Savignys' . Die folgende Übersicht, in welcher die ausschliess- lich Quellen des römischen Rechts bearbeitenden leges Romanae der Burgunder und Ostgothen ausser Betracht bleiben, da sie, obschon vielleicht nicht älter als das Breviar, je<lenfalls von demselben unbeeinflusst sind 2), wird dieses ausweisen. i.Leßcnbar. I. Ich beginne mit den leges barbarorum.

ri ) I)ie lex Salica *). Bin aus der Interpretation <les ßreviars entlehnterText ( C. Th. '^, 12, 10 bezüglich der incestuosen Ehe findet sich ohne Angabe der Quelle als fränkische Gesetzesnorm in den beiden Manuskripten der zweiten Handschrifben- lamilie ^3, II)»).

bj J)ie lex Ribuaria'). Die Norm über die Zulässigkeit der Freilassung in der Kirche (58, 1) wird auf römisches Recht zurückgeführt ^O- Es findet sich diese Bestimmung in demjenigen Teil des Volksrechts, welcher einem Königsgesetz aus dem Ausgange des (3. Jahrhunderts anzugehören scheint^}.

cj In der lex Alamannorum ist eine sichere Beziehung zum römischen Rechte nicht nachweisbar *').

1) Von der Betrachtung ausgeschlosseu blei]>en diejenigen von den römischen ßechts- «juellen iKieinflusKtcn Geaetze, welche da« Breviar an Alter überragen, d. i. die lex Burgnm- dionum (lex (Jundobada), worüber zu vergleichen istSavigny II. 5—7 u. Brunner I. 830, sowie die lege« Eurici, die, wie ich mit Brunner I. 321 ff. annehme, fragmentarisch in den Pariser Fragn'ienten VV>Htgothi»chen Rechts (ed. Bhihme, Reccaredi Wisigg. reg. ant. legg. coli.) vor- liegen; über da« Verhältnis derselben zum römischen Rechte ist zu vergleichen Bethmann- Ilollwcg IV. 211 u. Not. H>, und Brunner I. .323 u. 324.

2) Das» sich in beiden (Jcsetzen Benutzung der auch im Breviar aufgenommenen luter- pretatio der Hämischen (Quellen nachweisen lässt, ist kein Beweis dafür, dass erstere aus dem Breviar geschöpft haben; denn die Interi>retation8literatur ist ält^r als das Breviar: vgl. Krüger S. 311, 312 u. f). Kaj). d. Sehr.

3) Vgl. Savigny II. 05.

1) Si quis «ororis aut fratris iiliam aut certe ulterius gradus consobrinae aut cert-e fratris nxorem, aut avunculis, scelcratis nuptiis sibi iuuxerit, hanc poenam subiaceant, ut de tale ciUKsortio scparentur atquc etiain si filiis habuerint, nou habeantur legitimi heredes, sed in- f'aniiae sunt nativitate, nach (k)d. (i u. 5 in ed. Hesseis, lex. Sal. the ten texte with thc gloHM., Spalte 77. Ähnlich ist daselbst der Text in Cod. 10 und in der lex emend. Die Texte der zweiten Familie werden von Brunner, I. 204, nicht vor den Ausgang des G. Jahrhunderts versetzt.

5) Vgl. Savigny II. 05.

()) Hoc etiam iubemus, (jualiscumque Francus Ribuarius, seu tabularius servum suum pro animae smie remedium seo pro i)recio secundum legem Romanam liberare voluerit, ut (cum) in ecx'lesia coram presbyteris, diaconibus, seo cuncto clero et plebe, in manu episcopi Kcrvo cum tabulas tradat, et episcopus archidiacono iubeat, ut ei tabulas secundum legem Komanam, <|uam ecclesia vivit, scribere faciunt, nach ed. Sohm, MG LL V. 242. Dass frei- lich dieser Satz notwendig im Hinblick auf Br. C. Th. 4, 7, 1 geschrieben ist, welche Stelle Savigny, a. d. Not. 5 a. (). Not. d, anführt, lässt sich nicht sagen.

7) Vgl. Sohm a. d. Not. (> a. (). p. IKO— 102. Ein späteres Datum nehmen an E. Loening. 11. 23S, K. Ix^hmann, N. Arch. X. 401.

H) Dass die einzige von Savigny II. 05 namhaft gemachte, über das Eheverbot der ßlut- vcrwandtschaft handelnde Stelle (30, l), welche auch in die lex Baiuwariorum (7, 1) über- ging (miptias prohibenius incestas. Itaque uxorem habere non liceat socrum, noruni, privignum, noveri'am, tiliam fratris, filiam sororis, fratris uxorem, uxoris sororem. Filii fra- trum, ülii sororum inter se nulla i>raesumptionc iungantur, codd. A nach ed. K. Lehmann, M(i IAj Sect. I. V. 1. OS, 00) zum mindesten nicht unmittelbar eine römische Quelle benutzt hat, zeigt K. 1^'hmann, N. Arch. X. 5(X), 501, sowie schon Merkel, MG LL III. 51 Not. 7^. Es hat dieser letztere Schriftsteller sodann auf mehrfache Anklänge an romisches Recht hinge\Nnesen

1. Kapitel. Weltliche Gesetze. 3

d) Die lex Wisigotboruin ^). Auch soweit sie nicht nachweislich auf die leges Eurici zurückgeht, bietet dieselbe neben wörtlichen Entlehnungen aus dem Breviar und insbesondere der Interj)retatio^) eine Anzahl von Sätzen, welche römisch- rechtlichen Ursprungs sind und sich auf das Breviar zurückführen lassen^). Zum Teil sind dieselben als Antiqua bezeichnet; andere wieder werden Chindaswind (641 652) und ßeckessuinth (649—672) zugeschrieben'*). Benutzung der Justinia- nischen Rechtsbücher ist unerweislich (vgl. S. 32 Not. 4).

e) Die lex Baiuwariorum ^). Eine Anzahl von Texten, welche auf römisches Hecht zurückgehen, ist den leges Eurici entlehnt*^). Es bleibt dann noch") eine Phrase (2, 1) ^), welche in letzter Linie von einem Paudektentext (48, 4, 7, 3) zu stam- men scheint"), wahrend sie von der zur Mitwirkung an der Redaktion des Volks- rechts berufenen Geistlichkeit*^*) unmittelbar dem Commonitorium Gregors I (Reg.XIII. 45), welches diese Stelle enthält (vgl. S. S), entnommen sein wird*').

f. Die leges Langobardicae *'^). Im Prolog des Edictum des Königs Rotharich

v. J. 643 findat sich eine Phrase, welche einer Novelle Justinians (7 praef.) in

der Version des Authenticum entlehnt ist*'). Auch scheinen die Sätze des Edikts

168—17(0, welche von den Enterbungsgründen handeln, mit Benutzung der Novelle

115 geschrieben zu sein**). Des Weiteren ist in den Gesetzen der langobardischen

(u. a. (). p. 30 Not. 08,4:» Not. 4, .m Not. 54. 00 Not. 88, 127 Not. 8 [p. 12()J, 171 Not. 5); doch lÜKst sich Beziehung zum römischen Hecht, geschweige zu den Quellen, nicht sicher ])eh«ui)tcn.

1) Vgl. Savigny II. 7<i— 79. Ich benutze ed. Olispon., Portug. M LL 1.

•j) 4. 1 = Br. Paul 4, 10 cum Intt. (ausser 8 Int.); 5. :>, 9 =Br. C.Th.2, 'X\, 1 lut. Dju^ 1km r^avi>my II. 70 Not. c genannte Gesetz T), 5, s ist lex Eurici (c. 285).

3) Vgl. das Register zur lex Wisigothorum in Iki. 2 d. Sehr.

4) Tnter den von Haenel, 1. K. V. p. Mij;, verzeichneten Stellen der l. K. \V., welche auf das Breviar zurückgehen .sollen, linden sich ein (lesetz Sisibuts ((>12 ()'20) (12, 2, i:{) und (lesctze von Ervig ((jso— (;.s7) (2, 4, 7; 12, 'X 12V In Walirheit ist hier Einfluss römischen Rwhts nicht erweislich. Ik»i Ervip* CJesetzeu ist die Autorschaft unsicher: vgl. Dnhn Westgoth. Stu.l. S. .VI, .'il.

.'.^ Vgl. Savijrny II. 84-92.

<j) Vgl. Stobbe 1. las u. Brunner I. iJU, 317)

7} Tiiter «ieu von Savigny, a. a. O. S. 84 Not. c, angeführten Texten findet sich ausser- dem 1, 12, nach ed. Merkel, M(J LL III. 277 (U'i Savigny selbst 1, l.l, 2), welche Stelle dem Breviar (C. Th. lü, 1, C) entlehnt sein soll: vgl. dagegen Merkel ad h. 1. (p. 277) u. I/K?ning IL H2'>.

5) Et hoc non sit i>er occasionem factum, sed probata res pateat veritatem.

9) IIo<* tamen crimen iudicibus non in occasione ob principalis maiestatis venerationem halK'ndum est, >e<i in veritate.

l'M Vgl. Brunner I. .31(>.

11) Vgl. Omrat Pandektenauszug S. 17 Not. «l (S. 1«»). rbereinstimmend Momm.^'n Digg. uil h. 1. ai. s<»:5).

12; Vgl. Savigny IL 219—221.

!.'>) Eh sin«! die \Vort<*: (pre^entem corregcrc) legem «|uac priores onines rcnovet et emen- dft. »-t i|U*>d «h-^'st a<liciat, et (juod su{K'rfluum est absci<lat, nach e<l. Blnhme, M(i LL IV. 2. Darauf hat zui r>t Tasquale «lel <iiudice, Kendic. <lel real, istit. l/»ml). Ser. IL Vnl. XVIIl. 4.V*». hiiigi'wicM-M.

II» i '. 1»J^: df exlu re<lati<>iir filjnrum. Nulli iit-cat ^uw ccrta^ «Milpa.- filinm >uuni e\herr- ditan-, ne«- «|U«mI r\ |H'r legem dcln^tur, alii thingan*. <«. ILU. De iu>ta?* culpa.»'. ,lu>ta'* autrm «nlpa« exheri'ditandi filium ha^ oh* dirimu'*: >\ tiliu^ contra aiiimam aut sanguinem {latri^ inoidiatu^ aut ron-iliatnr fm-rit, aut si ]».Mtnin penni^^erit \n|ont:iriae, aut >i cum matrinia •ua id e^t nolKTca. |nrcav«'rit. iuste a ]>atn* cxhcrediletur. c. 17n. Item Mcut nee patribu^ lici- tum eM fdium »»uum *ine iu?»ta cauna aut culpa exhereditare ila ntv fdiu* leeeal vi\o patre

Kaiser- gesetze.

4 Erster Abschnitt.

Könige zwar ein Einfluss röinischrechtlichen Sprachgebrauchs nicht zu verkennen, hingegen der römische Ursprung von. ßechtssätzen , geschweige denn ihre Ent- lehnung aus den Quellen des römischen Rechts, mit Sicherheit nicht nachzu- weisen 0.

g. In den Gesetzen, welche dem englischen Boden angehören, zeigt sich keinerlei sichere Benutzung der römischen Rechtsquellen (vgl. 6. Kapitel). iarie«*''ind 2' ^^ ^^^ Kapitularien der fränkischen Könige sowie in Gesetzen der älteren deutschen Kaiser 2) begegnet, teils mit teils ohne Angabe der Quellen, eine freilich nur höchst spärliche Benutzung des römischen Rechts, und zwar des Breviars bei den Merovingern 3) , eben desselben^) und des Julian bei den Karolingern'^),

cuicumque res suas thingare aut }>er quodiebet tituluni alienare, um forte filiils aut filia» legi- tiniiVs, aut fili(ls naturalis^ reliquerit, iit ipsis secunduin legem suaiii conservet, nach ed. Bluhnie a. a. (). p. 4Ö2 sqq.

1) Pasquale del Giudice, a. d. S. 3 Not. 13 a. O. p. 451 sqq. u. daselbst Vol. XIX. 565 sqq., will in vielen Fällen Einfluss des Römischen bez. Justinianischen Rechts, ja zum Teil Entlehnung aus den RechtHbüchern der Justinianischen Kodifikation erblicken. An der zweiten Stelle sind es die folgenden Texte des Ed. Rothar.: c. 128 Ersatz bei Köq^ervcrletzung = D. Ü, 3, 7. cc. 144, 145, 152 periculum bei locatio conductio == D. 19, 2, 30 u. 19, 2, 25, 6; C. 4, 65, 25. cc. 151, 354 Accession = I. 2, 1, 30; C. 3, 32, 2 u. 8, 4, 11, 1 ; I. 2, 1, 32. cc. 154—160 Erbrecht der natür- lichen Kinder = Xov. 18 c. 1. c. 167 peculium castrense I. 2, 12 pr.; D. 49, 17, 11; C. 12, 30, l u. 12, 28, 1. - c. 185 Ehehindemis der Schwägerschaft = 1. 1 , 10, 6—12 ; C. 5, 5, 5. cc. 270—272 Restitution flüchtiger Sklaven = C. 5, 1, 4; C. Th. 9, 45, 5; C. 1, 12, 6; Ed. Theodor. 70; cc. 309, 311, 314, 319 Okkupation wilder Tiere = I. 2, 1, 13 u.U. cc. 324, 326 pauperies = I). 9, 1, 1, 10 u. 3. Recht wenig beweisend ist das von Pasquale del Giudice an der ersten Stelle Ge- sammelte. Brunner, I. 369, 370, meint mit Recht, dass, von den Nott. 13, 14 (zu S. 3) erwähnten Fällen abgesehen, nur bezüglich der auch von Pasquale del (iiudice a, d. a. d. zweiten Stelle au- gefiihrten Verwendung des Verjährungsbegrifls in cc. 227, 228 sowie bezüglich der zweijäh- rigen Frißt zur Vollziehung einer Verlobung in c. 178 (vgl. C. J. 5, 1, 2) mit Sicherheit Ent- lehnung aus dem römischen Rechte anzunehmen sei.

2) Vgl. Savigny II. 90—99, 221—225. Veraltetes bei Haenel 1. R. V. p. 464.

3) In der praecei)tio Chlotars, welche Boretius dem Zweiten dieses Niunens zuschreibt (584 628), ist es besonders die folgende Stelle: usus est clementiae principalis necessitateni provincialium vel subiectorum sibi omnium populorum provida sollecicius mente tractare, et l)ro quiete eorum quaecumque iuste sunt observanda indita in titulis constitutione conscribere : quibus quantiun plus fuerit iustitiae adque integritatis inpensum, tantum pronius amor divu- tionis incumbit, nach ed. Boretius p. 18. Hier ist eine Novelle Valentiniims (Br. Nov. Val. 8) benutzt. Über weitere Anklänge in eben diesem Gesetz sowie schon in der decretio Childeberti II a. 596 c. 2, 3 ist zu vergleichen Boretius, a. a. O. p. 18, 19, 15 Not. 3 u. 5, 16 Not. 6.

4) Auf eine Vorschrift des Bre\iars und zwar auf die erste (C. Th. 1, 1, 1), welche die Datierung als Vorbedingung der Giltigkeit der Gesetze vorsclireibt (Int.: quaecuuque leges sine die et consule fuerint prolatae, non valeant), nicht auf Julitui, wie Savigny, II. 98, will, beziehe ich die Berufung auf die lex Romana in dem Kapit. Karls des Kahlen v. J. 8u5 (c. 6: signatis ii)si8 praeceptis, sicut lex Romana praecipit, ad nostram praesentiam deferri faciunt, nach ed Pertz, MG LL I. .502). Aus der Epit. Aegid. findet sich in einigen Hand- schriften eine Stelle ((\ Th. 5, 10, 1) als Anhang zum Wormser Kapitulare v. J. 829 (ed. Pertz, MG LL I. 355) : vgl. Haenel l. R. V. ad h. l. (p. 148). Ai)okryph ist das Kapit. Karls d. Gr. (c. 12) im lib. Papiens., welches Epit. Aegid. C. Th. 5, 12 ist: vgl. Boretius a, a. O. p. 220 sub N. 22.

5) Die in der Kapitulariensammlung des Ansegis (2, 29 u. 30) aufgenommenen Kapitel aus Julian (Const. VII. c. 1. u. 2) werden vermutungsweise v<m Boretius, a. a. O. ]>. 310, 311, auf ein Kapit. (oder Konzil) v. .1. 826 zuriickgeführt. Anklänge an römisches Recht in einem C'apit. Italicum Karls des (irosseu von zweifelhafter Ächtheit bei Boretius a. a. O. p 216. Weitere Beziehungen zum römischen Recht erblickt Boretius, a. a. U i>. 277 Not. 9, p. iJ35 Not. 3, in

2. Kapitel. Klerus. 5

des Julian in dem den BeschlQssen der Synode zu Pavia entsprechenden Gesetz Heinrich I (II) v. J. 1022 (vgl. S. 27), sowie des Julian und des Codex in dem zu ßimini gegebenen Gesetze Heinrich II (III) aus dem Jahre 1047 ^), der con- stitutio de iuramento calumniae. Der Kaiser erklärt hier, dass bezüglicli der in den Gesetzen anerkannten Befreiung der Kleriker von der Eidesleistung angesichts einer andern ununterschiedlich zum iuramentum calumniae anhaltenden Gesetzes- norm 2) Zweifel darüber entstanden seien, ob in der That die Kleriker zur Eides- leistung in Person anzuhalten sind und sich nicht vielmehr vertreten lassen können: zumal man den ersteren Satz auf Grund der Inskription des Gesetzes für eine aus- schliesslich auf den Klerus Konstantinopels anwendbare Norm hielt ^). Um den Zweifel zu bannen, lehnt der Kaiser eine beschränkende Interpretation ab und stellt, im Hinblick auf die von Justinian verordnete Gleichstellung der Kanonen mit den Gesetzen *) sowie das Fehlen einer die Eidespflicht auflegenden Norm in den Kanonen, die Eidesfreiheit der Kleriker und Mönche fest.

2. Kapitel. Klerus.

Im Folgenden will ich, nach Jahrhunderten geordnet, Belege für die Be- nutzung der Quellen des römischen Bechts in der kirchlichen Gesetzgebung sowie in den Schriften von Personen geistlichen Standes zusammenstellen. Dabei ist in Betracht zu ziehen, dass von den Zeiträumen abgesehen, welche das frühere Mittel- alter gegen das Altertum einerseits und die späteren Jahrhunderte des Mittelalters andererseits abgrenzen, in dieser Periode der literarische Betrieb im wesentlichen allein durch Kleriker und Mönche erfolgte. Wenn sodann Literatufprodukte, welchen der Charakter von juristischen Schriften zukommt, von der Erörtening dieses Kapitels aus- geschlossen und einer andern Stelle vorbehalten werden sollten (sechster bis achter Abschnitt), so ist doch darauf hinzuweisen, dass die dadurch erforderliche Teilung in Schriften, welche jenen Charakter tragen, und in solche, bei welchen dieses

dem Capit. etrles. a. 818 u. 819 (c. 13) Ludwigs des Frommen sowie in einem Capit. Italieum l>»thar9. A|K»kryph ist da« Kapit. Pippins im üb. rajnens., welches Julian. Const. CXIX. c. i\ ist: vgl BoretiuH a. a. O. p. 211» sub N. 15. DassellK» gilt von einem Kapit. in ed. Pertz, M(i LL I. IIH, in welchem sich als aus der novella Justiniani die constitutio Theociosii im)>eratoris et Va- lentiniani ad Albinuni praefei^tum (eil. Ilaenel, Corj). legg. p. 211 i. f.) findet: vgl. Horetius Kapit. i. Ijingobardeur. S. 18S. Die falsche Angabe wird sich daraus erklären, djws «lie Kon- stitution «lern Ap|>endLx zum Julian entnommen ist (vgl. Haenel a.a.O. p. 242 oIh'u). Julian. ('XV. V. IS endlich, welche Stelle aus einer Hheiniser Handschrift ed. Balnz. 11. 3r»l untvr «lic Kapitularicnfragmente aufgentmimcn hat, ist in e<l. Pertz, M(t LL I, II, nicht zu linden.

1. ¥a\. Pertz, M(i LL IL tl; dazu ist zu vergleichen Savigny II 22.'J 22r) und in»l)e- •i<»ndere zum Datum SteindoHl'. Heinrich III. IL XU Not. 2.

2| Alibi ven» n'piK*ritur si'riptum, ut omncs ]»rincipalcs ixTsonac in prinio litis t'xonlio -iiUiint iusiurandum calumpnia«'. Es ist iK'Uutzt i\ 2, .'vS, 2 pr , nicht Julian. Const. (WXn. «'. 1 <iu primo exonlio steht auch in alten Codexhandschriftcn: vgl. cd. Krüger ad h. 1. fp. 2.'{oj).

;ii In legibus cautum v^X, ut nemo clcricorum iurarc pracsumat . . illnd constitutionis (•«ii«*tum ubi <lt*rici iurarc prohibentur, a Thc<Klosio augusto Tanro pracfccto practnrio d«* ( v»n*»t4intino|»olitanis ch-riris proninlgatum fuissc vi<letur. Die in pM'zug genommene .'^tellc ist < *. 1, /», 2,''Hpr.i mit der ItK<«kri)>tion dt* Cod. Pist<»r. ältester Hand, wi'lche aus Const. 2«» stanniit «%'j:l. fi\. Kriiger ad h. 1. [p. 'U]».

Cum <livus Justinianus iure dei-reverit ut mrmm's |iatrum vim legum halKTf oporteat. l>ie»« \nt Julian. Const, VI. c. l. nicht CXIX. c. 1. wie Savigny. a. a. (). S. •22.') Not. e, will.

(3 Erster Al)8chnitt.

nicht der Fall ist, sicji nicht scharf durchführen liess. Die gesammelten Belege reichen von der Zeit nach der Justianischen Kodifikation bis in den Beginn des 12. Jahrhunderts und umfassen auch die nicht eben reichen Materialien, welche bereits Savigny zusammengestellt hat *). Sechstes j. Eine Bezugnahme auf den Codex findet sich bald nach Beendigung der

lindert. Kodifikation bei Facundus, dem Bischof von Hermiane, in seiner Schrift pro defen- sione trium capitulorum*^); in Berufungen auf zwei Stellen des ersten Titels*^) wird die eine (Const. 7), eine griechische Konstitution, in lateinischer Ueber- tragung wiedergegeben^). Eine weitere Benutzung des Justinianischen Rechts bei Lebzeiten Justinians ist in den Briefen des Pabstes Pelagius I (555—560) nachweis- bar: kaum ein anderer Pabst, etwa von Gelasius (492—496) und Gregor dem Grossen abgesehen, ist so fruchtbar an Aussprüchen, welche sich auf die Quellen des römischen Rechts gründen^), ohne dass es freilich überall gelingt, einen be-

\) IL 274-286.

2) Nach Hefelc II. 8()4, 797 ist die Schrift bald Dach dem 11. April 548 abgefasst.

3) 1. 6 in 1, 1 u. 1. 7 pr. § 17, IS in 2,2 (ed. Sirmond., Opp. II. 290, 325).

4) Es wird zunäciist das principium der Stelle allegiert und zwar wie folgt: titulus sub (liio coutinetur, iste est de summa trinitate et fide catholica, et ut nemo de ea contendere audeat, principium vero. Ich lasse hier den sich anschliessenden Text des Facundus und zur Rechten die latein Übersetzung nach ed. Kriiger, Corp. iur. civ. (1880) II. 8 u. 10, folgeu.

Imperator JustinianusAugustus Epiphanio Idem A. Epii)hanio sanctissimo et bea-

sanctissimo ac beatissimo archiej)iscopo regiae tissimo archiepiscopo huius regiae urbis et urbis huius et universal] })atriarchae. Bcire oecumenico patriarchae. Edocere volentes volentes tuamsanctitatem omniaquaead eccle- sanctitatem tuam omuia quae ad ecclesiarum siasticum statum respiciunt (pr.). Eadem statum respiciunt (pr.). Eadem autcm saneta vero sancta Calchedonensis sj-nodus et magni Chalcedonensis synodus et magni Prodi litte- Procli ad Armenios scriptam epistolam de ras ad Armenias seriptas de eo, quod dominum CO, quod oportet dicere dominum Jesum nostrum Jesum Christum filium dei et deum Christum filium dei et deum nostrum uuum nostrum unum ex sancta trinitate dici opor- sanctae trinitatis per suam relationem sus- teat relati(me sua recepit et confirmavit (17). cepit et confirmavit (17). si euim praedictas dicta quattuor concilia vel quae ab iis statuta sanctas quatuor synodos egrediamur aut ab sunt si praetermittimus, licentiam damus hae- his disposita, damus facultatem haereticis (jui reticis eorumque doctrinis ab isdem oppressis depositi ab iis sunt et eorum dogmatibus, pestem suam in sanctas dei ecclesias rursus suam pestilentiam iterum in sanctas dei ec- inducendi (18). clesias ostentare (18).

5) Ich hebe Folgendes hervor: 1) Ein Brief, Grat. Decr. C. XI qu. 1 c. 1(3 (J. 0G5), enthält eine Berufung auf die Regel (C. 3, 13, 2), dass der Kläger im Wohnsitze des Verklagten klagen müsse (actorem forum semper secjui pulsati), sowie eine Bezugnahme auf kaiserliche Gesetze (sanctiones principales) des Inhalts, dass Kleriker vor dem bischöflichen Richter ihren Gerichts- stand haben (clericis pulsatis forum competere in episco])ali iudicio [Nov. 83 pr.]) (vgl. auch .1. 904). 2) Auf einen Novellentext (131 c. 1) bezieht sich der Ausspruch, Coli. Brit. Pela^. Epist. 13 (J. 985), es sei durch gesetzliche Normen verboten, dass der Pontifex veräussere, was zur Zeit des Episkopats erworben ist (pontificem episcopatus adquisita temporibus alineare legalibus sit prohibitum statutis). 3) In einem andern Briefe, a. a. O. Epist. 70 (et 71) bei Loewenfeld p. 20, 21 (J. 96()), findet sich der folgende 8aiz: uec legum vel canonum ratio patiatur, ecclesiastica vasa privatis utilitatibus exce])to captivorum redemp- tionibus usurpari vel quibuslibet oppignorari. Justinian hat in seiner Konstitution v. J. 529 (p. 1, 2, 21) Veräusserung , Verkauf und VerpHindung der Kirchengcräto verboten und zu- gleich für den Zweck der Auslösung von Gefangenen eine Ausnahme zugelassen; dieser Satz, welcher in Nov. 120 c. 10 wiederholt ist, wird von den Institutionen (2, 1, 8) in einer dem päbstlichen Briefe nahekommenden Ausdrucksweise zusammengefas.st (alienari

2. Kapitel. Klerus. 7

stimmten Text derselben mit Sicherheit als den in Bezug genommenen zu erweisen ^).

Eine erhebliche Bedeutung kommt diesen Belegen um deswillen zu, weil sie, so scheint es, die ältesten Bezeugungen einer Benutzung der Justinianischen Kodifikation in der lateinischen Literatur darstellen^).

Ins spätere sechste Jahrhundert fallen sodann spärliche Bezugnahmen auf römi- sches Recht in gallischen Konzilienschlüssen. Sie gehen auf das Breviar bez. die Inter- pretatio, jene Bearbeitung- des römischen Gesetzes, mit Bezug auf welche die Väter des Konzils von Tours a. 567 aussagen, dass sie jedermann verständlich sei^, *). Be- zugnahmen auf römisches Recht, welche sich in den Konzilien zu Macon a. 582

etobligari prohibuimus excepta causa redemptionis captivorum) ; somit wird man bei den 1^68 eine Bezugnahme ^uf die Justinianischen Gesetze für sicher halten dürfen. 4) Ein an den comes Johannes gerichteter Brief, Grat. Decr. C. XXV. qu. 2 c. 16 (J. 1033), enthält eine Be- rufung auf Gesetze (generales leges) des Kaisers (clementissimus j)rinceps) des Inhalts, dass nur diejenigen auf Betreiben des Bittstellers erlassenen Reskripte Geltung besitzen, welche mit der iuris et legum ratio übereinstimmen, während erschlichene Erlasse kraftlos seien (dicenti, sacras iussiones se habere prae manibus, respondimus, scire illum oportere, quod ipse clementissimus princeps generalibus legibus constituerit, illa sacra uuiuscuius([ue supplicantis deaiderio concessa praevalere et eft'ectui mancipari, quae cum iuris et legum ratione concor- dant; ea vero, que subreptione vel falsis precibus forsitan ini)etrantur, nuilum remedium sup- plicantibus ferre). 5) Der letztere Gedanke, nur in veränderter Fassung, wird dann als kaiser- liches Gesetz in einem an den magister militum »^indulus gerichteten Brief wiederholt (nulli qui in precibus suis deprehenditur esse mentitus ea sacra prodesse quae meruit), Ivo Decr. VIII. G7 (J. Kßl); es geschieht dieses mit Bezug auf einen gewissen Montaniauus, welcher sich falschlich als eheliches Kind des kinderlos verstorbenen Erblassers ausgiebt. Ihm, dem Kinde einer Sklavin, nützen die principalia sacra nichts; vielmehr sollen die Söhne <les vorverstor- benen Bruders in das Vermögen succedieren. Welche unter verschiedenen Konstitutionen des Codex (vgl. etwa 1, 22, 2. 4— G; 1, 23, 7; 1, 19, 7) dem Pabste vorschwebt, ist zweifel- haft, nicht hingegen, dass er Codexstellen wie diese, unter welchen übrigens keine einzige von Justinian selbst herrührt, im Auge hat. In beiden Briefen ist angetleutet, dass der Kaiser (princeps), auf welchen jene Satzungen zurückgefidirt werden, in dem anhängigen Rechts- streit zugleich rescribiert hat.

1) Folgendes ist ausser dem in der vorstehenden Note Erörterten von Erheblichkeit: 1) J. IHK». Anfrage des magister militum: a. chartae, quas de<lit no])is Lucidius, si illo tem- pore adversarius ipsius illic ])raesens fuisset, validae essent; sed quia adversario absente gesta, quae nobis receusuit, facta leguntur, talia leges non recipiunt (J. 3, 19, 12 [?]). b. Es heisst von der Frau des Placidus: quia subito inter caballos inventa est, et dum traherentur caballi, coilii«a est illa et al>orsum fecit. Entscheidung: si ita est forte si caballos alienos tulit, inde e»t culpabiUs; nam de muliere, ijuae casu inter <aballos confracta est, ubi voluntas illius non agDoscitur perniciosa fuisse, non potest addici per leges. Der Thatl)estaud ist nicht ganz deutlich; die Rechtsfrage: Aquilische Schuld. 2) Grat. Decr. C. XXIII. (lU. 5 c. 44 (.1. 1024): et divinae et humanae leges statuerunt, ut ab ecdewiae unitate divisi et eius paceni iniipiis- »»ime perturbantes a saecularilms etiani potestatibus conprimantur (C. J. 1, 5). 3) Coli. Brit. Pebig. Epist. r>s l)ei LoewenfeUl p. 19 (J. 1030). Eine Partei l»eruft sich auf legalia cautn t|ue 9us{>ectum |>erniitlunt declinari iudicem (C. .3, 1,10; Nov. 53 c. 3 11. 4; N(»v. iw; c. 2).

2) Wenigstens soweit <liesell>en eine sichere Datierung gestatten.

3) Vit sacra senteutia legum, quae in hac explanatione omni homini, tarn dm'to cjuani indocto, ai>erta t»st, aus c. 21 (vgl d. folg. Not.).

4) Conc. Turon. a. :>«;7 (Mansi IX. V.H) .«qq.) c. 20 lex Roinana -= Br. C. Th. 1>, *2t>, 2 cum Int. u. 1; c. 21 = 15r. C. Th. 3, 12, 3 Int. u. 4 Int. Dies«- Stellen hat Ilaenel, 1. R. V. p. l«ir>; wa« sonst bei Ilaenel a. a. (). aus Kouzilien.**chlüsscn des sechsti-n .InhrhnndiTts als Bezugnahme auf das Breviar verzeichnet wird, ist dunhaus unsicher.

8 Erster Abschnitt.

u. 585 finden ^), scheinen hingegen, wenn nicht das Justinianische Recht, so doch ein anderes Recht als dasjenige des Breviars, vielleicht das römische Recht vor dem Breviar zu betrefifen '-).

Hingegen fällt ins Ende des sechsten und in den Beginn des siebenten Jahrhun- derts eine überaus reiche, von der romanistischen Rechtswissenschaft bisher fast über sehene Quelle, die merkwürdige Briefsammlung des Papstes Gregor I (590— -604). Denn '^) mit dem Commonitorium an den Defensor Johannes v. J. 603 "*), welches aus einer Reihe von Stellen der römischen Quellen zusammengewoben ^), Texte aus Codex und Novellen^) und einen einzigen Pandektentext' namhaft macht '^), sowie mit einer sonstigen unzweideutigen Bezugnahme auf eine Codexstelle ^), ist der Stoff, welchen Gregors Register liefert, durchaus nicht erschöpft. In den zahlreichen

1) 1) Conc. Matiscon. I. a. 582 (Mansi IX. 93 sqq.) c. 16; vgl. folg. Not. 2) Conc. Ma- tiscoD. II. a. 585 (Mansi IX. 047 sqq.) c. S: mimdani principes suis censuerunt ut quicunque ad eorum statuas confugerit, illaesus habeatur; c. 9: licet reverendissimi canones atque sacra- tissimae leges de episcopali audientia in ipso bene Christianitatis principio sententiam protu- lerint; c. 17: nefas est mortuis suis religiosa loca usurpare, sine voluntate scilicet domini sepulcrorum . . quodsi factum fuerit secuudum legum decreta . .; c. 18: incestam eopulatio- nem, in qua nee coniunx, nee nuptiae Tecte appellari leges sanxerunt, catholica omnino de- testatur atque abominatur ecclesia.

2) Im B^e^ia^ (und ebenso der 1. R. Burg.) finden sich gar keine oder nur schwache Beziehungen zu den vor. Not. sub. 2 angegebenen Thatbeständen der weltlichen Gesetze. Hingegen i)}i8St auf c. 8 am füglichsten T. C. J. de bis qui ad stat. couf. 1, 25, bez. V. Tii. 9, 44, 1, auf c. 9 T. C. J. de episc. aud. 1, 4. Zu c. 17 finden sich in der Juristenlite- ratur zahlreiche Anknüpfungspunkte, in der Justinianischen Kodifikation z.B. 1.2, 1, 9, wäh- rend c. 18 (nee coniunx nee nuptiae) eher an I. 1, 10, 2 (non uxor nee nuptiae) als im Hr. C Th. 3, 12, 3 oder Epit. Gai 4, 8 (nee uxorem . . nee filios) erinnert. Es könnte dann auch in Conc. Matiscon. I. a. 582 c. 16 (vgl. Not. 1), wofür Haenel, 1. R. V. p. 405, sich auf Br. C. Th. 16, 4 beruft, Welmehr C. J. 1, 10 in Bezug genommen sein.

3) Vgl. hierzu Savigny II. 275—277.

4) Ed. Maur. XIII. 47 (J. 1912).

5) In commonitorÜH ad Joannem defenj^orem euntem in Hispaniam, quae commonitoria ex integro de Imj)erialibus contexuit legibus, quas ecclesiasticas iudicavit. Worte des Hink- mar von Rheims, nach ed. Sirmond., Opp. 1. 339.

6) Nicht in der Gestalt der Epitome Juliani. Bei Grat. Decr. CXVIII qu. 2 c. 22 (J. 19(U), wo sich unter Gregors Namen Julian. Const. CXV. c. 57 wiedergegeben findet, ist ge- wis die Inskription falsch, da sich die Stelle in Gregors Register nicht findet.

7) Die Stellen lauten in einem in Hinblick auf Baudi di Vesmes Angaben, Atti dell. R. accad. dell. scienz. di Torino V. 250 sqq., revidierten Text der ed. Maur. : sicut haec novellarum con- stitutio manifestat quae loquitur de sanctissimis et deo amabilibus ac reverendissiniis episcopis et dericis et manichaeis = Nov. 123 c. 21 j in eadem constitutione LI capitulo legitur = Nov. 123 c. 19; ut huius legis series loquitur Codicis libro primo titulo tertio constitutione undecima = C. 1, 3, 10; libri suprascripti tit. XII const. II = C. 1, 12, 2; itemeiusdem tit. constit. sexta = V. 1, 12, 6; sicut praedicta Novellarum constitutio qua« de episcopis loquitur continet = Nov. 123 c. 8, 22; lectionis huius tenor ostencUt lib. VII tit. XLVIII constit. IV = C. 7, 48, 4; haec constitutio patefacit sie dicens C. lib. IX tit 1 constit. XX = C. 9, 1, 20; sicut legitur libro XLVIII titulo ad legem Juliam maiestatis digesto septimo Modestinus libro XII pandecta- rum = D. 48, 4, 7, 3 (vgl. Mommsen Digg. ad h. 1. [II. 803]); constitutione novella quae de testibus loquitur Cap.XVI = Nov. 90 c. 9; legendiis est tit. XLIV lib. VII. constitutionum =- 0. 7, 44, 3.

8) IX. 7 (J. 1724). Die sich auf C. 1, 14, 5, 1 beziehenden Worte lauten: imperiali con- stitutione aperte sancitnm est ut ea quao contra leges finnt non solum inutilia, sed etiani pro infectis habend a sint.

2. KapiU*!. Kleru». ()

Briefen des Pabstes, welche Rechtsfiagen erörtern*;, ist nicht allein der Sprach- t^ebrauch ganz ersichtlich im Stile der Justinianischen Kodifikation gehalten, son- dern auch in diesen Kundgebungen eine Fülle juristischer Weisheit auf dem Boden fines positiven Hechts entfaltet, welches kein anderes Hecht ist und sein kann als das .lustinianisehe. eine, wenn ich recht sehe, sehr bemerkenswerte Erscheinung '^\ welche andererseits um so weniger auffallend ist, als Gregor ehedem römischer Stadtpräfekt war *). Ihn zu einem Zöglinge der römischen Hechtsschule zu machen, für deren Charakteristik er dann bedeutsame Züge zu liefern im Stande ist, hat durchaus keine Bedenken \'^).

li Kill (iregor I zuge«jchriel)ener Hrief v. J. (KU, XI. ()4 (J. 1S43), dessen Authentizität /wrifelhaft it^U '»Whon er l»ereitM in der zwischen 731 73,') verfiwsten Kirchengeschichte Ik^dii« I. J7» vorkommt, spricht von einer terrena lex in Homana ecclesia, welche die Heirat zwischen « i<-Khwi*»terkin<lem gestattet, gewis C .'), A, 10 oder T. 1, 10, 4.

Ji Ich entnehme aus Pitra, Auall. Novv. Spicil. Solct*m. I. (de epp. et regg. lionim. pontt.) p. »»s Not. 1. dass J. (tasparini in einer Schrift de s. audit. inipp. eonimque faniiliaribus et « «»niitil»a-. ad I. S2 c<m!. de api>ell. et consultatt. Hb. VII. tit. 02 dissertat., Rom. ISiMi. auf die IMeutung «ler liriefe (Jregors fiir die (teschichte des römischen Rechts hingewiesen liat; %;rl. femer Alibrandi in Studi e docum. di stör, e diritto, anno VIII. 'Jin.

{) Oder Stadtprator: vgl. (iregororius (Jesch. d. Stadt I^om 'II. .12 Not. *_*, Ilaxmaun fditik d. Päliste V. (Jregor I. bis (iregor VII. I. r)l.

Seine sjiaterer Zeit (!». Jahrhumlert) angehörigen Biographen in AA SS Mart. II. i:{<>, 1 ^^ wijMCTi freilich nichts davon.

'») Ich gelie im Folgen<len <lie Übersicht ril)er eine Anzahl von Briefen, welche durch

hn- iW-nutzung der Kechts(|uellen ein iH^sonderes Interesse iKMinspruchen. Die Adressaten der

r.rieff gehören, falls nichts anderes vermerkt ist, dem geistlichen Stande an (Bischof, Diakon

-If-r SuNiiakoni. Die iK'Zuglichen (^uellenstellen sind nur «lann iK'igefügt, wo sie mir nicht auf r H.ind /u liegen scheinen. Nicht ohne Nutzen zur vorläufigen Orientierung in dem immensen BrM'fschatze ist die vita Oregon« «les Johannes Diaconus (IX. S) (AA SS Mart. II. 137 s«|<j.);

iiizflm' Allegate finden sich auch in der neuesten Ausg-.ilK' der ersten vier Bücher, imI. Kwald. MO Kp[.. Ti.m I. P. I.

1t I. !♦ (J. 107»;). Kigentumsiinsprüche <ler ecclesia Komana verjähren nacli 4n .Inbren. Ih-T Brief ist viel l»enutzt. z. B. vou Savigny System V. :r)7) (Nov. 111 u. 131 c. «ii. I. IH (J. lir>7). Bezüglich <ier Hebräer in Uom: Komanis vivere legibus |>ermittuntur . . •*i* tarnen ('hri-tian;i mancipia hal)ere non liceat (('. 1, J«, s pr: ('. 1, K», 1). 3) I. 4.S (J. UPI). Au dtn dux Sanliniae. Kiue Mutter will das Testiiment <les S<»hnt»s lUifechten; sie soll dann die Ij<-|ral4*at! piasraus;i^ nicht vergi'ssen(ut piis se cau.sis salva iustitia lil>enter accom(Mlet,et <)ui«h|ui<l l;i* iuris rati«» tribuit. iK'nigne iul>tnit custodiri) (Nov. 11.")). 4) I. ,V) (J. 1123). Indinrns »....#«• rrr<iimu<> ut progeniti ex lil>era muliere filii ad servitium n*trahantur. (Die Mutter. |K*r rpi*t«»hun manumissa. hatte die Kinder in der Khe geboren.) .">) I. (»s (.1. ll.JT»). Klrriker halt«n Kin*hengeräte verkauft : ein Jude (Ilebnieus <|ui oblitus vig<»rfm legum praesuinsit ?sicra «imili.1 ronijtararei soll durch den iudex proviuciae auf Kückgal»e verklagt wenlfu (O. 1. J. Jl : I. J 1. ^•. Nov. Pi'» c. l'M. Ct) I. 71 (J. 113.S». Femina pr<» ei», cjuod post acceptas s|M»nsali- Tu* .irrha^ ex iu<iat*a ad christianam religionem conversa est. dicitur siL-^tiiiere mole>tiam: falN JM* •*,m!i«' 'Anklaget abgeurteilt (dicta finita iudicata) sei, diirfr nicht von nt'uirn eiiu' t^uenl •-rii"lHn wt rden. 7i II. 'i (J. ll.\S|. 15«'<lingung für die KonM-kr.ition dir \on ,IamI.^riu^ jf»-»tiftet«-n r>:iMlika ist S*heukung in l>estimmter Höhe: (|ua(* inniii.i diligi-ntcr in«|uin'. v\ si ♦^•njm «juat- «»tltTuntur reilituum quantitas. \el «piae tem]>ore Uiorti^ n*li«|Uirint . sarti> ii^ti.-

! lumin.-ribus ntr non alimoniis servientium annua possunt prae>t.iti<»ne suttictTe. i|»s.i mu- fiifkTTJtia g<'?«tis municipalibus alligata. quodsi hatr quar dixinui-» |kt sollicitu<linrm tuam .Siplt La n«»n fmrint. de propria substaiitia «juanti inti-rfuiTit utilitati rrilesiat- W \'v\ IutinIi*'» :u"-» •^ti^factunim «*se non dubites (Nov. <i7 r. Jt. ^i II. IJ iJ. ll<«7i. Kiiu- S<henkung. 'I"iijti«. l«*intima. id est t<»tius facultatis fius, excopta taiiiilia. uiobilium vel inniiolüliunj m«|U<' b.'.«.t'titiuui iineiis octo, retento «ibi nsufructu lusufrucluario in etl.) diebus vitae sUiu*. g**?»iiM|U«'

10 Erster Abschnitt.

i. Siebentes Das weitere siebente Jahrhundert, derjenige Zeitabschnitt des Mittelalters, über hundert, welchen die Quellen Italiens am dürftigsten fiiessen, liefert, wie mir scheint, unter

municipalibus alligata. 9) II. 28(J. 1182). Contra pmeceptiidoniinica contraque canonuiu regulam commissa esse didieimus: es sind zwei Mönche flüchtig geworden; sie «ollen zurückgegeben werden (Nov. 123 c 42). 10) III. 5 (J. 12(X)). Sicut in iudiciis laicorum privilegia turbare non cupimus, ita eis praeiiidicautibns moderata te volumus auctoritate resistere. violentois namque laicos coercere, non contra leges est agere, sed legi ferre subsidium. 11) III. 0 (J. 1210). In einem Kriniinalprozess gegen einen Bischof, dessen Entscheidung der Kaiser einem Bischof übertragen hat, wird ein Zeuge, abgesetzter Klerik^ (deiectus honore suo), dem pro- consul pro^^nciae zur Folterung gegeben (Nov. lM)c. 1 1]). 12) III. 7 (J. 1211). Bezüglich des beim Kaiser verkla^n Bischofs Hadriim soll ein Bischof über die Civilsache (de i>ecuni- ariiö causis) entscheiden, in der Strafsache hingegen lediglich die Untersuchung führen (Nov. 123 c. 21). 13) III. 38 (J. 1242). Au den Präfekten libertmus. Ein Jude hat zahbeiche Christen zu seinem Glauben verleitet, sed et Christiana, ut dicitur, mancipia coraparavit et suis ea obsequiis ac utilitatibus deputaWt. Adressat soll dagegen einschreiten: mancipia Christiana, quaecumque eum comparare j)atuerit, ad libertatem iuxta legum praecepta sine ambiguitate perducite (C. 1, 10, 1). 14) III. 41 (J. 1245). Die wegen Loskaufs aus. der Ge- fangenschaft auf einem Kleriker lastende Schuld soll von der Kirche getilgt werden (C. 8, 5C), 2; I. 2, 1, 8). 15) III. 43 (J. 1246). Es ist von den schweren Strafen de« Gesetzes beim stuprum die Rede. 16) IV. 9 (J. 1*281). Sklaven und Sklavinnen von Juden sollen, wenn sie um ihres Glaubens willen sich in die Kirche flüchten, weder ausgeliefert noch abgekauft werden, quilibet servus Judaeorum ad vcnerabilia loca confugerit causa fidei, . . in libertatem modis Omnibus defendatur (C. 1, 10). 17) IV. 21 (J. 1293). Secundum piissimanmi legum tramitem nuUi Judaeo liceat Christianum mancipium suo retinere dominio. sed si qui penes eos inveniuntur, libertas eis tuitionis auxilio ex legum sanctione servetur. hi vero qui in possessionibus eorum sunt, licet et ipsi ex legum districtione sint liberi, tarnen quia colen- dis eorum terris diutius adhaeserunt, ut pote conditionem loci debentes, ad colenda quae con- sueverant rura permaneant, pensiones praedictis viris praebeant et cuncta, qua^ de colonis vel originarüs iura praecipiunt, peragant. extra quod nihil eis oneris amplius indicatur. 18) IV. 37 (J. 1307). Dem Sohne soll das Vermögen des ab intestato verstorbenen Bischofs, in welchem auch das mütterliche Vermögen enthalten ist, in Höhe seiner Erbportion von der Kirche ausgeantwortet werden (Nov. 131 c. 13). 19) IV. 45 (J. 1315). Die Gläubiger de« Cosmas sollen wegen Fruchtlosigkeit weiterer Schritte sich mit Prozenten zufrieden geben und zwar aus zwei Gründen. Einmal: lex habet ut homo Über pro debito nullatenus teneatur, si res defuerint quae possint eidem debito addici (C. 7, 71 1), und sodann: quia filium eius, quem teuere dicuntur, secundum leges teuere non i)ossunt (Nov. 134 c. 7). 20) V. 28 (J. 1338). Adeodatus hat den Thomas, filio atque vernaculo »uo heredibus institutis, zum Vormund eingesetzt unter der folgenden Bedingung: ut si forte heredes ipsius in pupillari aetate de hac vita transirent, omuis eius substantia per manus ante dicti tutoris debuisset pauperibus erogari. Da nach dem Tode der Erben im unmündigen ^Uter dem Thomas Hin- dernisse in den Weg gelegt werden, so soll Adressat dafür sorgen, dass die Vermächtnisse den piae causae ausgeantwortet werden (ut ea quae mercedis intuitu piis causis relicta sunt, sine cuiusquam possint impedimento compleri). 21) VI. 1 (J. 1380). Von dem Vorgänger des Adressaten, Bischof von Ravenna, heisst es: condito testamento di versa in ecclesiae suae gravamina conscripsisse. Weiter wird dann gesagt: (quam vis) postquam hereditas illius succesioque repudiata est, ad haec te satisfacienda ratio nulla constringat. Adressat soll den bezüglichen Verfügungen des Vorgängers seine Zustimmung versagen (quae de ecclesiae suae vel de acquisitis in episcopatu rebus contra legum fieri statuta disposuit). Die Genehmigung einer bei Ijcbzeiten gemachten Schenkung des Erblassers erfolgt nicht in Ehrerbietung dos letzten Willens , sondern als eine dem Lebenden erwiesene (Junst (non . . quoniam supremam eius sequimur voluntatem, sed quia ei hoc viventi promisimus) (Nov. 131 c. 13). 22) VI. 12 (J. 1391). Es wird das Institut der Freilassung mit folgenden Worten gepriesen: homines, quos ab ijiitio natura liberos protulit et ins gentium iugo substituit servitutis, in ea, qua nati fuerant, manumittentis beneficio libertate reddantur (1. 1, 3, 2). Der Pabst erklärt itu einem

2. Kapitel. Klerus. 1 {

den päbstlichen Kundgebungen keine Ausbeute. Hingegen sind in Schlüssen von »panischen und gallischen Konzilien einige spärliche Bezugnahmen auf das Breviar

an dieselben gerichteten Briefe die beiden Kirchensklaven, Montuna und Thomas, für frei und ülieriii^t ihnen ihr Peculium (liberos ex hac die civescjue Romanos omneque vestrum vobis rplAuimu« peculium). Montana, welche Nonne werden will, erhält, zum Vorteil ihres Klosters, ua^ ihr von einem Presbyter, dem Mann ihrer Mutter, durch Erbeseiusetzung zugewiesen ist, Th<»mu hingegen ausser dem testamentarisch Hinterlassenen die der Mutter gemachte Ehe- M'faenkung (per ultimam voluntatem hereclitario nomine dereliquit, simul et sponsalia (|uae luatri tua^r conscripserat). Beim Tode des Tlionias ohne eheliche Descendenz (sine filiis legi- timi.^, h<»c «iit de legitimo susceptis coniugio) sollen diese Beträge der Kirche zukommen; si luteni Hlio^ de coniuge . . cognitos lege susceperis eosque sui)er8tite8 relitjueris, earundem te renim dominium sine «lUiidani statuimus conditione persistere et testamentum de his faciendi tiljer&iii tibi tribuimus facultatem. 'SA) VI. 32 (J. 14<Hj). Adressat soll einschreiten, sobald fin SkUve, Jude o<ler Heide, Christ wenlen will . . nee hunc sub (luolibet ingenio vel argu- ment«» cuipiam Judaeorum venundandi facultas sit: sed is (pii ud Christianam fldem desiderat, «ieft-DMone ve#tra in libertatem modis omnibus venditur (C 1, lo). iM) VI. 3.'{ (.1. 1410). Sjuiiaritaner haU*u heidnische Sklaven gekauft und beschnitten. Adressat soll letztere vor <feri<*ht als frei l)eaiispruchen (in libertatem vindicare), ohne Erstattung des Preises: erstere haben ja auch andere Strafe verdient (C. 1, K^ 1 u. J). _»:>) VI. 3()(.I. 14ir)). Et legum ratio

t ae«)uitas admonet naturalis, ut ({uis({uis hereditatem aut renuit aut parentuni suect*ssione ^' alH'tinet, heretlitaria non delnnit onera sustinere. Falls es daher von der Frau des Sincerus f«-*t«teht, das?* sie sich der Erb»i<-haft enthalten habe (in (jualibet re eius se sub.-tantiae minime mi'^'uij'K'), .M»ll j*ie auch nicht von den (tläubigern desselben zur Ziüilung der väterlichen x*huld ge<lrängt werden. 3*) \'n. 13 (J. 14.')!»). Sicut reprehensibile et ultione dignuni e-t »aenit.i quempiiim va-^a, pnieterquam in his (|uae lex et sacri canones praeeipiunt, venunidare, ita nuUa e?»t obiurgatione vel vindicta plectendum, si pietatis causa pro captivonmi fuerint re<i<-niti«»ue «ü'^tractü. (^uia ergo fraternitate vestra iudicante comi>erimus ad riMlemtioneni mptivorum mutuam se feciss<' j)ecuniam et eam, unde solven^t, non halH*re at(|ue ob hoc cum n*»*tni v«!* auctoritate stcrala velle \a>a di^tr.diere, in hac rv, tpiia et legiun et cannnum df«*n'tu «-Mn-^entiunt, nostrum consensum prae|K*re curavinius ef in distrahendis sacnitis vasi^ \i»bi- litvntiam imlulgt^mus (('. 1, J, Jl; I. '2, l.S; Nov. IJiU». KM. l>7) VII. _M (.1. 14<i:i. Vier Personen, welche von den .Iu<len aus der (iefangenschaft jnsgekaufl sind. l»efindeii sich nun \n'i denM»lben in Knecht?»c-haft : man soll den letzeren das l>">st»geld zahlen (('. s, CK». "J). -N» VII. ;^^ «J. 14N1). Et sacrorum canones et logalia .-tatuta jH^rndttunt ministeria tvclcMae j»nt t-aptivonim e^sc n'demtione vendemlas (C. 1. J. Jl ; I. J. 1. ^: Nov. IJ«» c. Um. - *J<m \'\\. :i«.i

.1 U^'J». Wei-ung an den Bi>chof (Iregorius .Iohanne> in einem (irenz.-^treit zweier Aliteien ><*hieil«»richter zu st*in. Loca <|uae in lite sunt, vestra facialis praesentia terniinari tpiadni- irint.1 tarnen anuonim utnque parti prai'scriptione servata (N<»v. 111; Nov. 131 c. <m. 3<M

VIII, *. ul. 14*« M. Filiu* noster Fau>tinus. vir eloquentissimus, ad nos venien«» questu> nobi«* e*i, inittii piiter ein* . . aliqua ve^trae tvclcMae sepulturae -mae gratia iuris aUeni relijpierit. et tfuidem quid de hac re m-cuH lege«» halH'juit. et ipse novit et nos audiviniu^, qiiia heres ad ^*A' \ruiluni r*tii\tUT. -i auctor ein- alieiia legaverit (I. "J. "J<», 4k 31» VIII. Jl (.1. ir»<»*h. Felix.

in chri'<tli<*her Sklave, wurde einem Samaraer gi'«-<*henkt . ob^^hoii die^ nicht anging (dum huin-in'MÜ '*uper*ititioni?» doniin<w ehri^tiana quolilnt int»do maiicipi.i iMi^-^idrre nee nitio legi^ n#-i- rentia nliirioni- aclmittati. Nach achtzehniäiiriirer KiurlitM-hatl winl er dnn*h dif Kin.lie l>efreit. Per Sohn, Erlx'i.'ide^ Saniaräer^, i>t Ciiri^t p'worden: e> iieis^t jrd«Hli von ihm: haue non debet «luactionem ali<|Uo uhmIo ^u-^tiiuTe, maxinje (piia nee patri-» ein* e^M» •<^r>u* |M»tuit . quem liquet ex prava p<>tius prae'*unitione potnani po-x^ veiiientem «le leL'ibu^ •u-tinere .(*. 1. P». 1 n. J». ;;j» VIII. J.'» ul. 1M4>. Sicui .I»ida«'i> non deU't <—♦• licinlia •(ni<i«^u.'im in »yiiagogi* sui- ultra quam {»ermi.v'^iini e-^t lej:e prae-uniere. ita in hi* qu.ie ei^ r«»ii«x-*-a -unt nidlum delniit praeiudieiinn -ustinere T. C. 1. 1". - "'.■ \'11I. »I i.l. ir»Jl •. Ne«- nttindanaruni legum nee siicroruni eanomim -t.ituta |Hrniittuiit re^ iiiona'^terii di* iiin* i in»« •|!i.»liU-t titnio M'gn-gari iC. l. '2, Jl : 1. J. 1. ^; Nov. IJ" e. In.. ;;i, |\. •; ,.l. ITJJ.. .<iiMit ■•-j'jili«» dvliniti«» Jnda»'<»s nova»» non patitnr erigere >ynagogas, ita i|in>qne eo> Mtie inquietndirie

12 Erster Abschnitt.

veteres habere pennittit (C. 1, 9, 8, 1 u. 2). 35) IX. 7 (J. 1724). Quia ingredientibus moDasterium convertendi gratia ulterius nulla sit testandi licentia, sed res eorum eiusdem monasterii iuris fiant, aperta legis defioitione decretum est. Dennoch hat eine Äbtissin testiert und Vermächtnisse hinterlassen. Unzulässig ist die Berufung darauf, dass dieselbe keine Nonnenkleidung angenommen habe; denn nach vorgängiger rechtlicher Prüfung (necessariuni Visum est, tarn cum consiliariis nostris quam cum aliis huius civitatis doctis viris, quid easet agen- dum, de lege tractare. qui tractantes responderunt . .) ist man zu der Überzeugung gelangt, dass das Vermögen dem Kloster gehört, sobald der Eintritt in dasselbe erfolgt ist. Wenn darum der Besitz in Händen eines xenodochium aus einem Vermächtnis jener Äbtissin herrührt, nicht aus einem Geschäft (nuUo praecedenti contractu), so soll er dem Kloster zurückgegeben wer- den; stützt er sich hingegen auf ein solches, so soll Adressat nach Massgabe der Gesetze ent- scheiden (quod legalis suaserit ordo) oder es sollen von beiden Parteien erwählte Schiedsrichter den Thatbestand untersuchen. Alia igitur omnia quae ex testamento . . detinentur, quippe quod nullum esse legali sanctione permittitur, necesse est ut iuri monasterii. . i>er omnia. . reparentur, quia imperiali constitutione aperte sancitum est, ut ea quae contra leges fiunt non solum iuutilia, sed etiam pro infectis habenda sint (wegen der letzten Worte vgl. S. 8 Not. 7, im übrigen Nov 5. c. 5 u. Nov. 123 c. 38). 36) IX. 13 (J. 1506). Felix hat sich über die actionarii des Adressaten beschwert: possessiones , quas tenuerat illicite et contra iuris ordinem pervasisse, petens ablata sibi restitui. Der Pabst giebt den folgenden Bescheid: quia quid legalis ratio habeat non nescitis, oportet ut omni mora postposita actores vestrae ecclesiae deputetis, ut cum eo debeant eligere cognitores, qui tam imminentis quam principalis rei quaestionem cognoscere valeant et finire (Possessorium und Petitorium). 37) IX. 14 (J. 1565). Legali pronsione decretum est tam imminentis quam principalis rei causam in uno eodemque iudicio cognosci (Zulässigkeit der Verbindung von possessorischer und petitorischer Klage) (D. 41, 2, 12, 1; D. 43, 10, 18, 1 [?]) 38) IX. 17 (J. 1582). Et sacrorum Ciinonum statuta et legalis admittit auctoritas licite res ecclesiasticas in redemtionem captivorum impendi (C. 1, 2, 21; I. 2, 1, 8; Nov. 120 c. 10). 39) IX. 20 (J. 1574). Quamqum ea quae ad ecclesiae iura per- veniunt alienari legis ratio non permittat, temperanda tamen interdum est censura districtionis, ubi raisericordiae respectus intervertat. Stephania, Mutter des Kalixenus, verlangt für ihren Sohn ein Besitztum zurück, welches ihre Schwiegermutter bezw. die Grossmutter ihres Sohnes, der Kirche geschenkt habe, und zwar unter der folgenden Behauptung: alienandi asserens eam non habere licentiam, sed antefati Calixeni filii sui per omnia iuris esse. 40) IX. 36 (J. 1029). Quoties novum quid statuitur, ita solet ftituris formanim imponere, ut multis dispendiis prae- terita non condemnet (C. 1, 14, 7). 41) IX. 44 (J. 1015). üna eaderaque cognitione et momenti et proprietatis causa valeat distingui (vgl. N. 37). 42) IX. 45 (J. 1010). Streit zwischen der Kirche von Syrakus und Felix, welcher sich über gewaltsames Eindringen von Leuten der Kirche beschwert (fines quarumdam possessionum suarum ab hominibus ecclesiae violenter esse pervasos). Es soll ein Prozess über die Besitz- und Eigeutumsfrage stattfin- den (et momenti et proprietatis valeat quaestio terminari). Da jedoch Felix ein Vergleichs- und ürteilsinstnmient mit Bezeugung der Besitzesübertragung vorlegt (scheda compromissi ac iudicüti ubi legebatur possessionem eam . . ex iudicio restitutam), so soll, falls die Urkunde acht ist, seitens der Kirche von Syrakus, vorbehaltlich der Entscheidung im Eigentumsprozess, der Besitz zurückerstattet werden (manente scilicet contentione proprietatis, sicut in eodem iudicio constitutum est). 43) IX. 40 (J. 1038). Von dem Oheim der Schwiegermutter des abwesenden Pantaleon heisst es: nullo alio proximiore existente obiisse intestatus et sine filiis memoratur. si ita est, lex praedictam mulierem ad intestati avunculi successionem vocare dignoscitur. In Abwesenheit des in kirchlichen Angelegenheiten beschäftigten Pantaleon sollen vom Pabst beauftragte Personen ein Inventar aufnehmen (sub breve annotare). -- 44) IX. 55 (J. 1502). Mit Bezug auf die ihrer Synagogen beraubten Juden heisst es: sicut illis quid- quam in synagogis suis facere, ut et ipsi prius scripsimus, ultra quam lege decretum est, non debet esse licentia, ita eis contra iustitiam et aequitatem nee praeiudicium, nee aliquod debet inferri dispendium (vgl. N. 34). 45) IX. 50 (J. 1504). Jamnus Judaeus berichtet, dass sehie Güter von dem Defensor der römischen Kirche und anderen Gläubigem veräussert seien ; nach Tilgung der sämmtlicheu Schulden (cunctis debitis cautionibus restitutis) sei allein bei dem defensor der Schuldschein (obligationis chirographum) zurückgeblieben, dieser aber habe mit Be-

2. Kapitel. Klerus. j3

enthalten, welches als das ius legis, als leges pablicae, als die lex bezeichnet wird ^ ). Bemerkenswert ist insbesondere wegen Hinweisung auf Analogien in dem weltlichen Gesetz, welches das römische ist, die unter dem Vorsitz des

rufiing auf nicht vollständige Befriediguug die Rückgabe abgelehnt (quia, ut alt, sors est debiti satisfacta, nicht die Zinsen). 46) X. I (J. 1768). Si quid autem, dum adhuc illic abbatis fungeretur officio, acquisivit, non suum, sed monasterii ipsius esse cognoscat (Nov. 131 c. 13). 47) X. 5. Die Erbin des Comitiolus ist belastet mit einem Legat von zwei Unzen an zwei Frei- gelassene des Erblassers; sie weigert Zahlung und droht mit einer Status quaestio. Adressat soll nach Massgabe des Gesetzes untersuchen und entscheiden (quae legis ac iustitiae ordo suaserit). Auch die zwei Unzen, welche der ecclesia sancti Georgii vermacht sind, sollen gezahlt werden: sacrilegium et contra ieges est, si quis, quod venerabilibus locis relinquitur, pravae voluntatis studiis suis tentaverit compendiis retinere. 48) X. 38 (J. 1786). Si qui . . in ccclesiam fortasse refiigerint, ita debet causa diligentia vestra disponi, ut nee ipsi violentiam patiantur nee ii qui dicuntur oppressi damna sustineant. Curae ergo vestrae sit, ut eis sacra- uieuto ab iis quorum interest de servanda lege et iustitia promittatur et per omnia commo- neantur exire atque suorum actuum reddere rationem, quibus etiam ecclesiae vestrae defen- Horem deputare vos convenit (C. .1, 12, 6). 49) XI. 5 (J. 1797). Unter den Beschwerden gegen die Africani iudices wird aufgeführt, dass sie ediktswidrig verfahren (multas in locis suis vio- lentias, multaque alia contra edicti niorem Afiicanos iudices exercere). 50) XI. 20 (J. 1721) Sacris canonum (?) legibus esse noscitur detinitum , ut in his quae antiste« episcopatus tempore acquisiverit, non aüus, nisi sola succedat ecclesia (Nov. 131 c. 13). 51) XI. 87 (J. 1812). Si quis contra quemlibet clericum causam habuerit, episcopum ipsius adeat, ut aut ipee cognoscat aut certe ab eo iudices deputentur aut si forte ad arbitros eundum est, partes ad eligendum iudicem ab ipso executio deputata compellat (Nov. 123 c. 21). 52) XI. 50 (J. 1820). Mundana lex praecipiat, conversionis gratia utrolibet invito posse solvi coniugium (Nov. 22 c. 5 u. Nov. 123 c. 40). 53) XI. 77 (J. 1850). Si quis contra clericum causam habuerit, episcopum ipsius adeat. qui si forte suspectus fuerit, executor vcl ab ipso aut, si et hoc actor refugerit, a tua est exi)erientia deputandus, qui partes sibi mutuo con- Mcnsu iudices comiiellat eligere (Nov. 123 c. 21; C. 3, 1, 16). 54) XII. 10 (J. 1559). Ein Legat zu CJunsteu eines Xenodochium soll unverweilt von den Onerierten entrichtet wer- den, bei Strafe der mit dem Verzug verbundenen gesetzlichen Folgen (sine aliqua difficul- tate implere festinent; ne si amplius hoc adhuc negligendum putaverint, tarn nostram quam Dei iram de legibus venientem, quam huiusniodi dispositioneni simplere diflerentes merentur, incurrant) (Nov. 123 c. 13; I. 3, 27,7). 55) XII. 29 (J. 18.59). Nulli dubium est, quia sicut sacerdotibus ren in episcoiiatu acquisitas nulla est alienandi licentia, ita de eis qiias ante habuerint, (iuic<iuid iudicare voluerint non vetantur (Nov. 131 c. 13). 55) XIII. 3 (J. 18()9). Ein Mönch wünscht eine vor seinem Eintritt ins Kloster gemachte Schenkung schriftlich zu beurkunden. Die« ist zulässig ((|uipi)e (|ui non novum aliquid facere quo<l lege est vetitum, sed dudum factum videris exprimere et salubriter amputandi causa litigii litterarum nienioriue ser^'anda deponere). Ich fuge noch hinzu I. 16» nach ed. Ewald a. d. S. 9 Not 5 a. (). (p. 2^)): . . quod etiam sacratissimis legibus vestris statutum est, nullum posse iudicem esse in causa qua adversarius comprobatur (V. 3, 5, 1).

1) Das« in Conc. Tolet. IX. a. rcc> (Mansi XI. 23 sqq.) c. 13. (nicht c. 18, ^ie Haenel, 1. R. V. p. 465, fälschlich meint Br. Nov. Mart. 4 benutzt ist, darf nicht für sicher gelten; es könnte eben so gut auf 1. W. 3, 2. liezug genommen sein. Hingegen ist zu nennen: 1) Conc. Tolct. r\'. a. 633 (Mansi X. 611 wi(|.) c. .34: quicunque episcopus alterius episcopi dioecesim i^ev triginta annoH sine alicpia interpellatione possedcrit, quia secundum ius legis eins iam videtur esse dioecesis, was vielleicht auf Br. ('. Tli. 4, 12 oder Nov. Val. 12 geht (vgl. auch v. 35); c. 46: si quis clericu« in demoliendi« •*( puliris fuerit deprehensun, quia facinus hoc pro sacrilogio Icgi- buji publicis sanguine vindicatur = Br. Paul. 5, 21, 1; c. 71: die liWrti eccloaiae sind der actio ingrali unterworfen, was aus Br. C'. Tli. 4, U), 2 oder Nov. Val. 6 pr. stammen vntd (vgl. auch Conc. T<»lct. VI. a. 6.> | Mansi X. 659 sqq.) c 9). 2) Conc. Nannet. a. «k'kS (das Jalir nach Hefele III. 1<7) (Mansi XVIII. 171 sqq.) c. 19 (bei Hmniel, a. a. ()., faWhlich c. H): ait eniui lex Br. C. Th. 2, 12, 5 lut.

3. Achtes

14 Erster Abschnitt.

gelehrten Isidors von Sevilla tagende Provinziateynode von Sevilla v. J. (UO (Concil. Hispal. IL) \

Auf einen Text des Breviars wird sich auch der H. Praeiectus, Bischof von Clermont (t 674), berufen haben, als er nach Aussage seiner Lebensbeschreibung ''^) mit dem Hinweis auf die lex Komana am Sonnabend vor Ostern vor Gericht zu erscheinen sich weigerte'^), jahr-^^ Spärlich und unsicher sind die Spuren der römischen Rechtsquellen im 8. Jahr-

hundert, hundert. Bonifaz, der Apostel der Deutschen, berichtet in einem Briefe v. J. 735 *; von einem Manne, welcher mit einer Wittwe vermählt sei, deren Kind aus erster Ehe er aus der Taufe gehoben habe, und fügt hinzu, dass die Kömer eine solche Verbindung für ein Kapitalverbrechen erklären und versichern, dass dasselbe zur Zeit der christlichen Kaiser mit Kapitalstrafe oder ewiger Verbannung geahndet worden sei '^). Ein römisches Kaisergesetz und nur an ein solches kann gedacht sein *») Avelches die Ehe des Pathen mit der Mutter des Täuflings, der commater, verbietet, ist freilich nicht zu finden, vielmehr die Ausbreitung des Justinianischen Verbotes der Eheschliessung zwischen Täufling und Pathen auf die Mutter des Täuflings dem kirchlichen Rechte und zwar Konzilienschlüssen aus der Zeit von Ende des 7. Jahrhunderts ab zu danken'). Die von den Römern in Bezug genommene Norm, auf welche Bonifaz sich in seinem Briefe beruft, ist dann doch wohl keine andere als jene Konstitution Justinians (C. 5, 4, 26) und das spätere Gesetz des- selben Kaisers, welches den Incest mit Exilstrafe belegt (Nov. 12 c. 1); die Römer meinten somit, wie es scheint, die öffentliche Strafe des Incestes auf einen nur kirchenrechtlich anerkannten Incestfall übertragen zu können^). Auch eine eng- lische Synode, welche unter dem Vorsitz zweier päbstlichen Legaten im Jahre 787 zu Calchut tagte"), scheint auf Normen römischen Rechts Bezug genommen zu haben ^% i*)-

1) Vgl. Haenel 1. R V. p. 405 u. Savigny II. 277, 278. Die Stellen (Mansi X. 555 sqq.) lauten: c. 1 : sicut per legem mundialem his quos barbarica feritas captiva necessitate transvcxit ])Ost- liminio revertentibus redditur antiqua possessio = Br. C. Th. 5, 5, 2; c 3: scribitiir in lege niundiali de colouis agrorum, ut ubi esse jam quisque coepit, ibi pcrdurct, was auf Br. C. Th. 5, 10, 1 gehen mag; c. 8: ingrati actio canonum ac legiim auctoritate iuste dirigitur, scilicet ut immeritae libertatis damno mulctatus ad servitii nexum quo natus est revocetur (vgl. Conc Tolet. IV. a. 033 c. 71 [S. 13 Note 1).

2) Vita S. Praeiecti in AA SS Jan. II. 032.

3) Ii)se coepit renuere et rationem veram reddere juxta statuta canonum vel legem quae dicitur Romana quia magnus dies Sabbathi erat, quo vigiiiae sancti Paschae celebrari solcnt, se nullo modo de hac causa respondere posse. Der Text des Brenars ist C. Th. 2, 8, 2.

4) Epist. 30 bei Jaff^ Bibl. III. 90, 97.

5) Quod Romani peccatum esse adserunt et ca]>itale peccatum ; ita ut in talibus divortia facere praecipiant. Et adfirmant, regnantibus christianis imi)cratoribus illius matrimonii scelus capitali sententia multandum vel peregrinationc per|)etua delendum.

0) Nicht an Edict. Liutprand. c. 34 (ed. Bluhme MG LL IV. 12-4.).

7) Vgl. Schulte Handb. d. kath. Eher. S. 189, Richter-Kahl S. 1101.

8) Die poena capitali^ ist die ins Breviar (C. Th. 3, 12, 1 u. 3) übergegangene Inceststrafe.

9) Mansi XII. 937.

10) Es heisst daselbst (c. 14): fraus, violentia et rapina vereatur: et ne iniusta vel maiora tributa ecclesiis Dei imponantur quam lex Romana et antiqua consuetudo priorum imperato- rum, rcgum et princi])um habeat. Dabei ist wohl an Normen des Justinianischen Codex (1, 3, 1. 2. 3) gedacht

11) Wenn der aus Friaul gebürtige Paulinus, einer der Gelehrten Karls des (Crossen und

2. Kapitel. Klerus. |5

Es ist von Savigny bereits darauf hingewiesen, dass das 9. Jahrhundert mit 4. xeuntcs einer Verurteilung der Gegner des Pabstes Leo 111 in Rom zu einer Kapitalstrafe, hundert, wie es heisst, als Hochverräter und nach romischem Gesetz inauguriert wird ') und dass sich unter Papst Leo IV i. J. S55 derselbe Vorgang wiederholt 2). Wie hier das Urteil durch den Kaiser gesprochen wird, so kommen während des 9. Jahr- hunderts in Rom auch päbstliche Strafurteile nach römischem Gesetze wegen Hoch- verrates^) oder wegen anderer Verbrechen vor^). Unter den päbstlichen Erlassen begegnen wir aus der Regierungszeit Eugens II (824—827) einem Briefe an den Erzbischof von Vienne ^)j in welchem es mit Bezug auf eine Anfrage unbekannten Inhalts heisst, dass der Pabst auf Grund der erforderlichen Nachforschungen einen einschlagenden Text des Justinianischen Gesetzes ermittelt habe^); es folgt dann ein Kapitel aus Julians Epitome, welches von der 40jährigen Verjährung hän- selt deui Jahre 7vS7 Patriarch von Aquileja, iu einer Epistel, (irat. Decr. XXXIII. qu. 2 c. 8, wo nie falschlich dem Pabste Stephan V. zugeschrieben wird (J. 2324), zwar das llei'ht des Ehe- manns zur Tötung seiner im Ehebruch ergriffenen Frau anerkennt, andererseits aber darauf hinweist , dass nach keiner lex mundana das Zeugnis eines einzigen Mannes beweisende Kraft habe, so wird bei den leges mundanae, welche sich mit einem einzigen Zeugnis nicht begnügen, auch an Konstantins bezüglichem ( tesetz gedacht sein (Br. C. Th. 11, 14, 2= C. J. 4, 2(), 9). Vielleicht wird man sich für eine weitere Spur der römischen Rechtsquellen auch noch auf Epist.70 des Cod. i'arol. bei .laffe Hibl. IV. 218 (J. 2433) berufen dürfen. Wenn hier Hadrian I von Karl dem Grossen Restitution des territorium Sabinense verlangt, nachdem sich seine Königsboten durcli das Zeug- nis von gegen KX) Jahr alten Zeugen (testes plus minus centum annorum) überzeugt hatten, dass es ehedem dem heiligen Stuhle gehört habe, so soll die Hervorhebung des Lebensalters von gegen 10() Jahren vielleicht bedeuten, dass, wie lange auch der Besitz verloren ist, der nach Novellenrecht (Nov. 9) erst nach 100 Jahren verjährende Vindikationsanspruch der ecclesia Romana doch nicbt untergangen sei, da die 100 Jahre alten Zeugen noch aus ihrer eignen Zeit her das Recht der Kirche bekimden.

1) Vgl. Savigny II. 20."), welcher C. J. 9, 8, 5 allepert. Der bei Savigny a. a, O. Not. b abgedruckte Bericht ist den Annall. Tiliani ad a. 801 (MG SS I. 223) entnommen. (Juelle desselben wie der zahlreichen Variationen in Annaleu und ( 'hroniken sind die Annall. I^auriss. mai. ad a. 801 (MG SS I. 188). Vs heisst hier: et habita de eis quaestione secundum legem Romanam ut maiestutiw rei capitis damnati sunt Der Bericht ist selbst versifizicrt vom Poeta 8ax<> (M(t SS I. 2.7.)) (legemque secundum | Romanam maiestatis cogente reatu { dampna- vit poena meritos cunctos capitali). Vgl. auch v. Ranke Weltgesch. V. 18(J u. 187.

2) Vgl. Savigny IL 20(). Eh heisst in der vita Leonis, ed. Duchesne über pontif. II. 134: imperator noiens contra instituUt veterum Augustonim peragere Romanonim , eos secundum Romanam legem instituit iudicare.

3) In den folgenden Fällen: 1) 1. J. 815 durch Pabst I^eo III: vgl. Einhardi Annall. M(t SS I. 2<»2 (nach J. 2531) u. vita Hludow. imp., MG SS 11.019. Kh heist an letzterer Stelle (c. 25): |)erlatum est imi)eratori <|uod Romanorum ali<|ui potentes contra Ixx)nem apostol. pravas inierint coniiirationes, quos detractos &U\ue convictos isdem apost. supplitio addixerit capitali, lege Romana in ul conspirante. 2) I. J. s23 durch Pabst Paschalis I : vgl. Einhardi Annall., MC? SS I. 211. Es heisst hier: interfectores praedict^)nnn hominum. quia de faniilia sancti Petri erant, summnj)ere defendens, niortuos velut maiestatis reos condeninavit, iure caesos pronunciavit : vpl. dazu v. lUthmann-IIollwejr IV. 70 Not. 7. 3) I. J. 81>0 unter Pabst Formosus: vgl. Annall. Fulda. MG SS III. 412.

4) Die Vemrteilunp dt^ Elriitherius i. J. s<y^ unter Hudrian II: vgl. Hinkmar. Annall. Mi; SS I. 177.

.'n Mansi \1V. 414 (J. 25* >3».

♦I) Es heisst, der Pal>st wolle dmi Adreswit^'n zu wissen thun: quia, quiintum |M)tuimu<i rt-<i-ursu Icctionis illani in s<Tiniis nostris investigavimus, und teile ihm mit <|uidquid ]M»st auctn- ritHtcm Romununi Ju^itiniuiia i-tiam lege (*omperinius.

16 Erster Abschnitt.

delt '). In einem Briefe an den König Lothar v. J. S53 ermahnt Leo IV die Ver- ächter der Dogmen des alten Gesetzes zu strafen und spricht er seine Verwunderung darüber aus, dass über drei in Gegenwart der Königsboten nach römischem Ge- setz verurteilte Verbrecher, an welchen die Todesstrafe, weil es das Gesetz ver- biete, wegen des Osterfestes bisher nicht vollzogen worden sei, von neuem Gericht gehalten werden solle; er verlangt schliesslich, das römische Gesetz solle, wie es bisher gegolten habe, auch in Zukunft seine Kraft behalten 2). Gewiss auf das römische Recht geht sodann ein Brief aus demselben Jahre an den comes Wido, '^) in welchem Leo es für unwürdig erklärt, dass das so ruhmreiche und ehedem von so vielen Kaisern in Ansehn gehaltene Gesetz nun nicht beachtet werde *,^).

Mehr in den Vordergrund tritt das römische Recht und seine Quellen in den Briefen des Papstes Nikolaus I (858 867). In einem an den byzantinischen Kaiser Michael gerichteten Schreiben v. J. 865'') ermahnt er ihn, Rom gegenüber die Pietät seiner Vorgänger in Acht zu nehmen und sich hochfahrenden Benehmens zu entschlagen, indem er sich auf einen Text aus Justiniaiis Schreiben reddentes honorem an den Pabst Johannes II beruft, und zwar unter dem Hinweis, dass der- selbe, welcher ja auch anderweitig überliefert ist '), der Justinianischen Kodifika- tion angehört^), wie ja in demselben Schreiben auch sonst auf eine Kodexstelle

1) Es ist Const. CXIX. c. 6. Die Stelle wird vom Pabst imter der Rubrik *ut descriptio XL aiuiorum venerabilibus locis competeuter aptetur' aufgeführt, während dieselbe bei Haenel, Jul. p. 166, lautet* de praescriptione XL a. v. 1. competente*.

2) Habetis de hoc apud Deum retributionem non modicam, si autiquae legis doginata ininime observantes vestra imperiali censura pro viribus castigatis atque corrigitis. de illis tri- bus iam publice condemuatis et reprobis nris, Georgio, Adriano et Petro, ut vestra uobis man- dant sublimitas, quod adhuc ad aliud consistere iudicium debebant, omnino mirati sumus, quibus iam missis vestris praesentibus iuxta legem llomanam sententia praefixa ac promulgata est, et uisi tunc paschalis adesset festivitas, qua'mortis, prohibente lege, sententiam dare licitum non est, vivere eos illorum malitia atque iniqua praesumptio non sineret. Pro hac itaque ratione Holummodo usque ad tempus suspensa est sententia utrorumque. Vestram flagitamus clementiam, ut sicut hacteuus Romana lex viguit absque universis procellis, et quod pro nullius persona Iio- minis reminiscitur esse corrupta, ita nunc suum robur proprium et \ngorem habeat. Ob ^Nirklich alles zusammengehört, wie oben nach J. 2638 und Ewald, N. Arch. V. 31 12 Not. 2, angenommen ist, erscheint zweifelhaft, da der angegebene Text in den Kanonensammlungen sich nur an zerstreuten Stellen findet (z. B. Jvo Decr. IV. 181, X. 88). Irrtumlich wird von den Korrektoren der letzte Satz, welcher in Dist. 10 c. 13 wiederkehrt, als derjenige Erlass bezeichnet, welcher > die bekannte Const. Romana Lothars I. v. J. 824 veranlasst hat; vgl. auch Savigny IL 200.

3) Ivo Decr. IV. 182 (J. 2639).

4) Valde indignum est, futuris gentibus etiam contrarium, tam gloriosam legem, quam multi retro custodierunt imperatores, nunc suam vim perdere ac iniuste damnari.

5) Keinerlei Beziehung zum römischen Rechte dürfte dagegen ein Brief Leos au Ix>tliar V. J. 853 haben, worin der Pabst sich zu der strikten Beobachtung der kaiserlichen Gesetze Lo- tliars und seiner Vorgänger bekennt (Grat. Decr. Dist. 10 c. 9 [J. 26431): de capitulis vel preceptis imperialibus vestris vestrorumque pontificum predecessorum irrefragabiliter custodiendis et con- ser\'andis, quanto valuimus et valemus Christo propitio et nunc et in evum conservaturos modis Omnibus profitemur.

6) Mansi XV. 187 (J. 2796).

7) Vgl. die Not. zu C. 1, 1, 8 in ed. Krüger (p. 14) und Maassen I. 337 sub N. 327, 1.

S) Als 1, 1, 8 (S 22 u. 24). Der Text wird nämlich eingeleitet mit den Worten: non hoc dixit Justinianus qui dicit sancto Papae Joanni etiam promulgatis legibus id interserens.

2. Kapitel. Klerus. I'j

Bezug genommen ist *). In einem Briefe v. J. 867 in Sachen der Ehescheidung König Lothars 2) verlangt der Pabst für ein neues Gericht über Theutberga, die Gattin Lothars, als Vorbedingung einen Ort, wo es nicht schwierig sei, Zeugen oder sonstige Personen zu laden, wie dies sowohl von den heiligen Kanonen als auch von dem geheiligten Römischen Recht gefordert werde '^). Am bedeutendsten aber ist, was Nikolaus auf die ihm von den Bulgaren gestellten Fragepunkte antwortet. Denn in jenem denkwürdigen Dokument, ad consulta Bulgarorum, spielen die Rechtsbticher, und darunter auch die des Justinian, keine unwichtige Rolle.

Im Jahre 866 erscheinen in Rom die Gesandten des kurz zuvor zum Christen- tum übergetretenen Bulgarenkönigs, um sich vom Pabste in Sachen des geistlichen und weltlichen Heils seines Volkes Rat zu erholen und die Sendung von Priestern auszubitten-*). Der Pabst gewährt Bescheid in einem Schreiben von 106 Kapiteln ^). lu diesem Schriftstücke werden zum Beweise des Satzes, dass Kognation und Agna- tion ein Ehehindernis bewirken, Texte der Institutionen mit Namhaftmachung der Quelle angeführt^,";. Von grossem Interesse ist es dann nun aber, dass Pabst Niko- laus I dem Wunsche der Bulgaren, weltliche Gesetze (leges mundanae) zu er- balten, auf die folgende Weise entsprochen hat. Der Pabst erklärt nämlich, er würde den Bulgaren die ihren Verhältnissen dienenden Gesetzbücher gern überlassen haben, wenn er Interpreten derselben bei ihnen wüsste; hingegen sollen die Bücher weltlichen Rechts, welche er seinen Legaten mitgegeben habe, nicht bei den Bul- garen bleiben, und zwar, wie der Papst sich ausdrückt, aus Besorgnis vor unrich- tiger Auslegung derselben oder Fälschung ^). Sind nun diese Rechtsbücher solche Justinianischen Rechts gewesen? Der Umstand, dass der römische Bischof die Bücher sendet, sowie dass die Quellen des römischen Rechts in der Gestalt der Justinianischen Kodifikation dem Pabste nachweislich bekannt sind, ja in dem die

1) Mit deu Worten *et re vera binciiiHtiDianus imperator pius legibus suis promulgasse dicitur diceus* wird ein Satz aus C. 3, 1, 0 eingeleitet.

2) Mansi XV. 31 S (/. 2872).

3) Inter quos etiam locus providendus est ubi nulla'sit vis multitudinis fornüdanda, et non sit diflicile testen producere vel ceteras personas quae tarn a sanctis canonihus quam a venerandis llomanis legibus in huiusmodi controversiis requiruntur. Erläutert kehrt derselbe (fcdanke wieder bei Flodoard in einer Stelle (3, 13) der gegen ÜbO geschriebenen (Tcschichte der Rheiniser Kirche (M(r SS XIII. 41X)): der Pabst will den an ihn appellierenden deiectus nicht sofort restituieren, sondern die Verhandlung der Kirchenprovinz, in welcher sich die Sache zugetragen hat, ul)erweisen, wie es a. a. O. heisst: in qua iaxta Carthaginienses et iura legis Romanae causa potest diligenter inquiri et <|U0 non sit difficile testes producere.

4) Vgl. Hefele IV. .3,32 i\\, (Jregorovius, (;esch. cl. Stadt Rom 3 III. 120 ff.

5) Mansi XV. 401 (J. 2S12).

^)) Nämlich I. 1, 10, 1 u. 2 mit den Worten: si quidem primus institutionum liber, cum de nuptiis lo(jueretur. inter cetera.

7i Eine zweite Allegatinn aus den Institutionen (ein anderes Stück von I. 1, 10, 1) findet sich in c. l\U (de consan;ruinitate generati(mum ex(|uiritis, ut quibus utique feminis iungi de- beatis, li(piidc cognoscatis. vcniin (iuo<l lege.s hinc sanciunt, iam meminimus et denuo nienio- rare summatini oj^Tae pretiuni ducimus).

s) Die betretU'iide Stelle lautet (c. 1.'»): inter (jum^ticmes vero et consulta leges vos mun- djinas [»ostulan* {HThilKtis. de (pia re nos Codices quos necessarios vobis a<l praesens esse con- ftiderare jMitui^'iemus, iilH-nti niittereniu.H aiiimo, si quem i>enes vos i*nsv comi»erissemus, qui bos vobis interpretari iM)tuisset. si (iu<)s autem de mundana legt- libros mis.sis nostris dedimus, cum reversi fueriiit . iiolnnius ibi nliiKpii, ne forte (piislilnt {KTverse interi>retetur aut falsitat<' qualibet.

18 Erster AbsdiDitt.

Uebersendung begleitenden Schreiben ad consulta Biügarorum, wie wir sahen, citiert werden, erzeugt hierfür eine starke Vermutung. Dass der Pabst die von ihm übermittelten und in seinem Schreiben, wie eich sofort zeigen wird, wiederholt in Bezug genommenen Gesetze nicht als solche Justinianischen Rechts bezeichnet, spricht doch nicht dagegen^) Dennoch glaube ich, dass die mitgeteilten Gesetz- bücher nicht römischen, sondern langobardischen Rechtes waren; denn sämmtliche Normen 2), für welche der Pabst unter Angabe der bezüglichen Thatbestände auf jene leges verweist, liefert das Edikt, einschliesslich der für das langobardische Italien rezipierten Kapitularien Karls des Grossen 3), während die Justinianische Gesetzgebung minder zahlreiche sichere Anknüpfungspunkte darbietet^), und zudem liefert sie das langobardische Gesetzbuch in einer Weise, die sie in formeller wie in sachlicher Hinsicht für die Anwendung im Rechtsleben der Bulgaren geeigneter erscheinen lassen musste, als dies bei dem Rechte der Justinianischen Gesetzgebung der Fall war^^).

1 ) Er nennt sie einfach leges ; aber auch die Institutionen nenn t er in c. 39 (vgl. Not. 7 zu S. 1 7) also.

2) Allerdings ist in c. 49 gesagt, dass die übersendeten leges die Bestellung der dos be- günstigen, während das langobardische Recht die eigentliche dos nicht kennt. Es mag dann, vfie so oft, das Wort im Sinne des Mundöcbatzes des germanischen Rechts gebraucht sein. Auch die langobardische faderfio wird zuweilen dos genannt: vgl. Schröder Clesch. d. ehel. Güterr. I. 119.

3) Über die schon frühe vollzogene Verbindung von Kapitularien mit dem Edikt vgl. z. B. S. 52 Not. 6. Altere Handschriften mit langobardiscliem und Kapitularien recht sind zahlreich.

4) Dies ergiebt die folgende Übersicht, bei welcher ich zur besseren Kontrolle der obigen Annahme neben den bezüglichen Stellen langobardischen bez. karolingischen Ursprungs (nach der Lombarda, ed. Lindenbr.) die Stellen bez. Titel der Justinianischen Kodifikation in Klam- mem und, zwar mit einem Fragezeichen, selbst dann hinzugefügt habe, wenn dieselben nur ganz unsichere Beziehungen darbieten. 1) c. 12 von den Gerichtsferien ausser den heiligen Festen = Carol. M. II. 49, 1 (C. 3, 12). 2) c. 19. Bestrafung der Hochverräter Rothar. I. 1, 1 (I. 4, 18, 3 u. passini). 3) c. 20 vom liber homo . . iure alicuius conditionis nexibus obstrictus . . qui de patria sua fugit Rothar. I. 1,2 u. I. 25, 13 (C. 11, 04?). 4) c. 22 u. 23 von den Aus- rei&sera und Feiglingen in der Schlacht Rothar. I. 14, 6; Carol. M. I. 14, 14 u. 15 (D. 49, 10 5 u. C. 12, 45?). 5) cc. 24, 20, C.*7 vom parricidium, Verwandten- imd sonstigen Mord (Todes- strafe c. 2()) Rothar. I. lU, 1 u. 2 (1. 4, 18, 5 u. 0 u. passim). 0) c. 25 von der Bestrafung der Grenzwächter, welche die Flüchtigen entkommen lassen, Rothar. I. 25, 14—17 (C. 9, 4, 4?).

7) c. 28 vom Ehebruch Rothar. I. 32, 1—3; Liutprand. I. 32, 4 u. 5 (I. 4, 18, 4 u. passim).

8) c. 29 vom Inccst Carol. M. II. 8, 9 (Nov. 12 c. 1 ; C. 5, 5, 4). 9) c. 30 von Tödtung ohne Absicht Rothar. I. 9, 17 (C. 9, IG, 1. 4. 8). 10) c. 31 von den fures animalium Rothar. I. 25, 2. 37—39. 42. 47; Liutprand. I. 25, 54 (T. I. 4, 1 u. passim?). 11) c. 32 vom plagium und von der Entführung Rothar. I. 30, 1—10 (I. 4, 18, 10 u. passim). 12) c. 52 vom Verbrechen der Kastration Carol. ^I. 1. 7, 18 (C. T. 4, 42). 13) c. 84 von der Strafe des falschen Anklägers Rothar. I. 1, 7 (C. 9, 40, 2 u. 10). 14) c. 95 von denjenigen qui ad ecclesias confugiunt Liut- prand. II. 39, 1 (ed. Lindenbr. ist XL Fehler); Carol. M. II, 39, 2-4 (T. C. 1, 12).

5) Unter solchen Umständen wird an eine Bezugnahme auf die Pandekten nicht zu den- ken sein, wenn es in c. 3 (vgl. auch Grat. C. XXX qu. 5 c. 3) heisst: sed post sponsalia, quae futurarum sunt nuptiarum promissio, federa quoque consensu eorum, qui haec contrahunt, et eorum, in quorum potestate sunt, celebrantur . . ne videlicet ante tempus lege diffin4tum tale quid facere praesumant, woraus dann der doch wohl gefälschte, Nicolaus I zugeschriebene Text bei v. I*flugk-IIarttung AA Pontt II. ,33 (sub N. 07) herstammt. Hier ist anscheinend I. 1, 10 pr. benutzt; nur die Definition der sponsalia erinnert an die bekannten Worte der Pandekten 'mentio et repromissio nuptiarum futurarum' (23, 1, 1); es kann die Übereinstim- mung indes recht gut eine zufallige sein.

0) In dem Briefe an die Bischöfe der Synode von Soissons v. J. 800, Mansi XV. 738

2. Kapitel. Klerus. 19

Bezüglich Johannes VIII (872—882) hat bereits Savigny auf eine Benutzung des Justinianischen Hechts, des Codex und des Julian, in seinen Dekretalen hin- gewiesen *), darunter auch auf eine höchst bemerkenswerte, indem in Briefen v. J. 878 Stellen der Rechtsbücher, ein Text aus dem Codex, ein anderer aus Julian, neben Justinian dem Pabste Johannes, offenbar dem zweiten dieses Namens (532 535), welcher zur Zeit der Kodifikation römischer Bischof war, zugeschrieben werden 2,^). Von demselben Pabste rührt sodann neben der bekannten an König Ludwig den Deutschen gerichteten Dekretale v. J. 873^), welche auf Grund der venerandae leges, vermutlich eines Novellentextes (Julian. Const VIII. = Nov. 9), für die römische Kirche die hundertjährige Verjährung beansprucht^), ein bisher nicht beachtetes Schreiben v. J. 875 an Kaiser Ludwig II her, das von grossem Interesse ist^). Der Pabst rühmt darin den alten gesetzmässigen Brauch, dass die Würde eines Amtes keinem über ein Jahr hinaus zustehe und nach Verlauf des- selben der Nachfolger eintrete, obschon der bisherige Würdenträger noch 50 Tage in seinem Amtsbezirke zu weilen habe, um den Eingesessenen dasjenige, was von ihnen erpresst sei, zurückzuerstatten, während die von ihm käuflich erworbenen Orundstücke und die durch ihn errichteten Gebäude eingezogen werden sollen").

(J. 2822), mag der Pabst bei den Worten 'leges saeculi etiam de rebus pecuniarii^, quae ex- tra no« sunt, aegrotiim respondere non cogunt* an eine bestimmte gesetzliche bez. römisch- rechtliche Norm nicht gedacht haben. Die Worte sind wiederholt in einem Briefe an Hink- mar v.^Rheims, Mansi XV. 745 (J. 2823). Ivo Decr. VIII. IGG, wo Br. Paul. 2, '20, 4 Int., dem Pabste Nikolaus I zugeschrieben wird, ist von Burchard Decr. IX. 28 falsch inskribiert. Auf das romische Recht dagegen geht wohl noch, was derselbe Pabst, Mansi XV. 37G (J. 2745), 'secundum leges saeculi' von der Verjährung schreibt.

1) n. 279, 280.

2) 1) Mansi XVII. 88 (J. 31G7) u. übereinstimmend p. 98 (J. 3211): . . sancientibus Joanne papa Romano et Justiniano imperatore scriptum est, spurlos satis iniuriosos satisque acerboH, et nostris temporibus semper indignos esse diiudicamus = C. G, 57, 5. 2) Mansi XVII. 98 (J. 3211): nonne Joannes Papa Romanus, et Justinianus inclytus Imperator legem Romanam facientes scripserunt ita? Capitali crimine damnatonim bona non ad hierum praesidis, sed cognatis punitorum reddi oportet = Julian. Const. XXI. c. 10; et alibi: Omnibus gradibus cognatorum in haereditate sumenda praeferendi sunt filii Julian. Const. CIX. c. 1. Eine weitere Stelle, Julian. Const. CXV. c. 15, findet sich in einem Briefe v. J. 879, Mansi XVII, 112 (J. 3233), und wird folgendermassen angeführt: in secundo novellanim Justiniani libro. ut nemo episcopus aut presbyter aiiquem excommunicet, antequam causa probetur.

3) Einen Versuch der Erklärung dieser Angabe, welche nichts anders sein kann als ein Missverstandnis oder eine Erfindung, vgl. Not. 3 zu S. 105.

4) Vgl. z. B. Stintzing Pop. Lit. S. 103 (fälschlich 'Ludwig der Fromme' und '878').

5) Grat. Decr. C. XVI qu. 3 c. 17 (J. 2970): venerandae Romanae leges, divinitus per ora principum promiilgatae, reum eins praescriptionem non nisi per ccntum annos admittunt.

G) Der für uns erhebliche Teil dieses nur fragmentarisch erhaltenen Briefes l>ei Deus- dedit. Coli. cau. IV. 1()3 (ed. Martinucci p. 417) und zum Teil bcsner aus der »Sammlung di^ Cod. Taur E. V. 44 bei v. Pflugk-Harttung AA Pontt. Romaini. II. 34 (J. 3011).

7) I>er Text lautet im Cod. Taur. (die erheblicheren Abweichungen von ed. Martinucci sind in Klammem beigefügt), wie folgt: antiqua consuetudo legibus ivdiuvata sem])er ohtinuit, ut magistratus honor ultra annale spatium nulli penitus largiatur. Quo complet«» legalis mic- ce»wor ammittitur (admittitur) et prior videlicet L diebus intra provinciam reniorari iulietur, donec, si qua di^traxerat, {K>ssessoribus referantur. si qua vero praedia Mio nomini compani- verat vel, si (juas (qua) nedes (se<li) tempf)re suae amminir^trationis extnixerat (extorserat), iuri rei (Romani) publicae (poutiticis) vindicentur. (Die letzteren Differenzen beruhen vielleicht nur auf verschiedener Auflosung der Sigle R. p. durch die Herausgeber.)

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20 Erster Abschnitt.

Es sind dies Sätze aus dem Justinianischen Recht (Julian. Const. XV. c. 7 = Nov. 8. c. 9 ^), Const. LXXXVIII. c. 1 = Nov. 95 c. 1; C. 1, 53, 1). Hierauf folgt nach weiteren Ausführungen, wobei davon die Rede ist, dass die Herrschaft über Sachen durch zehn-, zwanzig- oder dreissigjährige Verjährung erworben wird '^), eine Anzahl von Gesetzestexten-*), und zwar zwei Texte aus dem Codex Theodosianus, welche sich auch im Breviar finden*), und eine Art Paraphrase von Konstitutionen des Justinianischen Codex ^), an welche sich Dekretalen von Gregor I und Gelasius I, sowie sonstiges, was hier nicht interessiert, anschliessen. Ein zwingender Grund, an der Aechtheit dieses merkwürdigen Briefes zu zweifeln, liegt meines Erachtens nicht vor: ist er aber authentisch, so liegt das erheblichste Ergebnis in der That- sache, dass ein römischer Bischof im späteren 9. Jahrhundert sich einiger Texte des Theodosianischen Codex bedient, wie es scheint, nicht aus zweiter Hand, da sie bisher in keiner Sammlung nachgewiesen sind.

Zu den Berufungen auf Justinianisches Recht gehört abgesehen von denjenigen, welche auf das Commonitorium Gregor I zurückgehen^), die schon von Savigny er- wähnte Kundgebung auf der Synode zu Troyes v. J. 878^. Auf die Beschwerde des Erzbischofs Sigebord von Narbonne und seiner SuflPraganen, dass im gothischen Gesetzbuch eine Strafe gegen das Sacrileg fehle und wegen des exklusiven Cha- rakters desselben in dem gallischen und spanischen Herrschaftsgebiete des Gesetz- buchs das Verbrechen straflos ausgehe, erklärt der Pabst Johannes VIÜ in einem an die Adresse der Geistlichkeit der Narbonensischen und der Spanischen -Kirchen- provinz sowie der in Spanien und den Gothischen Provinzen waltenden Beamten gerichteten Briefe ^), dass er mit jenen Bischöfen die römischen Gesetze eingesehen und ein von dem Kaiser Justinian, in Wahrheit von Honorius, herrührendes Gesetz, das im Codex (1, 3, 13) überliefert ist, ermittelt habe, welches die Strafe von 5 Pfund Gold setzt; schliesslich entscheidet er sich für die Aufnahme eines das Verbrechen mit 30 Pfund Silber strafenden Gesetzes Karls des Grossen, dessen Bei- fügung zum westgothischen Gesetze er anordnet^). Ingleichen wird an Justinianisches Recht zu denken sein, wenn schon ein früherer Pabst, Leo HI, auf dem Konzil

1) Derselbe Satz steht auch im Codex (1, 49, 1).

2) (Cum) rerum possessio sive in decennium, sive in vicennium, sive in tricenium, sicut legislatores asserunt, excludatur vel confirmetur (nach Cod. Taur.).

3) Ihnen geht voran der Satz : presertim cum in Romanis legibus cautum sit, ut id tan- tum de Sacra responsione substantiam mutuetur, quod legum auxilia prosequuntur (nach Cod. Taur.). Ich finde ihn in den römischen Rechtsquellen wenigstens in dieser Fassung nicht ausge- sprochen. Die folgenden Gesetzestexte werden,, wie auch schon der von der Verjährung handelnde Satz, durch et iterum oder et illud oder et infra verknüpft, was den Eindruck macht, dass die- selben verschiedenen Stellen des päbstlichen Briefes entlehnt sind.

4) C. Th. 1, 1, 4 = Br. eod. 1. u. C. Th. 1, 2, 2 = Br. const. 1 eod. t.

5) Personalia rescripta, quae cum iure concordant, valeant more veterum et negotii, de quo loquitur nostra rescriptio, finis latae sententiae terminis censeatur. spetiale autem, si quid legibus ac iuri portat iuiuriam, abolitum extirpetur (nach Cod. Taur.).

6) So beruft sich Hinkmar v. Rheims auf der Synode zu Soissons a. 853, Mansi XIV. 982 sqq., act. I., auf C. 7, 44, 3, wie ersterer häufig in seinen Schriften daraus Justinianisches Recht citiert: vgl. Sclirörs Hinkmar Erzb. v. Rheims S. 410 Not. 108.

7) II. 279.

8) Mansi XVII. 351 (J. 3180).

9) Johannes, Episcopus servorum Dei omnibus Episcopis per Narbonensem atque Hispanicas provincias consistentibus, Abbatibus, Presbyteris, cimctisque simul ordinibus divino

2. Kapitel. Klerus. 21

ZU Rom i. J. 853 *), indem er die Beschlüsse einer früheren römischen Synode mit Zusätzen versieht, imter Berufung auf die kaiserlichen Gesetze die Heilighaltung des Sonntags einschärft 2). Damit ist der Stoff italienischen Ursprungs und zugleich, von sofort zu erwähnenden Ausnahmen abgesehen, der auf die Quellen Justinianischen Rechts zurückgehende Stoff erschöpft*^). In gallischen Konzilien ist dagegen die Benutzung des Breviars nachgewiesen worden*,''). Auf den beiden Synoden von

ministerio mancipatlH nee non ComitibuH, Vicecomitibui<, Vicariis, Centenariis, ludicibus, et Omnibus in [Wtestatibu^ constitutis in Hispania et Gotlüa i)rovinciis degentibus, omnique populo occidentali catholico, »alutem et apostolicam benedictionem . . venit ante praesentiam nostram filius noster Sigebodus primae »edi» Narbonensis Episcopus cum nui.s HuflVagimeis Episcopis, et detulit nobis librum Gothicae Legi», ubi nihil habebatur de sacrilegiis ; et in eisdem legibus »criptum erat ut causae quas illae lege« non habent, non audirentur a iudicibuH illius patriae. Atque ita ins sanetae Eccle»iae suffocabatur ab incolis Galliae et Hihii>aniae pronncii». Unde DOHtra serenitas cum praescrij^ti» Episcopls, inspectis Legibus Konianis, ubi habebatur de saerilegiis, invenimus ibi a Justiniano Imperatore legem compositionis sacrilegii constitutam, Bcilicet in quinque iibras auri optimi. Sed nos leniorem legem praecipimus esse teuendam quae a Karolo est constituta pio Principe de compositione sacrilegii, videlicet in triginta libras examinati argenti, id est, sexcentorum solidorum argenti purissimi.

1) Mansi XIV. 997.

2) C. 31 : legibus infirmatur iudicium dominico die depromptum, et obligationes eiusdem sacri diei imjieratorum aiquidem censura diß8ol>it. Es ist C. J. 3. 12, G gemeint.

3) Savigny, IL 279, meint, es scheine in einer Schrift Agobards (+ 840) der, von Geburt ein Spanier, in Lyon gebildet und ebendaselbst Bischof war (vgl. Bahr Gesch. d. Rom. Lit. im Karol. Zeitalt. S. 3K^), eine Pandektenstelle benutzt zu sein. Es handelt sich um den folgen- den Text desAgobard (de dispens.ecclesiast.rerum cap. 18, ed.Baluz., Bibl. Patr. max. [Lugd. 1077]. XIV. .S. 21>8): .. cum alicui homini de proprio thesauro aliquid furari procul dubio reatus sit; multo maior de publico quod et leges saeculi sacrilegium vocaverunt. Der bezugliche Pandektentext ist der folgende (48, 13, 11 [9], 1): sunt autem sacrilegi qui publica sacra compilaverunt, welchen Worten sich der Satz anschliesst, dass die Plünderung der sacra privata kein Sakrileg sei. Saxigny stützt sich für seine Annahme auf die gesperrten Worte, in welchen in der That beide Male das sacrilegium mit dem Begriffe des publicum in Ver- bindung gebracht wird. Indes nach den Pandekten ist sacrilegium ein Raub an den publica sacra im Gegensatz zu den privata sacra, nach Agobard ein Raub aus dem publicus thesaurus im Gegensatz zum privatus thesaurus. Diese letztere Seite des »Sakrilegs spielt in den Rhe- iorenschriften, welche die Frage erörtern, ob die Wegnahme von res publica ex privato und diejenige von res privata ex publico ein Sakrileg sei, eine wichtige Rolle (Cicero de inv. 1, 8; Quinct. Inst. VII. 3, 10 und passim) und wird daraus dem Agobard bekannt geworden sein.

4) Conc. Meldense La. 845 (Mansi XIV. 811 sqq.) c. 73: antiquorum regum atque legimi iura— Br. C.Th. 1(), 4, 1 Int. u. Br. Nov. Theod. 3; vgl. Ilaenel 1. R. V. p. 4G5, an welcher Stelle sich auch vereinzelte Hinweis auf C'<mc. Duziaz.' finden (vgl. olx*n im Text). In C\)nc. Mogimt. a. 888 (Mansi XVIII. 02 sqq.) c. 14 mit Ilaenel a. a. O. Benutzung von Br. C. Th. 4, 14 (15\ ^ J^^- anzunehmen ist nicht geboten, und in dem von ihm citierteu Conc. Paris, a. SJ!» findet sich überhaupt keine Beziehung zu dieser Stelle.

')) Ob die lex Romana in c. 30 act. vulg. der Synode von Tribur v. .1. bU.') (Grat. Dist. 19 c. 3) das Breviar bez. das römische Gesetz oder die Entscheidung des römischen Bischofs (vgl. S. 'J[i Not. 4) bedeutet, wie Hefele IV. r>34 annimmt, erscheint mir zweifelhaft, c. 5 X. 3, 13 Julian. Const. VII c. l und c. 1 X. 3, 19 = Julian. C'oust. VII. c. 2 gehen der Inskription nach auf ein Conc. apud Silvanwt. zurück (nach WasserM-hlebeu . Regino p. 171 ls(»te zu v. (H'C'LXXII, die Synode praes. Ludovico rege [c. 5], also v. J. s73); es handelt nich jed«K'li nach Frie<ll>erg in &\. Decretall. ad lih. 11. (p. '»13, 322) um falsche Inskriptionen, welche aus Burchard »»tammen. Zweifelhaft Wi, wie es mit der Syno<le von Mainz in c. X. .0, 1 » Br. Paul 1, *», 1. und dem Paris<T Konzil in c. 4 X. 5, 1.' = Br. C Th. 1», 4. 2 Int. iK'K'hatlen ist, und ob sie in dieses Jahrhundert geboren.

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22

Purster Abschuitt.

Douci, 871 ^) und 874 -), spielt das Breviar, auf ersterer auch Julian und das IG. Buch des vollständigen Codex Theodosiamis eine nicht unwichtige Rolle. Dies erklärt sich um so leichter, als die Konzilien geleitet oder wenigstens stark beeinflusst waren durch

1) Mansi XVI. 560 sqq. Es lässt sich in den verschiedenen Abschnitten der Akten das Folgende nachweisen: 1) Petitio proclamationis domni Caroli regis adversus Hincmarum liaudunensem : . . et leges sacrae decernunt sc^iptura vel testibus (luemquam '^iure posse convinci = Br. Paul. 5, 5, 3. 2) Beschwerdeschrift Hinkmars gegen seinen NeH'en (Mansi a. a. O. p. 581 042) c. 5: et de inlicita excommunicandi ratione lex Justiniani catholici im- peratoris, quam probat et scrvat ecclesia catholica, constitutione CXVIII. cai)itulo CCCCXLI. decrevit = Julian. Const. C*XV. c. 15; c. 10: quid sit autem reum iniuriarum iudicari in IIb. V. seutentiarum Pauli ostenditur = Br. Paul. 5, 4, 11 ; et in lib. I. senteutiaruni eiusdem Pauli = Br. Paul. 1, 5, 1 u. 2 cum Int.; c. 11: et item subscripsit et subscribi . . fecit = Ejnt. Paris. C. Th. 10, 5, 1; c. 10: sicut lex Valentiniani quam probat ecclesia demonstrat dicens = Br. Nov. Val, 12 Int.; c. 2'il: lex Justiniani dicit = Julian. Const. CXV. c. 37; et sacrae leges, quas ecclesia catholica recipit dicunt = Br. Paul. 5, 5, 3; et de clericis, in posteriori lege Maiorani abrogatum demonstrant et caet. = Br. Nov. Val. 12 pr.; leges sacrae dicunt = Br. Paul. 5, 18, 11 Int. u. Br. Paul. 5, 5, 0; sicut in legis Theodosianae lib.I X. cap. XXVI. et XXVII. . . ostenditur = Br. T. C. Th. 9, 20 u. 30 (?); in lib. VIII. Theodosianae legis cap. XXIX. de calumniatoribus scriptum e.st = Br. C. Th. 9, 29, 1 u. 2; et item = Br. C. Th. 9, 29, 3; et item ibi post alia= const. 3 Int. cit.; et in lib. X cap. V. de delatori- bus le X promitur = Br. C. Th. 10, 5; c. 24: sacrae leges dicunt = Br. Paul. 5, 5, 3; ut. delatori iuxta forenses leges aut lingua capuletur aut cai)ut amputetur = Epit. Paris. C. Th. 10, 5, 1 ; c. 25: et sacrae leges dicunt = Br. Paul. 5, 5, 3; et item sacrae leges dicunt = Br. C Th. 11, 14, 2 Int.; c. 28: et hoc ius in corpore libri Theodosianae legis haberi legimus = Br. C. Th. 1, 2, 4'; c. 30: sacrae quippe leges, quas ecclesia catholica recipit, dicunt, quia iure et legibus constitutum est = Epit. Aeg. C. Th. 9, 1, 11 u. Br. C. Th. 0, 1, 7 Int.; et item sacrae leges Theodosianae dicunt = C. Th. IG, 2, 41; 34: ex interj)retatione legis Honorii et Theodosii dicitur = Br. 0. Th. 4, !(>, 2 Int.; c. 35: sicut sacrae leges dicunt = Br. C Th. 11, 14, 3 Int.; secuudum sacras leges = Br. Paul. 5, 5, 3; de trina commonitione sacrae leges dicunt = Br. Paul. 5, 5, 6 Int. u. 7 ; nam de appellatione ( 'onstant. August, ad Catul. decrevit hoc modo = Br. ('. Th. 11, 1 1, 1 ; et ex interpretatione legis Valent. et caet. = Br. C. Th. 11, 11, 3 Int. ,3) Resixmsa epi.'^coporum (Mansi a. a. 0. p. (>43 sqq.) c 3: de sediticme lib. IX. Theodosianae legis, capitulo XXIII. de his qui pleb. aud. contra publ. coli, discipl. ex interpretatione legis Grat, et caet. decretum est = Br. C. Th. 9, 23, 1 Int.; et in lib. V. seutentiarum Pauli, capitulo III. scriptum est (quae non sunt nostri iudicii) de his quae per turbam fuint = Br. Paul. 5, 3, 1 cum Int. u. 2; c. 4: de pervasione (juidem sacrae leges qui- bus una cum sacris canonibus et decretis apostolicae sedis sancta moderatur ecclesia, dicunt in constitutione legum novellarum Valentiniani Aug. = Br. N^ov. Val. 12 Int.; et in lib. IV. Theodosianae legis capitulo XIX. ex inteq>ret}itioue = i^r. C. Th. 4, 20, 2 Int.; et in lib. IV. Theodosiimae legis suprascripto capitulo ex interpretatione = const. 3 Int. eod.; c. 0: et in legis Valentiniani et caet. inter[)retatione ad Antonium dicitur = Br. V Th. 11, 14, 3 Int.: c. 7: sacrae leges dicunt = Br. C. Th. 9, 1, 5 cum Int.; et ex interpretatione legis Marciani = Br. Nov. Mart. 1 Int.; c. S: in Hb. IX. Theodosianae legis, caj). XXIX. de calumiiiatorihus . scriptum est = Br. C Th. 9, 29, 1. 2 u. 3 cum Int. 4) AA Synodi (Mansi a. a. ().<).")S m](|.) e. 1 : cum leges dicant --= Br. Paul. 5, 5, 8; secundum sacras leges = Br. Paul. 5, IS, 11; c. 3: inquiunt sacrae leges = Br. C Th. 9, 1, 7; c. 7: dicunt enim leges = Br. ('. Th. 9, 1, 5. 5) Epist. synod.: nemo ni.si aut scriptura, aut testibus, legaliter ac regulariter potcst convinci = Br. Paul. 5, 5, 3.

2) Mansi XVII. 282 sqq. In der Angelegenheit der Bestrafung der Nonne Duda (diffinitio eiusd. syn.) findet sich das Folgende, c. 2: sacrae leges (juilms una cum sanctis regulis sancta moderatur ecclesia dicunt = Br. C. Th. 9, 29, 3Int. ; et item = const. 1 cod.; et item = Br. C. Th. 11, 14, 3 Int.; decernente hinc sacra lege quam probat ecclesia = Br. Paul 5, 18, 13 Int.; c. 3: lex dicit =Br.C. Th. 9, 1, 5 Int.; c 5: leges dicunt = Br. C. Th. 9, 30, 1 Int.; et item = Br. Paul, f), 10, 1; et iU'Ui = Br. Paul. .->, Ki, 2; et item = Br. C. Th. 11, 14, 2 Int.

2. Kapitc»!. Klerus. 23

Hinkinar von Kheiins (f 882) *). Wie dieser Autor nicht müde wird, die Achtung vor dem weltlichen Gesetze überhaupt einzuschärfen 2), so verweilt er gern bei dem Satz, dass die Kirche die Völkerbeherrschenden Gesetze der christlichen Kaiser Roms, der Vorgänger der Karolinger ^), auch in geistlichen Sachen respektiert ^), zumal sie ja auch auf Verlangen der Kirche gegeben sind -'), Der Schriftsteller citiert bald wörtlich, bald dem Sinne nach. Seine Quellen sind das Breviar mit dem vollstän- digen 16. Buch des Codex Theodosianus ^) und Julians Epitome').

1) Bezüglich des zweiten Konzils, dessen Akten Hinkniar verfasst zu haben scheint, vgl. Schrörs a. d. Not. 7 a. O. S. 581, bezüglich des ersten denselben a. a. O. S. .110—353.

2) Vgl. z. B. : ita legibus sacris decietum est, ut lege« nescirc nulli liceat, aut quac sunt .statuta conteinnercc; cum enim dicitur, nulli liceat leges nescire vel quae sunt statuta contemnere, nulla persona in quocumque ordine mundano excipitur (Opp. IL 204), wjis auf Br. C. Th. 1, 1, 2 geht. Vgl. ferner Schrörs a. a. O. S. 4(X), 193.

3) Sed pro patre nati sunt filii, a quibus secundum legem Romauam, quam praedeces- »ores corum imperatores et reges condiderunt, et servaverunt, et populos jx?r eam feliciter re- xerunt et correxerunt, actio, quae ab auctore inchoata est, ut ab heredibus peragenda est (Opp. I. 037) (die in Bezug genommene Stelle, für welche Savigny, II. 2S0 Not. a, keinen Beleg weiss, dürfte Br. C. Th. 1, 2, 7 Int. sein); Romanorura leges quibus orbeni Universum sub rtia dominatione constituerunt (Opp. II. 228); vgl. femer Opp. II. 710, 711.

4) Et quia his Christianis Christianorum imj)eratorum legibus catholica favcat mater EiCclesia, et sanctus demonstrat Gelasius . . et sanctus Gregorius . . in commonitoriis . . quac . . ex integro de imi)erialibus contexuit legibus, quas ecclesiasticas iudicavit (Opp. I. 339); sextus decimus liber Legum, quibus una cum sjicris canouibus sanctus moderatur Ecclesia (Opp. II. 21S); sanctus Ctregorius papa, in Regesto decrttorum suorum, multoties negotia ecclesiastica, et causjui ecclesiasticorum, legaliter ac regulariter dcbcre diffiniri decernit (Opp. II. 801); vgl. auch die Stolle Opp. I. ü^K» i. d. folg. Note.

5) E.st . . et divinis legibus cautum, et prisco auteriorum principum more suetum,ut ipioties- cumque in catholica fule vel divina religione (piiddam novi emerserit, a principali sententia Ei)L'K:oi)<irum coiisultui referatur, et <|Uod eorum iudicio . . dcTreverint, id ab omnibus corde credatur = C. Th. 10, 11, 1 (Opp. I. 1); leges saeculi Christiiuuis . . quius etiam in ecclcsiasticis necessitatibus promulgari saepe soleat ab imperatoribus et rcgibus I'x'ck^ia postulare, ipiarumque sontenliis in suis iudicii.s simul cum sententiis canonum Episcopidis auctoritiis frcipientius uUitur, et in tantum acceptet, ut Damasus et Leo, atque sanctus Gregorius, legum senteutias fecerint es.'se auionicits (Opp. I. 51)0.).

()) An dieses ist wohl geiiacht, wenn es heis.st : qualiter autem ordinati (episcopi) ministros ?»ibi suppositos regere dcbeaut, sacri canones et decrcta scdis Komanac Pontificum, sed et "cxtus decimus lil>i'r Legimi, . quibus una cum .sacris canouibus sancta uuMleratur Ecclesia, patenter ostendunt \Oj)p. II. 218). Auf eben das.'iclbe geht der folgende Satz: .scio sapientiam vestram ex iis, quae de decimo sexto libro Theodosianae legis ^unt posita, debere comprehen dere plura ^Opp. II. 320).

7) Vgl. üUt die römischen Kechts«jiu'llen bei Ilinkmar Savigny II. *280-lN;j, 1S4, 485. Die da-^elb«.! gegeK'nen Nachweise sind betrachtlich vennehrt umUiuchberichtigt von Schrörs, Ilitiknmr Krzbi«i<*hof von Kheinis S. 1 1<) 113. I )ocli ist auch .«eine Nachlese nicht vollständig. Ich gelx* in dcFi ri»l;:tnden Noten ein vollstän(lijreR'»«K<*gisteri Fl der Ueilicnfolgc der Schriften Ilinkmars. inslu\«<ondert» nach i'd. Sirmond., Opp. I, II. 1) De prae<lcstinatione: . . scriptum et de Kpi>copis et cleri<*is in lege 'IluMHloHiana, in libn» quinto scntiiitiarum Pauli = Epit.Ao^. Paul..'», .'),3 (Opp. I. 323); poucndum v>l quid in XVI. lihroTheodosiano sub titulo de Tide catholica impp. et caet. dirrcverunt = (\ Th. M, 1,2 ;1. 3.)«» ; it<-m in coih'm libro, sub titulo de bis (pii sujht religione contcndunt, iiiipp. ot caet. --- <*. Tli. ]♦'», I, 2, item in ecMlcm libro .'^ub titulo de haeretici>, iui[>p. et caet. ^ C.TIi. 1»'», .'», 0, il»'m in libro vi titulo quo f;U[»ra = C. Th 10, .'•. «;_>. et item in lii)ro decimo srxto Theo- do-ianae l»*gi> capite quarto = i\ Th. 10, ."), 1 , et item -- C\ Tli 1<>, .'). «in (Opp. I. 337). 2) I)«' divort. I/othar. ctTttb,: quoniam qua«* ><• apud Ilcp-m ft nobih's laicos accusaverat |wT H-ripturam, •'icuti secundum leges Uomanas qui-qui* arcusat alium sub conditioiie ei^d^'m l»*;:ibus devignata = Hr. ('. Th. *», 1, 7 (Opp. 1. '»7^;; i>erpendt'n(ium est. quia antiqui rege^

24 Erster Abschnitt.

et Imperatore»? ^^uis legibus statuerunt, ut cliarta coufiruiatiouis quiüciue, vel scptein, aut deccin, ut scribit Ambrosius, tentibus roborata coustaret. Sed et iure civili in coiis^criptione chartarum couditionalis constitutio poDitur, quo dispendio, qui eandem chartam infriugere tentaverit, fi.sco multetur, et accusator accusatioDis scripturae Kubscribens , se a conditione rautare non poterit (Opp. I. <>40). Die erste ßezuguahme wird auf Br. Nov. Theod. 9, die letzte auf Br. C. Th. 9, 1, G gehen. Der Satz sed et iure civili multetur nimmt auf die Uebung bei Abfassung von Urkunden Bezug; anders Savigny II. 4S4, welcher zu der ganzen Stelle Br. C. Th. 4, 4, 1 u. Br. Paul. 5, 21 (25\ 1 citiert. 3) Capitula et coronationes : et inde lex Christianis Imperatoribus est promulgata hoc modo = Br. C. Th. 10, 1, G Int., et hinc Chri- stiani Imperatores legem decreverunt dicentcs = Julian. Const. CXV. c. 49 (Opp. I. 718, 719). 4) De coerc. et extiq). raptu: testantur hoc publicae Komanorum leges, (juibus orbem Uni- versum vivere sub sua domiuatione constituerunt: in quibus manifeste praecipitur = Br. C. Th. 9, 19, 1, (Opp. IL 228, 229); (cum) leges Rom anae et Christianissirai illorum temporum Impera- tores manifestissime et iustissime censuerint = Br. C. Th. 3, 10, 1 (Opp. II. 239). 5) Ad Carol. Calv. Reg.: Constantinus magnus Imperator legem universis clericis dedit dicens = C. Th. IG, 2, 8, Constantius . . et Constans hanc immunitatem dederuut Eeclesiae dicentes = const. IG, Valentinianus quocjue et Valens decreverunt dicentes = const. 2G, Archadius nihilo- minus et IIonoriiLs, . . inquiunt = const. 29, et item iidcm = const. 30; et idem iidem Augusti = const. 31 , item iidem Augusti « const. 34 (Opp. II. 318-320); . . = Br. C. Th. IG, 1, 2 cum Int., et item Valens, Gratianus, et Valentinianus = Br. C. Th. IG, 1, 3 cum Int., et item idem (Theodosius Christi ani.ssimus Imperator) == C. Th. IG, 2, 41, in edicto Honorii et Theodosii . . manifestatur . . in eodem edicto demonstrant dicentes = C. Th. IG, 2, 47, sicut Arcadius Honorius, et Theodosius in edicto suo decreverunt dicentes = C. Th. IG, 2, 38 (Opp. IL 325— 328). Opusc. LV capitull.: cum lege^j quas probat Kcclesia dicant = Br.C.Th.9,l,ll Int., et item = const. 7 Int. eod.^Opp. IL 388); sed et leges Ronumaea Justiniauo Imperatore promulgatae, quas probat Ik'clesia, decernunt de Episcoporum sine Metr()i)oIitani sui auctoritate profectione. Cuius partem constitutionis hie. . subiimxi hoc modo = Julian. Const. CXV, c. 11 (IL 440); qui autem ad accusationem admitti non debeant, leges dicunt = Br.C. Th. 9, 1, 11 Int., et item = Br. C.Th. 9, 1, 7 Int. (Opp. IL 497); et hinc leges dicunt = Br. C. Tli. 9, 1, 5 Int. (Opp. II -197); de conven- tione huiusmodi patratoris manifestorum criminum lex dicit = Br. l*aul. 5, 5, G Int. (Opp. 11.499); qualiter autem examinatis omnibus, et ad liquidum cognitis, seutentia regulariter ac legaliter pro- ferri debeat, et Ecclcsiasticae et publicae leges demonstrant dicentes = Br. C. Th. -l, 15, 1 Int., et item = const. 2 Int. cod., et item = Br. Paul. 5, 5, 5 (Opp. II 5(X)); et quouiam in rotulis tuis, domno regi et mihi per comministros Ecclesiae tuae diroctis, multotiens ac. multipliciter ad con- ürmandas tuas sententias, cum sacris canonibus, et decretis Apostolicae sedis Pontificum, etiam legales sententias catholicorum Imperatorum posuisti, pro])onam tibi legalem senteutiam Justi- niani catholici Imperatoris, quam probat et servat Ecclesia catholica, qua constitutione (^X VIII. capituloCCCCXLI. decrevit = Julian. Const. CXV. c. 15 (Opp. 509) ; inquiunt leges = Br. C. Th. 1, 1, 1 (Opp. IL 527); legere debueras, quia ipsa sententia de antiquis legibus Romanis fuit as- sumpta, in quibus legibus in capituli interpretatione edicti Valentiniani de Episcopali iu- dicio, posteriore videlicet constitutione, ita scriptum habetur = Br. Nov. Val. 12 lut. (Opp. IL 545); verumtamen oportet te discrete intelligere (piod de accusatione leges dicunt = Br. C. Th. 9, 1, 9 Int. ((-)pp. IL 54G); unde etiam leges, quibus debitae observationis reverentiam sancta Ecclesia exhibet, inCXVII. constitutione, capitulo CCCLII. constitutionis Justiniani dicunt = Julian. Const. CXV. c. 20 (Op.II, 587). Opusc. XXXV: sicut lex Valentiniani quam probat Ecclesia demonstrat = Br. Nov. Val. 12 (Opp. IL GOG). Opusc. XLIIL: et tunc Valens, Gra- tianus et Valentinianus constituerunt = Br. C. Th. IG, 1, 4, iuxta legem .Justiniani Imperatoris, qui in libro Constitutionum decrevit = Julian. Const. CXV. c. 17 (Oj>p. IL 710). Opusc. XLIV.: et quoniam anni triginta secundum leges ])ublicas, ut notum est, et iuxta constitutionem P^cclesiasticam, ut demonstrat GelasiusPapa,hiuuanas adimunt quaestione*, et Justiniaua lege, ac decreto beati Gregorii ex eadem lege promulgato, negotia inter veuerabiles Ecclesias, ac mo- nasteria, locaque religiosa anni quadraginta dcterminant. Die hier hi Bezug genommenen CJe- setzc sind vermutlich die folgenden: Br. C. Th. 4, 12, 1, Julian. Const. CIV. c. 1, CXIX. c. G (Opp. IL 737, 738). Opusc. XLVIL: de legibus nanique Valentinianus Theodosianus et Archadius decrevenint dicentes = Br. C. Th. 1,1, 2 cum Int., et item de legibus prae-

2. Kapitel. Klerus. 25

Neben Hinkmar ist es Alkuin, welcher in einem Briefe v. J. 801 oder 802 0, nachdem er ein Gesetz ^des Kaisers Konstantin angezogen hat, auf die Vorschriften der sehr weisen Bücher der Römer über das Asylrecht der Kirche sowie über das Recht auf Gehör beim Kaiser Bezug nimmt *'^); es sind eine Anzahl Texte des Bre- viars, teils aus den Sentenzen des Paulus '% teils Konstitutionen mit dem Wortlaute der Interpretation*), der er Inskription und Subskription vorausschickt.

5. Spärlich sind die Erwähnungen römischen Rechts im 10. Jahrhundert. Bene- *• J®^^.^ dikt VI (972—974) bemerkt in einem Brief aus den Jahren 972 974 mit Bezug aurdie hundert. Frage, ob es verboten sei, ein Mädchen zu heiraten, mit deren Schwester man ver- lobt gewesen ist ^), dass die weltlichen Gesetze bei Aufzählung der Eheverbote da- von nichts wissen*'); er dachte dabei doch wohl an römisches Recht und zwar an den Institutionentitel de nuptiis '). Was die Konzilien anlangt, so lässt sich lediglich

fati Augufiti Br. C. Th. 1, 1, 3 cum Int. (Opp. II. 780). Opusc. XLVIII: iit lex Theo- do8ii praecipit = Br. C. Th. 11, 14, 2 Int., et lex Valentiniani et Theodosii praecipit = Br. C. Th. 9, 1, 9 Int. (Opp. II. 784); lege Maioriani abrogatum e^t ^ Br. Nov. Val. 12 Int., iiixta legem Valentiniani et Valcntis = Br. 0. Th. 9, 1, G Int., et legibus constitutum est ut Bcriptura prolator afürmet cuius et caet. = Br. C. Th. 11, 14, 3, lex Honorii et Theodosii de- crevit C. Th. 16,2, 41, et hinc leges dicunt = Br. C. Th. 9, 1, 5 Int. (Opp. II. 785); hinc Valens, Gratianus, et Valentinianus Augusti et Christiani Imi)eratores decrcverunt legem cuius interpretatio talis est=s Br C. Th. 16, 1, 6 Int. (Opp. IL 786); ex hoc in lege Justiniani decretum est, cap. CDLXXV. = Julian. Const. CXV c. 49 (Opp. II. 787); sie et leges diffi- niunt, ut nemo i)er alium quemquam accusare, vel quis accusari possit, nisi forte ingratum Übertum patronus accuset, et ut in causa capitali absens nemo damnetur = Br. C. Th. 9, 1, 9 u. Br. Paul. 5, 5, 9 u. 5, 18, 11 (Opp. II. 788); de legibus autem, Valentinianus et Theodosius, et Archadius, decreverunt, dicentes = Br. C. Th. 1, 1, 2 cum Int. (Opp. IL 796); decretum est sacris legibus -= Br. Paul. 5, 5, 6 (Opp. IL 797); sie et lege Justiniani, Constitutione CCCCXXVII. capite CCCCLIII. et capite DXXII. constitutum est = Julian. Const. CXV. c. 27 u. Julian. Const. CXIX. c. 17 (Opp. IL 799). Opusc. XLIX: leges decemunt = Br. C. Th. 9, 1, 5, leges dicunt = Br. Paul. 5, 5, 2 (Opp. IL 801). Rotul. Carol. regi porr. (Harduin. Conc. V. 1347—1351): et ut de legibus Romanls et multis hie pauca pona- mu», Gratianus et caet. constituerunt Br. C. Th. 16, 1, 2 Int.; item iniperatores constitue- nint Br. C. Th. 4, 14, 1; legem Valentiniani et caet. iwnemus = Br. C. Th. 9, 1, 5; et item l^e« dicunt «» Br. Nov. Mart. 1 Int.; et hinc leges quas servat ecclesia, dicunt «= Br. C. Th. 4, 15, 1 Int. u. 2 Int.; unde leges quas probat ecclesia inquiunt = Br. Paul. 5, 5, 1; et hie leges Romanae « Br. Paul. 5, 17, 6; de his vero qui Homanis legibus iudicantur decretum est «» Br. Paul. 5, 4, 11. Admonitio ad regem (Harduin. a. a. O. V. 1353— 1357): et sanctione legis Gratiani et caet. specialiter prohibetur «» Br. C. Th. 16, 1, 2 Int. Epistola ad Carolum regem (Harduin a. a. O. V. 1357—1360): sicut Constantinus et Constan« ImperaU>re8 in edicto suae leg^s = C. Th. 16, 2, 16; sicut Honor. et caet. in lege data ec- clesiae »cribunt, ut eorum utamar verbis = C. Th. 16, 2, 47.

1) Ed. Dümmler in Bibl. Herr. Gemiann. VI. 631; vgl. Savigny IL 279.

2) Sed et perspectis cautissimis Romanoruni libri», ita de fugitivis ad eccleniae cuiuslibet ituflfragia invenimus scriptum vel de eis, qui caesarem appellant vel ad priucii>em sc duci tiagitant, a. a. O. p. 637.

3) 5, 28, 1 ; 5, 28, 2 cum Int. •»/ «7, M, o; •', •''», 1.

5) Grat. Decr. C. XXVI 1 qu. 2 c. IS (J. 3773).

6) Scd nct{ue mundanae leges connumeratis personin, <\uq iuter t<c nuptias nun contra- hiint, de huiuismodi nuptias aliquid dicunt.

7) Wenn hingegen nein Nachfolger, Ik?nedict VII (974— 9K)}, in einem Briefe, Manni XVIIIL 57 (J. 3779), sagt: quaecunque eadem cella ex divcrsis donationibus fidelium autheu- tice («ecundum legem Romanam jKiHMidet vel iure possiilere debet, so ist dwh wohl an keinen bestimmten Text der QueUeo gedacht.

26 Erster Abschnitt.

im Konzil v. Trosle v. J. 909 die Benutzung des Breviars ^) sowie der Epi- tome Juliani nachweisen ^). Schon Savigny hat ferner darauf hingewiesen ^\ dass Atto von Vercelli (f 960) in einem Briefe Texte aus dem römi- schen Recht citiert^): der Schriftsteller will zeigen, dass nach den weltlichen Gesetzen, nach der Gewohnheit und der Vernunft die Ehe sowohl mit der com- mater als auch zwischen den Kindern des Pathen und dem Täufling verboten sei, und beruft sich bezüglich des Nachweises in den leges saeculares neben dem lango- bardischen Edikt, welches in der That diesen Satz enthält (Liutprand. Ed. 34), und der lex Salica auf Texte des Justinianischen Rechts oder, wie er sich ausdrückt, der römi- schen Kaiser, deren Gesetz in vielen Punkten zu befolgen auch den Priestern zu- komme ^), und zwar auf Stellen der Institutionen, des Codex und der Novellen ^). *^x*eft^^^^" 6. Aus der folgenden Zeit bis in den Beginn des 12. Jahrhunderts ist die Zahl der auf die Rechtsquellen Bezug nehmenden Synoden und päbstlichen Kund- gebungen dürftig genug. In einer zwischen 1014 1016 abgehaltenen Synode") erhebt die Kirche auf Grund der constitutiones Romanae legis Anspruch auf alle Güter eines getödteten Klerikers Namens Petrus, welche derselbe aus den Mitteln der von der sancta ecclesia in Ravenna empfangenen Kirchen und nicht für seine Person erworben hat ^).

1) Mansi XVIII. 263 sqq. c. 8: item ex libro leguin Theodosii III, cap. XII. = Br. C. Th. 3, 12, 3 cum Int.; vgl. Haenel l. R. V. p. 465. Es fehlt daselbst c, 9: lex a ChristiaDis imperatoribus est promulgata hoc modo = Br. C. Th. 16, 1, 6 lut. Die übrigen von Haenel a. a. O. dem Breviar zugeschriebenen SteUen sind vielmehr dem Benedict Levita entlehnt. Die Berufung auf römisches Recht im Conc. Remense a. 991, lex dicit = Br. Paul. 5, 5, 6 Int., ingleichen Ju- stiniani catholici imperatoris lex, quam probat et servat ecclesia catholica, capitulo 441 = JuUan. Const. CXV. c. 15, Mansi XVIIII. 161 u. 165, geht wohl auf Hinkmar (Opp. II. 499, 500 u. 509) zurück. Die erstere Aeusserung stammt von Gerbert, der damals noch nicht Pabst, sondern Erzbischol' von Rheims war, welcher sodann im Jahre 995 C. J. 7, 44, 3 aus dem Commonitorium und unter Gregors Namen citiert (Mansi XVIIII. 168 u. 176).

2) In der Praefatio heisst es, das Conc. Antiochenum habe verordnet: si quae sunt agenda, peragere iubet provinciales episcopos sui consilio metropolitani et metropolitanum con- silio coepiscoporum provincialium. et hoc non solum in causis quorumlibet fieri praecipit, sed et si forte inter ipsos, inquit, episcopos quaestio de quolibet negotio orta fuerit, primas provinciae iudices episcopos dare debebit. leges quoque Romanae, et beatus Papa Gregorius multoties horum iudicio cognita veritate, contentiones inter ecclesiasticos viros, vel quoslibet cum ecclesiasticis personis, salutem demonstrat finem accipere debere. Dabei mag an Be- stimmungen von Julian Const. CXV. gedacht sein. In c. 5 heisst es femer: Christiani Impera- tores legem decreverunt dicentes = Julian. Const. CXV. c. 49.

3) II. 284.

4) D'Achery Spicil. ^ I, 435 sqq. Die Lücken des Dnickes finden ihre Ergänzung bei An- selm V. Lucca, Coli. can. X. 34, nach Cod. Lips. 3528*, an welcher Stelle sich der Brief von den Worten *sciti8 autem' aufgenommen findet.

5) Nach Anselm v. Lucca a. d. a. O.: Romani quippe principes quorum legem etiam nobis sacerdotibuß in multis couvenit observare (im Druck stehen hinter principes die Worte *^totius pene Monarchiae dominantes*) talia instituta de coniugiis loquentes dedere; Liutprand ist ihm 'rex huius in qua degimus patriae'.

6) Die Stelle aus den Institutionen, im ^Vnschluss an die Not. 5 verzeichneten Worte, ist 1, 10, 2 u. 12. Der Codex wird, wie tolgt citiert: legitur etiam in libro Codicum, quod est Romanae legis = 5, 4, 26. Der Novellentext, item ex Novella, ist Julian. Const. XXXII. c. 1, 2.

7) Mansi XVIII. 362.

8) Per bona ecclesiarum quas a sancta Ravennate ecclesia obtinuit sibique nullo modo conquisivit. Es mag dies auf Julian. Const. CXIX. c. 17 gehen.

2. Kapitel. Klenis. 27

Auf dem Konzil von Pavia *) i. J. 1022 handelte es sich um die Kinder aus den Verbindungen von freien Frauen mit Klerikern, welche im Eigentum der Kirche sind. Da dieselben auf Grund des Satzes, dass die Kinder der Mutter folgen, fOr frei angesprochen werden 2), beruft sich der Pabst Benedikt VIII (1012 —1024) in einem dem Dekret der Synode vorangehenden Schreiben für das Ge- genteil unter anderem auf die Bestimmung der lex Justiniana, welche den Novellen angehört, wonach die Kleriker, welche heiraten, von der Deposition und Ausant- wortung an die curia civitatis betroffen werden^), welchem Satz er das eigentümliche . Verständnis giebt, dass sie im Dienste der Kirche verbleiben, aber nur zu äusseren Kirchendiensten verwendet werden sollen ^^): was von den freien Klerikern und ihren Kindern, gelte ebenso von den Sklaven der Kirche, welche Kleriker sind ^). Er beruft sich auch auf die Constitution Justinians de adscriptitiis et colonis'), einen Text den er aus dem Appendix des Julian kennen gelernt haben mag und fälschlich statt von adscriptitii und Kolonen auf Sklaven deu- tet^). In dem dem geistlichen Dekret entsprechenden Gesetze nimmt dann auch der Kaiser Heinrich I (II) (vgl. S. 5) auf Justinians Gesetz Bezug ^).

1) Mansi XIX. :i43 sqq. (J. hinter 4041); vgl. Savigny II. 284, 285. Ana den Akten s«tanimt der gefälschte dem Pa[)8t Bonifacius zugeschriebene Text bei v. Pflugk-Harttung AA Pontt. Komm. IL 8 (sub N. 27).

2) Filios ideo fures ecclesiae Liberos esse dicunt, quia usuale est apud eos sonare, filii matrcm ?<e<iiiuntur.

'S) Lege autem Justiniana aecjue deponitur et curiae civitatis , cuius est clericus, traditur. Es ist Julian. Const. CXV. c. 21, 213 (Nov. 123 c. 14, 15.)

4) Servient itaque cum filiis patres in curia, id est, curam super his tantum in publico babebunt, «juae ad solam ecclesiae utilitatem foreusem pertinebunt: illa scilicet cau.»*a, ut (jui noluerunt intus, id est, in ecclesia 8er\'ire ut clerici, serviant foris, id est, in [)ublic() ut laici. u(H)uc enim clerici, licet damnati, ut exeunt ab honore, itaa famulatu ecclesiae exibunt: ne<iue Uli extra ecclesiam utpote ofTicialium alicui personarum servient, sed in publico ea tantum publica quae ad ecclesiam respexerint procurabunt. Die Schlussfolgeriuigon Savignys, IL 2S5, auf das Fortbcstehen der Kurie sind unbegründet.

5) Nach den Not. 4 citierten Worten heisst es: et ideo postquam lex a Deo data pro- iscripto» curiae tradidit civitatis cuius est clerus, cautissime addidit: ne forte publici appari- tores sibi eos mancipandos putarent, et ecclesiae suae servituros esse dubitarent. Nach diesen Worten müsste die lex a Deo data, welches die lex Justiniana wäre, die Vindikation der Kleriker durch die öffentlichen Behörden ausgeschlossen und den Anspruch der Kirche aner- kannt haben. In keiner Überlieferung der Novelle 123 (c. 14, 15) findet sich etwas dergleichen, ja auch nur Anlass dem Text eine solche Auflassung unterzulegen. Undeutlich ist, wenn es in dem iHjkret (I) heisst: «piod si fecerit (uxorem aut concubinam admittat), secundum ec- clesiasticam regulain deiK>natur. Sed neque secundum humanas leges ex longo factas et re- ceptas, ullus (ullius) admirationis (administrationis?) locum in picbe habeat

<)) Es wird dieses, wie folpt, motiviert: mH]ue enim lex divina ait et humana: Si quis liUr aut sorvus in dcro mulierem acceperit, doponatur, sed *si quis' tantum signanter dixit, <'t generaliter scri|»sit, s^tvuih et liberum uno capistro et una lege adstringens. L«it die lex humana die \v\ .hi^itiiiiana, so wird als die lex divina Ccmc. Nicaen. c. ."> gelten müssen, da •»ich der Pabst auf (lif^seUH' iiel)en der lex Justiniana lx?rufen hat. Indes btHÜent sich weiler <lie eine n<H'h die andere Quelle der Wendung *si quis'.

liCgant denique, vel si legere fastidiunt, legentem fastidiunt, legentem intelligant Justi- niani Augusti viri diristianissimi a<l Dominicum praefectum pro Lugdunensibus.

>^) Praecepit et praecipit filios »ervorum patrnm a liberis etiam mulieribus, non nui- tnim, se<l patnim neijui naturam.

IM Qu<h1 si fecerit, ^er^•ata .lustiniani Augusti aeijuitate, curiae civitatis tradatur cuin-

28 Erster Abschnitt.

In einem Briefe an den Bischof von Konstantinopel aus dem Jahre 1053 ') be- zieht sich Pabst Leo IX auf das Gesetz Justinians eine Novelle in der Fassung Julians welches dem Bischof von Konstantinopel den ersten Rang hinter dem Bischof von llom zuschreibt'^) Alexander II beschäftigt sich in einem ausführ- lichen Briefe v. J. 1063'^) mit der sich auf die Autorität des römischen Rechts stützenden Behauptung der der „Gesetze und Kanonen Unkundigen" (leguni et canonum inperiti)^), dass das Ehehindernis der Blutsverwandtschaft über den sechsten Grad römischer Komputation nicht hinausgehe. Er berichtet, dass er die Frage auf einer Lateranensischen Synode in Gegenwart von Bischöfen, Klerikern und Richtern der verschiedenen Provinzen untersucht habe und unter Würdi- gung von zum Teil wörtlich citierten Institutionentexten zu der Entscheidung gelangt sei, dass die Berufung auf das römische Recht unstatthaft ist ^). In einem Briefe v. J. 1062 ^) meint er, dass Kanonen und Gesetze dafür gesorgt hätten, die Veräusserung einer im Streit befangenen Sache für unstatthaft zu erklären. Gregor VII spricht in einem Briefe v. J. 1073 '') von einer nach kirchlichem Recht verbotenen Ehe mit einer Verwandten, welche trotz widerstreitender göttlicher und weltlicher Gesetze es erinnert dies an C. 5, 5, 4 pr. u. 6 2) Ge- schenk (donum) und Mitgift (dos) angenommen habe. Von der Stellung, welche das römische Recht in seiner grossen und bedeutenden, nur mit derjenigen des ersten Gregor vergleichbaren Briefsammlung einnimmt, lässt sich im Vergleich zu dieser letzteren etwa anwenden, was er selbst mit Bezug auf die Weltherrschaft des kaiserlich und des päbstlich römischen Gesetzes bemerkt^): plus terrarum lex Romanorum pontificum quam imperatorum obtinuit; in omnem terram exivit sonus eorum, et quibus imperavit Augustus, imperavit Christus. Urban II beruft sich in einem Briefe v. J. 1088^) auf die Satzungen der Kanonen und des geheiligten römischen Gesetzes, wie es scheint, für den Satz, dass nach Ablauf der Verjährungs- frist für die Ersitzung oder den Verlust des Vindikationsanspruchs bezüglich einer Kirche die schliesslich zugestandene Herausgabe derselben an den früheren Eigen- tümer sich rechtlich nicht begründen lasse ^^). In einem anderen Brieffragment dieses Jahres ^^ handelt es sich um ein Verlöbnis, welches ohne Zustimmung der

est clericus. Von jener Auslegung des Textes findet sich hier nichts; vielmehr heisstes: iure etenim manebit miser in curia, quem ecclesiae regula depositum eiecit ab ecciesia.

1) Mansi XIX. G51 (J. 4302).

2) C. 28: Justinianus religiosus Augustus legibus humanis voluisset adstruere, ut post papam Komanum sedeat Constaninopolitanae praesul ecclesiae. Es ist Coust. CXIX. c. 2.

3) Grat. Decr. c. XXXV qu. 5 c. 2 (J. 45(X)); vgl. Savigny II. 28G.

4) Assumunt seculares leges, quas Justinianus imperator promulgavit de succesionibus consanguineorum.

5) § 2: sexto quippe gradu detcrminato, in ipsis legibus subiutulit imperator = 3, 6, 7; cum in praecedentibus ipse firmaverit imperator, decimo etiam gradu u. s. w. = 3, r>, 5.

6) Coli. Brit. Alex. Epist. 10 bei Loewenfeld p. 40 (J. 4483). Ein Verbot der Ver- äusserung einer res litigiosa von kirchlicher Seite stammt von Gelasius I her (Grat. Decr. C. X. qu. 1 c. 50 [J. 712] sowie J. 691).

7) I. 5 bei Jaff^ Bibl. II. 13 (J. 4776).

8) II. 75 a. d. vor. Not. a. a. O. II. 190 (J. 4956).

9) J. 5362.

10) Vgl. auch den Brief v. J. 1096 bei v. Pflugk-Harttung AA Pontt. Kcunni. H. 163 (J. 5671).

11) Ivo Decr. VIII. 23 (J. 5382).

2. Kapitel. Klenis. 29

Braut und ihres Vaters geschlossen war, was, sagt der Pabst, Kanonen und Gesetze nicht anerkennen : der Verehelichung des Mädchens mit einem andern Manne stände darum nach diesen Satzungen nichts im Wege. Dabei verweist der Pabst be- zaglich des Erfordernisses des Konsenses in Kanonen und Gesetzen auf den weiteren uus nicht erhaltenen Verlauf des Briefes^); es wird kaum zu bezweifeln sein, dass die folgenden iSesetze jene Texte aus den Pandekten waren, welche des Erforder- nisses der Zustimmung von Eltern und Kindern gedenken (23, 1, 7 1]. 11. 12. 13). In einem Briefe an König Heinrich von England v. J. 1101 beruft sich Pabst Paschalis II auf einen Text aus Julians Epitome (Const. VI. c. 24 u. 26)2). Es ist femer noch ein Brief desselben Pabstes unbestimmten Datums (zwischen 1100 bis 1115) ad Bonum Seniorem, episcopum Reginum, zu erwähnen, welcher des ge- setzlichen Verbots der Ehe zwischen Adoptivgeschwistern gedenkt (I. 1, 10,2)^,^). In den Akten der Synode zu Beauvais v. J. 11 14*^) wird eine Stelle aus der Inter- pretation des Breviars mit Angabe der Quelle allegiert '*)•

In einem Briefe des Fulbert aus Chartres v. J. 1016 oder 1017") und einem Schreiben der Kanoniker von Chartres v. J. 1029^) wird unter Be- rufung auf den Urheber des Gesetzes, Konstantin, eine Stelle der Interpretation des Breviars wiedergegeben (C. Th. 1, 2, 1). Anselm der Peripatetiker beginnt einen seiner zwischen 1047 und 1056 verfassten Schrift Rhetorimachia vorgesetzten VVidmungsbrief^) an Kaiser Heinrich U (III) mit den ersten Worten des Pro- oemium der Institutionen^^). Auf die Benutzung der Rechtsquellen durch Petrus

1) CanoDum et legum auctoritas talia sponsalia, ut infra ostenditur, Don approbat

2) Mansi XX. 1058 (J. 58G8).

3) J. 643G. Der Brief liegt nur in Fragmenten vor (vgl. Decr. C. XXX qii. 4 c. 5 u. XXXV qu. 2 et 3 c. 22).

4) Zweifelhaft ißt, ob die Worte in einem Briefe Paschalis II: si qui sane ante Romanae 1^8 suseeptionem secundum communem patriae consuetudinem coniugio contraxerunt, natos ex eis filios neque a saeculari neque a dignitate ecclesiastica repellimus i^Harduin. Conc. VI. F. IL p. 1784), nicht vielmehr auf das Recht der römischen Kirche gehen; lex Romana ist in diesem Sinne nicht ganz selten: vgl. z. B. a. 1059 bei Mansi XIX. 051, ferner in der durch franzosische Geistliche zwischen 1070 1068 verfassten Historia Compostellana, der Chronik von Burgos zum Jahre 1078 (vgl. Helfferich Entst. u. Gesch. d. Westgothenr. S. 325 Not. 302). Hingegen liegt der Entscheidung und dem Verfahren in einem Rechts- streit zwischen zwei Abteien (Monte Casino und Terra minor) auf einer Sjmode zu Benevent a. 1113, Mansi XXI. 89, welcher zu einem päbstlichen Judikat fuhrt (legum auctoritate per- Bpecta), römisches Recht zu Grunde. (Verklagter behauptet quadragenaria possessio, Kläger interruptio quadragenariae vel tricenariae possessionis durch Besitzhandlungen, unter anderm Vermietung; testes cum non ex visu vel auditu . . testimonium ferrent, nee legibus nee canonibus admitti potuerunt). Ähnlich ein weiteres Judikat von Paschalis II a. 1114 bei v. Pflugk-Harttung, Iter Ital. II, 453 (J. nach 0404).

5) Mansi XXI. 124.

<>) C 12: ex libro legum divi Valentiniani ^ Br. Val. 12 Int.

7) Bouquet Kecueil X. 453.

S) Ik)uquet a. a. (). X. 5(iK.

9) IminTiitoriam magestateni armis decorari et legibus, ut leginuis, oportet armuri, ut cum annis decorata tarn et legibus procedat armata, nach e<l. Dümmler, Anselm d. Peripat. S. 1<>. l>aniuf hat zuerst hingewiesen Fitting, Gt»scli. d. Rechtswiss. am Auf. d. Mitt. »S. 9, 22 Not. S. 1<>I Ausserdem fin<Iet sieh in den beiden Handschriften des Anselm Allegation zweier Stellen fliLs Julian als Kandglosse. Es sind dies <üe folgenden: Const. LXVII. c 1, eitiert als Justi- nianus, mit An^^alK! «K* Textes bis 'interp<»Hita sit', zu den Worten: iureiurando cnim sibi pronilMTa-* ninritaleconubium nu[»tias legittimas (chI. Dümmler a a, C).S.4S),und Const. XXXVI,

30 Erster Abschnitt.

Damiani in seiner Schrift de parentelae gradibus komme ich in einem anderen Zusammenhang zu sprechen (vgl. 36. u. 38. Kapitel).

c. 7, dtiert als Justinianus in novella, mit Angabe des Textes bis *mulleri prestet* , zu den Worten: quia aliter sponsam seducere non poteras, foras portus civitatis ad domum cuiusdam tui militis sub uxoris nomine duxeras et caet. (a. a. O. S. 50). In der jüngeren der beiden Handschriften, einem Cod. Cusan.* XII. S., sind beide Stellen auf kleinen von späterer Hand als der Text geschriebenen Blättchen beigefügt. Hing^en meint Dümmler, a. a. O. S. 2 u. 3, dass die Kandglossen in der älteren Handschrift, Paris. 7761, von derselben Hand herrühren wie der Text, und hält es für wahrscheinlich, dass dieser Kodex die Urschrift Anselms ist.

Zweiter Absclinitt.

Die Verbreitung der Rechtsquellen, Breviar und Justinianische Gesetzgebung, bis gegen Beginn des 11. Jahrhunderts.

Einleitimg.

Hozu^niahnien auf die Quellen des römischen Rechts, Breviar und Justinianische «f»>«*tztrt'hunp. wie sie im vorhergehenden Abschnitt gesammelt worden sind, werden *i«'h gewis noch manche nachweisen lassen. Schon an und für sich von Interesse, wird die weitere Bedeutung einzelner derselben im Laufe der Untersuchungen sich «•rir»lM*n. zu welchen ich hiermit tibergehe. Es ist zunächst die folgende. Die Thatsarhv, dass die Quellen des römischen Rechts zu allen Zeiten des Mittelalters, uii'i so auch in den frühesten und früheren Jahrhunderten desselben, bekannt wan.n. ist unanfechtbar. Ich wünsche hier jedoch festzustellen, welcher Art und wi. gruss der (^uel lenkreis romischen Rechts ist, über welchen die einzelnen dem- >• lU-n zugewendeten Länder in den Jahrhunderten des früheren Mittelalters ver- fairtefi. und ferner in welchem Masse sie sich ihm zuwendeten. Was die Artver- -*hied« nheit anlangt, so bestimmt sich dieselbe durch den Gegensatz des Breviars und der Justinianischen (Sesetzgebung, die letztere stet.s mit Ausschluss der Tan- •iekten. für Welche sich eine besondere Untersuchung empfiehlt (vgl. 7. Kapitel). \n> naheliegenden Gründen kommen in örtlicher Hinsicht allein Spanien, Frank- Ph h l»ez. das fränkische Reich, Italien und England in Betracht* . Die Beschränkung 'U^-^vi Abschnittes auf die Zeit bis gegen Beginn des 11. Jahrhundert« wird die rnt»Tsu<hung selbst rechtfertigen.

3. KapiteL Spanien*

Was zunächst Spanien anlangt., so hatt<? das im Jahre r>oO von dem west- i:'»this/*h»'n Könige, Alarich II, verkündete Gesetzbuch, die lex Romana Wi.sigotho- nnii MdtT das suirenannte Breviar, das Land, soweit es der Macht <ier westcrothi- Mh»n K'-'niire unterlai:. mit Bezug auf die Rechtsverb;1ltui<se der rnmisehen Bevol-

1.1 Im Inn«-ni I K-iitM'hlamls iehu-u keine Köinor ui»«l war iUis r«»iniM'lu' lUn'ht darum i.5> hl U kaiiiit ; aiK'h die ( ^^•i^lli^hkeit lK*<liento t»icb «less«-» iiirht: vjrl. Stol)lH' I. -'ii» .N«.t. •. I)ie AiinalmH* Fittinjr», Zfilft'hritl VII. sn u. l^ilo^rna .*i. 11 Not. \*, <ia» man at>* riiiin'i«-«t«>iiH iliT l*nten*ei>nng in den Stamnu»>nvhU'n «in«- allpnidnrn' auf dorn rümi- *• n Ii«<-Iii fu.*M*nd«- juri-tisclH' Kinleilunjj: vonuisseliirkU'. trilU nitlii /u: v;:!. ;!.'». Kap. d. Sehr, l-tiut/uhj: unviTstandmor rhra^oolojrio riuniseh-nvhtlirhon rr>|»ninir** in alamniani.-M-lu'n rrk:4n«kii U»weL«»t wchUt Kenntnis nm'h IVnutzung «Irr r«"»niis<"li»'n K«rlit<jmllfn: vpl '.Vk Kap.

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32 Zweiter Abschnitt.

kerung seiner Herrschaft unterworfen ^). Nach dem EinfQhrungspatent, der aucto- ritas Alarici, trägt das neue Gesetzbuch einen exklusiven Charakter 2); damit muss auch das Schicksal der alten Kodifikationen und der Jurisprudenz, bezüglich deren bisheriger Stellung andere Verhältnisse als in Gallien (vgl. S. 41) anzunehmen wir keinerlei Ursache haben, als geltendes Recht besiegelt gewesen sein. Der Einfüh- rung und Geltung des Justinianischen Rechts war nicht allein durch jenen Satz des Commonitorium, sondern schon durch die blosse Existenz eines Gesetzbuchs römischen Rechts der Weg verlegt; nur an der Südküste, welche bis gegen 616 dem oströmischen Reiche unterworfen blieb, wird allem Vermuten nach das Justinianische Recht Eingang gefunden haben ^) Aus dem Umstand, dass bisher eine Spur der Justinianischen Ge- setzgebung, als Ganzes oder in einem ihrer Teile, nicht aufgefunden worden ist^) und selbst der gelehrte Isidor von ihr nichts zu wissen scheint (vgl. 15. Kapitel), wird man sogar nicht ohne Grund schliessen dürfen, dass in Spanien das Justinianische Gesetz- gebungswerk unbekannt war. Von der Benutzung des Breviars hingegen geben die formulae Wisigothicae, die in die lex Wisigothorum aufgenommenen Gesetze der gothischen Könige (vgl. S. 3), die Etymologien des Isidor, das Konzil von Se- villa V. J. 619 und das vierte Konzil von Toledo (vgl. S. 14, 13 Not. 1) Kunde. In diesem

1) Vgl. aus der überaus reicheu Literatur über das Gesetzgebungswerk des Alarich II Dahn Westgoth. Studien S. 4 ff.

2) yec aliud cuilibet aut de legibus aut de jure liceat in diseeptationem proponere, nisi quod directi Hbri . . ordo complectitur, ed. Haenel, 1. R. V. p. 2, 4.

3) Vgl. Helfferich Eutst. u. Gesch. d. Westgotheur. S. 61.

4) Dies wird allerdings nicht allgemein zugegeben. 1) In dem gegen das römische Recht gerichteten Gesetze Reckessuinths (vgl. S. 33) heisst es (1. W. 2, 1, 9): nolumus sive Ro- manis legibus sive alienis institutionibus amodo amplius convexari. v. Daniels, Handb. d. deutsch. R^chtsgesch. I. 122, und neuerdings Gaudenzi, un antica compil. p. 61, verstehen unter den alieuae institutiones die Institutionen Justinians, womit übereinstimmt Fitting, Bologna S. 12 Note k, unter den Romanae leges Codex und Novellen, bez. die Gesetze der occidentalischen Kaiser (vielleicht auch die im Breviar enthaltenen). Indes liegt es (loch zweifellos näher, den westgothischen König bei den Romanae leges an das westgothisch- römische Gesetz und bei den alienae institutiones an dessen fremde, nicht volkstümliche Ein- richtungen denken zu lassen. Und man kommt dann doch über die jedenfalls äusserst be- denkliche Annahme hinaus, dass das justinianische Recht in praktischer Geltung war. Dass bei dieser Auffassung Reckessuinth die Institutionen des Breviars als fremde, dieses letztere selbst als ein fremdes Gesetz (vgl. den obigen Text) bezeichnet, ihm andererseits Reich- tum an beredtem Ausdruck nachrühmt (vgl. den Text S. 33 Not. 2), ist bemerkenswert und charakteristisch, aber kein Gegenargument, wie Gaudenzi, a. a. O. p. 59 sqq., meint. Mit der hier vertretenen Meinung stimmen ü herein Stobbe I. 81, Dahn a. a. O. S. 32 Not. 3, Brunner I. 329 Not. 40. 2) In den zu. Anfimg des 7. Jahrhunderts gesammelten for- mulae Wisigothicae soll justinianisches Recht und insbesondere Pandektenrecht benutzt sein; dies nehmen an Helfferich, a, a. O. S. ßO ff., Gaudenzi, a. a. O. p. G2, G3: vgl. dagegen Zeumer in ed. Formull. p. 574, 575. 3) Endlich soll auch in der 1. W. justinianisches Recht benutzt sein; dies nimmt an nach Roth Stobbe I. 90 Not. G7, 84, ferner Gaudenzi a. a. O. p. 63: vgl. dagegen Savigny II. 73 fl'. u. Dahn a. a. O. B. 297. Savigny bemerkt mit Recht, dass die Übereinstimmung der Bücherzahl in der 1. W. und dem Justinianischen Codex keine Stütze hierfiir ergiebt; die Anklänge westgothischer Gesetze an Texte der Ju- stinianischen Kodifikation (die stärksten Nov. 115 c. 3 == l. W. 4, 5, 1; Nov. 143 = 1. W. 3, 3, 1) aber könnten noch weit bedeutender und zahlreicher sein und würden dennoch nicht die Annahme einer direkten Beziehung zu rechtfertigen im Stande sein. 4) In der Gaudenzischen Sammlung findet sich auch Justinianisches Recht: es ist indes kein Gnuul vorhanden, ihre Entstehung mit Fitting, Bologna S. 32 Not. k, nach Spanien zu versetzen; vgl. d. 21. Kapitel d. Schrift.

4. Kapitel. Frankreich. 33

Konzil von Toledo Iftsst sich die Bezugnahme auf das Breviar bis in das Jahr 633 verfolgen. Charakteristisch ist, dass in diesen spanischen Konzilien das römische Recht als das Gesetz erscheint. Es ist dann durch Reckesuinth (649—672)^) die praktische Geltung des römischen Rechts aufgehoben und der Gebrauch dieses, wie es heisst, an beredtem Ausdruck reichen und andererseits mit Schwie- rigkeiten Oberhäuften Gesetzes eines fremden Volkes lediglich zu nützlicher Uebung gestattet ^}. Von da ab schwindet das römische Recht für Jahrhunderte lang aus der Recbtsgescbichte Spaniens; auch die Konzilien und die spanische Geistlichkeit kennen fortan nur das Gothischc Gesetz'). Ich darf auch noch die Folgezeit mit einem Worte berühren. Die Wiedergeburt des römischen Rechts, und zwar in der Gestalt der Justinianischen Kodifikation, wird in die Mitte des 13. Jahrhunderts Versetzt, sonach in eine Zeit, in welcher das Studium des römischen Rechts schon seit mehr als 100 Jahren in Italien, Frankreich und darüber hinaus die Geister gefesselt hielt. In der Zwischenzeit also zwischen dem siebenten und dem drei- z^'huten Jahrhundert darf in Spanien regelmässiger Weise kein römisches Recht erwartet werden. Diese Worte Savignys *) dürften auch dem Stande der gegenwär- tieen Forschung entsprechen, ob sich zwar zu dieser Regel, wie billig, Ausnahmen eingestellt zu haben scheinen'^).

4. Kapitel. Frankreich.

1. Was Frankreich anlangt, so ist das Resultat der folgenden Untersuchung » .w« . dieses, dass als Quellenkreis dieses Landes das Breviar zu gelten hat, während whe kwIi- vom Justinianischen Recht nur Julians Epitome benutzt wurde und die Justinia- nische Kodifikation in ihrer Reinheit unbekannt geblieben ist. Und zwar während dieses ganzen Zeitraumes und darüber hinaus bis zu einem an anderer Stelle ;vgl. **. Kapitel) zu liegrenzenden Moment, andererseits jedoch nicht ohne eine gewisse t«.Tritoriale Kinschränkung, von welcher ich vorläufig absehe. Indem ich Frankreich lU ein von der justinianischen Gesetzgebung immunes Gebiet bezeichne, stehe ich, soweit es die ersten Jahrhunderte des früheren Mittelalters anlangt durch-

n S> nach Brunner I. JJs Not. .{*). Früher hielt man ('hin<ia«vinth (t>41— (LVJ} für den Trheber. I^ W. *J. 1. pehört wohl in einen andern Verband: vgl. Brunner I. :i3i) Not. 4«;.

•J) L. \V. 2, 1, 9. Die Stelle lautet: alienae genti» legibus ad exercitium utilitati» inibui et p<>nnittiinU5 et optamuA: ad negotiorum vero discusÄionem , et n»«ultamu8 et |>n»hibeinu'*. i^iamvi« enini eloquiis polleant tarnen dif!ieultatibu8 haer^nt: ade«) quum »uftieiut ad iustitiae piraitniiiDem et pracwcrutatio rationuni et eomiietentinni onlo verbonini. qnne iMxliei* huiu;* ^rie* a|ru<Mcitur eontinere, nolumus et eaet. Upl. die Worte in Not l v. S. :\'2).

.!• \>I. lleltTerich a. a. O. 8. ':C>2--:Wi<i.

4. II. si.

El* handelt *»rh um thu* Folgende: 1) In Barcel<»na lH»j*as!* man im 11. .lahrhunilrrt •li»- W\ Kc»maDa: vgl. N. Arch. VI. :is<i; «»^ mag das Bn'viar ge\vt»!*en fH*in. J) In den H«Mluk- ti<«eti der r^tici Barehinom>nseH tinden sieh Stellen au.«* dmi Bn-viar und der ,lu^tiniani?*«lirii Ki«lifikati<»n Rowie au» der mittelalterlichen Liter.itur römijM'hen Heehts Indes der Kntstehniii:*»- wit drr l'ivatici, dem Beginn d«»»» letzten Dritteil.«* des 11. .TahrlnuMlerts, j:eh«)rt dir KinlTiiruiiL' •irr Stut ke m. E nicht an; sie dürfte aln^r andererseits !*eh«)n vor «ler Mitte dt»s i;i. .Tahrhundert- CVM-b«^hen «ein (vgl. *J9. Kap. d. Sihrift). :^) Roman i>*tis<h gebildrt«- Männer gab i»s an den \U*i'vi\ ond unter den Würdenträgern spanischer Fürsten srli«»n im IJ. .lalirhundert : vgl. Ilrltr»rirh 4t a. « ». i<. .'tTrf ». 4) In einer Handschrifl der Real. biM. <li San \a*t\'1}/a* tle> K«*koriaI. w.|, ht- «n Verzpichnis der von Pal>st Coelestin (114.5. Uli) der tirlesia »saneti Floridi riUrlji>MMieii Bü«h«-r enthält, wini ein liber dip»««tonim et (Mxlit-un» giMiannt : virl. Wien. Sit/.-lW-r. ('\I. 44h. CoBrAt.Ocftch d QneU u Lit d. rum. Rechts etc i

34 Zweiter Abschnitt.

aus auf dem Boden der herrschendeu Meinung '). Die Gründe für dieselbe liegen auf der Hand. Belege einer Benutzung Justinianischen Rechts finden sich nicht ''^). Weiter fehlt es unter den älteren Rechtshandschriften, welche nachweis- lich in Frankreich entstanden oder wenigstens vermutungsweise, um deswillen weil sie das Breviar enthalten, dahin zu versetzen sind, an einer Ueberlieferung Justini- anischen Rechts. Rechtshaudschriften dieser Art sowie Anlässe zur Bezugnahme auf Justinianisches Recht finden sich nun aber zahlreich genug. Es kommt schliesslich in Betracht, dass sich die Geltung bez. der Prozess der Aufnahme des Justinianischen Rechts im fränkischen Reiche, im Gegensatze zu demjenigen was vom Breviar gilt, nur mit Mühe erklären Hesse.

Muss man die hier dargelegten Gründe, wie mir scheint, für durchschlagen«! erachten, um die herrschende Annahme zu rechtfertigen, dass während der frühesten Jahrhunderte des Mittelalters in Frankreich von der Justinianischen Kodifikation kein Gebrauch gemacht wurde, so stütze ich mich auf dieselben Momente, wenn ich ein Gleiches auch für die folgende Zeit behaupte. Zumal der oben bezeich- nete Mangel einer ueberlieferung Justinianischen Rechts bei reichen anderweiten Rechtshandschriften trifft auch für diesen Zeitraum zu'^. Wenn dennoch bisher diese Annahme keine allgemeine ist*), so liegt es daran, dass sich bei angesehenen Forschern, wenn auch nicht entschiedene Meinungsäusserungen, so doch Andeu- tungen und Versuche finden, eine frühere Bekanntschaft Frankreichs zum wenig- sten mit dem Justinianischen Codex festzustellen. Sie treffen indess nicht das Richtige; denn weder die Kapitulariensammlung des Benedikt Levita*'), noch die Epitome Aegidii des Breviars benutzen, wie dieses behauptet worden ist, den Codex.'') Man möchte aber selbst soweit gehen anzunehmen, dass von Codex

1) Vgl. statt weiterer Belege Savigny II. 02, Haenel 1. R. V. p. XXIX, Heimbach Anecd. IL p. VI.

2) Vgl. Zeumer in seiner ed. ForniuU. p. 2()8 Not. 1 : cum . . Justiniani iuris certiora vestigia vix ante saeculum IX. in Francorum regne inveniantur.

3) Die älteste Handschrift, in welcher das Justinianische Recht (Institutionen) sich mit dem Breviar vereinigt findet, ist Cod. Ambros. C. 2f>, in dem diese beiden Stücke indes erst dem 12. Jahrhundert angehören: vgl. Haenel 1. l\. V. p. LVIII u. Schrader Prodrom, p. 53, 73. Es wäre etwa noch zu erwähnen, dass sich in dem in (rallien geschriebeneu Cod. Paris. 4418 S. X, welcher den Julian und das Breviar enthält, dem Iudex zum Julian Buch- zahlen der korrespondierenden Codex- u. Digestentitel beigefügt finden: vgl. Haenel Jul. p. 3 sqq. u. dazu p. XLVI, III.

4) Sie wird geteilt von Beaume, Introd. k i'^tud. bist, du droit cout. frany. p. 223, der es für sehr zweifelhaft erklärt, ob Codex und Pandekten vor dem 12. Jahrhundert in Frankreich bekannt gewesen sind, ferner von Caillemer, le droit civil angl.-norm. p. 11, nach welchem das Ende des 11. oder der Anfang des 12. Jahrhunderts die Grenze bildet zwischen der Periode ausschliesslicher Geltung des Breviars und der folgenden. Anders z. B. Giraud e«s. sur l'histoir. du droit franv- I. 230, Fitting Brachyl. S. 40 mit Berufung auf Savigny.

')) Savigny II. 104, und nach ihm der neueste Herausgeber, Knust, MG LL IIl>. 21ad h. 1. (wo Cod. Theod. für Cod. Just, ein Druckfehler ist), machen zu einem Texte des Benedikt I^vita (I. 338) eine Stelle aus dem Justinianischen Codex (C 1, 3, 35) als Quelle namhaft: in Wahrheit ist vielmehr, und zwar zum guten Teile wörtlich, eine Konstitution des Codex Theodosianus (U), 11, 3 = Br. 10, 5, 3) benutzt. Dass in I. 331) nicht aus dem Justinianischen Codex (1, 2, 5) geschöpft zu sein braucht, da die bezügliche Konstitution auch in dem von Benedikt Levita benutzten 10. Buch des Codex Theodosianus zu finden ist (10, 2, 40) hat schon Savigny, II. 104 Not. c, erkannt.

0) Savigny, IL 00, und danach Hänel, 1. K. \. p. XXVI Not. 20, meinen bei einem

4. Kapitel. Frankreich. 35

und Institutionen in Frankreich ») nicht einmal die Kunde ihrer Existenz anders als in dem vagen Bericht des Beda über den Codex, auf welchen ich an anderer Stelle zurückkomme (11. Kapitel), nachweisbar ist 2). Wenn man meint '0, dass in den Worten einer sogenannten Epitome des Breviars, der Epitome Lugdunensis, deren Abfassung vielleicht in das Zeitalter Karls des Grossen, jedenfalls in den Zeitraum von Beginn des 7. bis zum Beginn des 9. Jahrhunderts zu ver- setzen ist, eine Erwähnung des Codex begegnet, so erweist sich dies bei näherer Prüfung nicht als begründet^).

Zweimal freilich scheint aus Italien eine Kunde vom Justinianischen Codex nach Frankreich gelangt zu sein: wir haben oben (S. 20) gesehen, wie Pabst Johann VIII auf

vom Breviar (Cod. Gregor. 13, 1) abweichenden Text der Epit. Aegid. eine unter dem Einflüsse des Justinianischen Ckxlex vollzogene Redaktion annehmen zu dürfen. Ich setze beide Versionen der Stelle nebeneinander:

Breviar Epit. Aegid.

si in potestate patris fuisti, quum hereditas si pater res filiorum aliunde acquisitas alie- Bassae Cassiae tibi obvenit, eamque patris navit, filii a patre pro hoc pretium conse- iussu crevisti, iure patriae potestatis ei eara quantur. ({uaesisti. Ideoque quod ab eo iure alienatum est, nulla ratione oblato pretio restitui tibi desideras.

Wenn ich recht sehe, erklärt sich der von der Vorlage abweichende Text der Epitome damit, daÄS der Verfasser der letzteren das *oblato pretio' in dem Sinne verstand, der Kauferlös sei vom Vater dem Sohne angeboten worden.

1) Noch viel weniger im östlichen Teile des Franken reichs, in Deutschland. In zwei Katalogen des Klosters Ix)r8ch vom 10. Jahrhundert findet sich ein 'edictum piissimi impera- tt»ris Justiniani rectae fidei confessionem continens et refutationem haeresium quae adversantur catholici Dei ecclesiae': vgl. Becker sub N. :37, 36<) u. N. 38, 33. Dieses wird nicht der Codex, sondern das Edikt .lustinians gegen Origines sein (Mansi IX. 487—534), wie schon der ge- ringe Um&ng der Schrift annehmen lässt (in quatuor (luatemionibus). Dieselbe Schrift findet sich auch in Montpellier (vgl. Catal. g6n^r. d. Manuscr. u. s. w. I. 308) und sonst

2) HierfÖr spricht das Folgende: 1) Hinkmar von Rheims (Opp. IT. 501), welcher 0. J. 7, 44, 3 aus dem Commonitorium (Jregors (XIII. 45) anfuhrt (vgl. SchrÖrs a. d. S. 23 Not. 7 a. O S. 410 Not. 107), lässt nach dem Druck das entscheidende Wort 'Codicis' aus, so dass nur mit Buch- und Titelzitter citiert ist, was, da die bei Hinkmar vorangehende gleichfalls (Jregor entlehnte Stelle den 'leges' zugeschrieben wird und aus Nov. IK) ist, keinen Sinn giebt; Hinkmar \vird nicht gewusst haben, was es mit dem Codex für eine Bewandtnis hat. 2) Sodann wird in der Sammlung de» Cod. S. Germ. .3W von derselben Konstitution, welche jedoch nach dem Codex Theodosianus und mit der Int. des Breviars angegeben ist (Br. C. Th. 4, 15, 1), gesagt: secundum has leges decre- verunt . . Sanctus Gregorius (vgl. Haenel 1. R. V. p. LXXXVI Not. 31iO), was N-ielleicht ein ahnliches MisverstiindniH i»t. 3) Über (kTberts Allegierung von C. .1. 7, 44, 3 unter Gregors Namen im J. '.K»5 vgl. S. 2(3 Not. 1. 4) In der fränkischen Handschrift des Julian, Co<l. Paris. 441s, liiHsst dies*»« Rechtsbuch lex .lustiniaiia (vgl. Haenel Jul. p. III); el)cnso werden bei Hinkmar (Opp. II. 7s7, 71HI) die Texte aus Julian als der lex Justiniani entnommene mit Angabe der (fortlaufenden) Kapitelzitter lK*zeichnet, als gäbe es kein anderes G(»setz Ju- !«tiüiaiis: wenn aber Hinkmar, der für seine Zeit eine immense Gelehrsamkeit besa.ss (vgl. Schn"»rs a. a< (). S. ll.'i t\\), Uxiiglich den Julian als (iesetz Justinians kennt, so liegt ein weiterer St-hluss in dem Sinne der Annahme <les Textes nal»e genug.

3) Haenel l. R. V. p. XXIX und zustimmend Fitting Bologna S. 45 Not. a.

4) Es handelt sich um die Auslegung der Worte, in welchen der Verfasser jener Ejütorne über Justinian mit Bezug auf die Novellen von Themlosius, Valentinian, Martian . Majonaii, Sevems das Folgende l)erichtet: TluHMlosius . . e<lieta constitutionesiiue . . in eoriM»re iino "^^^t, quinl Tlieo<lo>iianun» apjH'llavit . . iK>-»ten .Marieus . . suhtractis illis, quae minus utilia po-

3*

36 Zweiter Abschnitt.

der Synode von Troyes v. J. 878 nach Einsichtnahme der Gesetze auf ein angeb- lich von Justinian herrührendes, im Codex überliefertes Gesetz von Honorius (1, 3, 13) hinweist'); das Chronicon Moissiacense aber, eine zuverlässige Quelle 2), meldet von einem ins Jahr 739 zu versetzenden Vorgang 3), welcher, wenn auch nicht ohne Einwand, so doch anderseits ohne Zwang und ganz im Geiste jener Zeit^), sich dahin verstehen lasst, dass Pabst Gregor III dem Karl Martell ein Exemplar des Justinianischen Codex zum Geschenk machte^).

pulis videbantur, in CLXXVIII titulis compendiavit . . Hoc ideni et in Theodosii ipsiiis Novellarum, Valentiniani, Martiani, Maioriani Severique imperatorum, quos Justinianus impera- tor etiam in unum retraxit, Studiosus fecit, nach ed Haenel, l.R.V.p.255. Unter der dem Justinian zugeschriebenen Sammlung, welche die Novellen des Theodos, Valentinian, Martian, Maiorian und Severus vereinigte, den Justinianischen Codex zu verstehen, geht m. E. nicht an: der Codex enthält Novellen der zwei zuletzt genannten Kaiser nicht, besteht auch sonst nur zu einem ganz geringen Teile aus 8ogenann\en Posttheodosianischen Novellen und insbesondere nicht aus solchen mit Ausschluss der im Theodosianus enthaltenen Konstitutionen, wie es nach unserem Texte von jener Sammlung Justinians behauptet wird, da der Inhalt des Theodosianus ausdrückhch von derselben ausgeschlossen wird. Mich will bedünken, dass für den Autor, nicht minder wie für den Bibliothekar Anastasius (vgl. 11. Kap d. Schrift), Justinians Gesetze in den Novellen aufgingen, deren Verhältnis zu den Novellen des Breviars er sich dann in der ge- dachten Weise zurechtlegte.

1) Das Gesetz steht auch im 10. Buche des Codex Theodosianus (IG, 2, 34) und man mag zweifeln, ob es nicht in diesem vorgelegen hat; letzteres war in den Kreisen der Teilnehmer an dem Konzil von Troyes gewiss bekannt und gebräuchlich. In dem Umstände, dass der Pabst die Konstitution auf Rechnung Justinians setzt, während sie in der That dem Honorius zukommt, könnte man sogar einen gewissen Anhalt dafür finden, indem sich daraus ergiebt, dass es der Pabst nicht gar zu genau nahm.

2) Vgl. Wattenbach * I. 193, 194.

3) Die Datierung gemäss J. 2249.

4) So schenkt Paulus I zwischen 758 und 703 Pippin eine grosse Zalil von Schriften (J. 2351) und bietet Hadrian im Jahre 774 Karl dem Grossen die Coli, canouum dar (J. 24()4).

5) MG SS I. 292. Der Bericht lautet: claves venerandi sepulcri Petri apostoli et vincula eiusdem cum magnis muneribus legatione ad Karolum principem Franconim mittit, quod antea nuUo Franconim principe a quolibet Romanae urbis praesule missum fuerat. epistolam quoque et decreta Romanorum principum praedictus papa Gregorius cum legatione, etiam mimera misit; quo pacto patrato sese populus Komanus, relicto imperatore Graeconim et dominatione, ad praedicti principis defensionem et invictam eins clementiam convertere cum voluissent. . . Zweifel gegen die Auslegung im Texte erregt der Umstand: 1) dass die im wesentlichen mit Chron. Moiss. übereinstimmenden Annall. Mettenses (MG SS I. 320) statt *et decreta* lesen 'decreto'. Indes scheint mir diese Lesart härter als die des Chron. Moiss. und sachlich viel- leicht bedenklich, da man annehmen müsste, dass der Pabst seine Geschenke auf Befehl oder Beschluss der römischen Grossen gesendet hatte. Es ist auch leichter begreiflich, mo sich der Text des seine Quelle gewissenhaft abschreibenden Chron. Moiss. (vgl. Wattenbach a. d. Not. 2 a. O.) in den der Ann. Mett. verwandeln konnte, als das Umgekehrte; denn ein fränkischer Chronist konnte sich unter dem *decreto principum' leichter etwas denken als untei* den 'et de- creta principum'. Es kommt aber 2) in Betracht, dass ein Bericht, Fredegarii contin. 3, 1 10, nach ed. Bouquet II. 457, lautet: claves venerandi sepulcri, cum vinculis S. Petri et muneribus magnis et infinitis, legationem, quod antea nullis auditis aut visis temporibus fuit, destinat, eo pacto pa- trato, ut a partibus imperatoris redderet et Romanum consulatum praefato principi Carolo sanciret (daraus Chron. univ. --841, MG SS XIII. 19, und Annall. Juvav. MG SS III. 123). Hier ist also nicht von einem Brief und den decreta Romauorum principum die Rede, sondern von dem Antragen des römischen Konsulats; oifenbar aber geht der Bericht auf dieselbe Quelle zurück wie derjenige von Chron. Moiss. Nun kann aber recht gut die Notiz von der Übersendung des Briefes und der decreta principum Romauoruui im Chron. Moiss. auf besonderer Quelle be-

4. Kapitel. Frankreich. 37

2. Ich habe schon oben (S. 33) bemerkt, dass der hier geschilderte Sachverhalt, das * Burgund. Fehlen der Justinianischen Kodifikation im Rechtsleben Frankreichs, dessen Kehrseite dann die sofort des weitereu zu entwickelnde Herrschaft des Breviars bildet, nicht uhne eine territoriale Einschränkung gilt Man kann sich nämlich des Eindrucks nicht erwehren, dass in Gebieten des ehemaligen Königreichs Burgund der Justi- nianischen Kodifikation glücklichere Schicksale beschieden waren, indem hier Justinia- nisches Kecht bekannt, benutzt und in Qeltung gewesen ist. Dass Bezugnahmen auf römisches Kecht, welche sich in den Konzilienschi Ussen von Macon v. J. 582 und 5S5 finden, vielleicht das Justinianische Kecht betreffen, habe ich oben iS. 7,S; bereits erörtert. Wenn femer König Ludwig, der Sohn des Boso, des Stifters des cisiuranischen Königreichs Burgund oder des Kelches Arelat, welches im wesentlichen aus der Provence, der Dauphin^ und einem Stück Landes nörd- lich der Rhone bestand, i. J. 897 eine Schenkung seines Vaters an das Bistum Grenoble durch den Hinweis auf ein die Anfechtung von Privilegien mit 30 Pfund Gold strafendes Gesetz des Theodosius bekräftigt, so scheint mir dabei an kein anderes Gesetz gedacht zu sein, als an eine im Codex Theodosianus fehlende Konstitution von Theodosius II (und Valentinian, welche durch den Justinianischen Codex (1, 14, 2) überliefert ist^). Mag auch die Berufung auf die Konstitution bei Boso, wie dergleichen so häufig ist, nicht direkt auf die Cjuelie zurückgehen, sondern dem provenzalischen Kanzleistil entnommen sein 2;, die Annahme, dass dieser letztere den Text dem Justinianischen Codex entlehnt hat , wird für nicht unwahrscheinlich gelten müssen : einiges Recht zur Vermutung, dass man sich schon in den frühesten Jahrhunderten des

ruhen, und die bezügliche Cberliefening macht iu der Tliat äunserlich den Eindruck eine« Ein- *i hit- Iwebt zu der mit dem Fredegar. cont. übereinstimmenden l*artic, wie dies nnchWaitz, N. Arch. V. 471». 4*^». annimmt. Oder aber es könnte dem I^richt über <ia»* Anerbieten de« Konsulat« bei Frwiegar. cont. ein MiHsverstandnit} der im Chron. Moiss. richtig wiedergegebeuen Worte der i^Oflle '«ieereta Koman(»rum prineipum* zu Grunde liegen, indem der erj*tere die decreta im Sinne rioer Hetttallung auffasste und die Romani princi|)e8 für die Konsuln hielt ; diese Annahme hat «kn Vorrug, den Bericht von <lem Anerbieten des Konsulats an Karl Martel, woran auch die Hi»t«»riker nicht glauben wollen (vgl. .1. 224Ü und die dasellwt citierten Autoren), für einen Irrtum zu erweist'n. Freilich ist der Fredegar. cont. eine alte und gute Quelle (vgl. Watteu- la<h I. iL*«»). Ij*t nun aber der Text von Chron. Moiss. richtig, dann winl, zumal mit Hück- *Kht auf die Gepflogenheit der Päbste dieser Zeit, derartige GcK'henke zu machen (vgl. Not. 4 zu >. ;i»j;. kaum eine andere Auslegung als die des Texten zuläs^ig j*ein. DiHTeta principum Komano- runi von den Gef^tzen der romischen Kai?*4.^r zu ver>tehen. gt^ht recht gut, zumal Ihm einem fränkischen Autor: vgl. z. B. decreta Theodosii für das Hreviar in der 1km Saviguy 1. m erwähnten r^trlle und die decreta principum Komanorum in der ('lierwhrift der ca[ntula Angilramni und •Unafi*h l>ei Hinkmar v. lUieims (vgl. v. Scherer I. Jis Not. !.'»>. Ein iit»schenk übrigens, in •U-r Al»*i«hl gegeben, den Emplanger freun<llich, dankbar und jingenehm zu stimmen, i^t e> •laUi wohl gar nicht gewesen, sondern der Pabst mm'hte ihm eine lx*lirt^ geben wollen ut»T die Ptik'hten eint« katholi}<chen Für>ten, wie >ie im C'<h1ix >m vielfach Aus<lru»k gefun- ■ieu ItaU-n.

l i iirtul. de lV»gl. cathinl. de(irenoble. etl. Marion ^('oll. d. dotinn iinVi.» j*ubA. \ Wll.'p. «»T». Fj»liri*«t. illudetiam inserere iu.'*HimUf* ut, f*i aliiiuis nostn» fa«*!«» rtfratrator in aliqu«» n*j)» rtu* fuerit. m«»\ fienam quam lex Theodosii praeiipit, id ej*t \\.\ libra* auri, esse mnltanduni.

S<»llte, wa*» denkbar ij*t, die lex Theo^iosii das Breviar iK^leuteu, >«» würde eine uinuiitel- l«n* Entlehnung au** <lem (VkIcx ausgtfii'bloiisen sein. l>ie Erwähuun«: dt> Breviars wärt- dann daiiiit zu erklaren. da>s Konig Ludwig bez. die Kanzlei eine herkömmliche Thrase auf Ktvh- T ut.): •!«•* im frankb«clien Reiche verbreiteten Gesetzburli- n»mis<'htii Hei'his setzt« ii.

38 Zweiter Abschnitt.

Mittelalters im Gebiete des alten Burgund des Justinianischen Rechts bediente, wird dann dieser Sachverhalt doch auch gewähren. Am zwingendsten dtirfte sein der Um- stand, dass die Gaudenzische Sammlung, welche nicht allein Justinianisches Recht benutzt, sondern augenscheinlich in einem Lande entstanden ist, in welchem das Gesetz Justinians als lex Romana galt, den ehedem ostgothischen. Gebieten der Provence anzugehören scheint (vgl. 21. Kapitel). Die Geschichte Burgunds bietet hierfür freilich keine Erklärung. J^ange vor Justinians Regierung wurde das burgundische Land selbständig, und noch bevor das Justinianische Gesetzgebungswerk in Italien zur Einführung kam, nämlich im Jahre 532, also selbst noch vor Vollendung desselben und zur Zeit, da Italien den Ostgothen unterworfen war, ging die Herrschaft über das burgundische . Reich auf die fränkischen Könige über. Von dem Augenblick an, in welchem sich das Schicksal Burgunds mit demjenigen des fränkischen Reichs verflicht, erwartet man die Reception des ßreviars *). Eher wird es um der an Italien grenzenden geographischen Lage Burgunds willen begreiflich er- scheinen, wenn das römische Recht auch in der Gestalt der lex Romana des ita- lienischen Nachbarlandes Eingang fand. Diese Benutzung des Justinianischen Rechts kann jedoch keine ausschliessliche gewesen sein. Die ältere, burgundisch-römische Sammlung, der Papian, konnte er auch wegen seiner Dürftigkeit, vor allem auch in kirchenrechtlicher Hinsicht, das Eindringen einer anderen lex . Romana nicht verhindern, blieb doch auch, nachdem Burgund dem fränkischen Reiche einverleibt war, in Geltung, wie dies vor allem die noch bis ins 10. Jahrhundert hinein- reichende handschriftliche Ueberlieferung des vollständigen Papian bezeugt. Wenn wiederum Papian und die lex Burgundionum in mehreren Handschriften neben dem Breviar auftreten '^), so beweist dieses, dass auch das Breviar Eingang fand, dessen Geltungsgebiet, von Italien abgesehen, nach allen Seiten das alte Burgund um- schloss'^). So enthält ja auch die Gaudenzische Sammlung neben dem Justinia- nischen Recht zugleich westgothisch-römisches Recht. Wie wir uns das Verhältnis der westgothisch- römischen und der byzantinisch- römischen Kodifikation zu ein- ander vorzustellen haben ^), Verschiedenheit des Geltungsgebietes, friedliches Nebeneinanderbestehen und als Folge dessen Unsicherheit in der Rechtsanwenduug, Kampf um die Herrschaft, aus welchem schliesslich, obschon erst nach langem Ringen, das Justinianische Recht als Sieger hervorging, das ist eine offene Frage. ^*jui?ani°** 3. Ich erwähnte oben bereits, dass Julians Epitome ein günstigeres Schicksal

1) Dass die ProveDce, und zum grossen Teil das alte Burgund, im iK Jahrhundert mit Italien zum Lotharischen Reiche und vom Jahre 870 ab nach dem Vertrage von Mersen bis zur (iründung des cisjuranischeu Reiches i. J. 879 bez. des transjuranischen i. J. 888 zum König- reich Italien gehörte, kann nichts erklären.

2) Vgl. ed. Bluhme, MG LL III. 581—580 Es geht somit Savigny II. ;3G zu weit, wenn er den Papian gleich nach der Einverleibung seine' Geltung verlieren lässt. Richtig iStobbe I. 118, ßrimner I. 357.

3) Kaum beweisend für die Ueltung des Breviars in Burgund sind die Urkunden bei Savigny II. 115 117. Lediglich das Placitum von Monosque a. 984, bei Savigny II. 117, enthält einen Text aus dem Breviar. Die Stelle ist indes aus einem vor derselben Person, dem Grafen Wilhelm von Provence, abgehaltenen älteren Placitum von Arles a. 9(>8 (vgl. Sa- vigny II 111) herübergenommen.

4) Und des Papians. Brunner, I. 357, meint, dass dieses Kechtsbuch neben der 1. R. W. eine Stellung einnahm, wie früher neben den reinen (Quellen des römischen Rechts.

4. Kapitel. Frankreich. 39

beschieden war als der Kodifikation Justinians in ihrer Reinheit. Julian begeg- net, freilich sehr spärlich, in Handschriften des früheren Mittelalters, welche in Frankreich oder wenigstens auf dem Boden des fränkischen Reichs geschrieben sind ^^). Auch fehlt es ja auf fränkischem Boden durchaus nicht an Bezugnahmen seitens des Klerus, bei Hinkmar von Rheims und in den Konzilien von Douci v. J. 871 (vgl. S. 22, 23), von Trosl6 v. J. 909 und von Rheims v. J. 991, sodann in juristi- schen Schriften, den Sammlungen des Benedikt v. Levita, des Regino, des Abbo von Fleury, des Burchard von Worms, des Cod. Philipps. 1741 und S. German. 3G6, der Kanonensammlung in 12 Büchern, vielleicht auch in den Kapitularien (vgl. S. 4)**). Bei näherer Betrachtung stellt sich dann freilich heraus, dass eine unmittel- bare Entlehnung aus Julian in der Mehrzahl der Fälle entweder ausgeschlossen oder wenig wahrscheinlich ist^). Allein für Hinkmars sich übrigens fast nur auf Ent- lehnungen aus Const. CXV beschränkende Allegationen aus Julian lässt sich die Ver- mutung nicht aufstellen, dass eine Zwischenquelle benutzt ist '\). Sämmtliche

1) Es siad zwei Handschriften: Cod. Par. 4418, 8. X, welcher ein wahres legum anti- quaniin corpuH auKser Volksrechten, wie sie auf dem Boden des fränkischen Reichs galten, die Epit. Aegid. und den Julian enthält, und Cod. T^tin., welcher, obschon nicht ursprünglich, auch die lex -Curiensis umfassend, dem Geltungsgebiete dieses letzteren Gesetzes sowie den Schriftzügen nach gleichfalls dem fränkischen Reiche anzugehören scheint: vgl. bezüglich der erste- ren Handschrift Haenel .lul. p. IJl sub N. 3 und 1. K. V. p. LXXVl sub N. 49, bezüglich der zweiten Jul. p. VIII sub N. 7, 1. R V. p. LXXXIII sub N. (>;> und Sachs. Sitz.-Ber. ia')2, 72. Zeumer Z. d. S. Stift. (1. A. VIH. D. Nicht liierher gehören die innovationes leguni novel- lanim divi memoriae Justiiiianae de online ecclesiastico in der Handschrift N. VA bei Hae- nel, 1. R V. p. LXXXIII, und das volumen in quo continentur innovationes legum nonnul- larum im Kataloge von Cluui (XII. S) bei Delisle, Cabin. d. Manuscr. II. 0 sub N. 449: es sind die«, so scheint es, die Kanonen der trullanischen Synode unter .Tustinian II.

2) In den uns erhaltenen Bil)liothekskatalogen scheint auf fränkischem Boden Julian nach- weisbar zu sein, Becker sub N. jf), 20, in Corbie S. XI als Codex pragmaticum Tiberii Augusti. (Delisle. a, d. Not. 1 a O. II. 4.'{7 Not. 2. vermutet ein Exemplar des Julian, weil dni. Paris. A7y(')S [vgl. Haenel Jul. p. II] den Julian bez. den diesem Rechtsbuch vorangehenden Api^endix ebenso beginnt, und möchte beide Handschriften für identisch halten). Vielleicht ist auch die constitutio legis Justiniari Imperatoris in den Katalogen von Kloster I^)r8ch S. X, Bekker sub N. .'{7, AX) u. i>s, 140, die Epitome (vgl. z. J5. Wi Hinkmar Not..'), während Fitting, Zeitwhrift VII. ss, in dieser Handschrift ein einzelnes Gesetz Justinians vermutet.

.'{) Die Annahme Savignys, II. lijo u. IUI, dass sich in den fränkischen Formelsamm- hingen Ik^zugnahme auf Julian nachweisen lässt, trifft nicht zu. Dass die Verwendung des AuMlruckes ingenuitas für den Stand der Freigelassenen keine Einwirkung des Novellenrechts er\\«'i8t, ist heute allgemein anerkannt: vgl. z. B. Stobbe 1. 250 Not. 21^ 2r)2 Not. 41; schon <iie Int zu Br.C. Th. S, 1 versteht unter ingenuus den über homo im Gegensatz zu ser\'U8 und colonus, die Explan, des 1. Titels von Gai Fpit. (ed. Haenel, 1. R. V. p. 11) abiT nennt geradezu den Freigehiss*»nen als<^>. ( iegen die Zurückfuhrung des in App. l dercartt. Senonicc. in e<l. ZeunuT Formnil. p. L*'!^ {\m Savijrny II. KJoNot. a als App. Marculf. .V2 bezeichnet) enthaltenen Satzes, dass nach h'x und consuetu«l<> dem Vater frei.<tehe, seinen natürlichen Kindern das ganze Ver- mögen zu hinlerlas.«ieM, auf Julian. ('<mst. lAXXIl c. 12 vgl. Zeumer a. a. O. p. IKi, 2<is Not. 1. I>aK«* in den l'rkunden Ludwig d. Frommen zu (iunsten des Klosters Aniane v. J. SHi und ^l't auf Julian lk»zug ^renonnnen wird, wie Savigny II. 114 u. Not e aiuiinmit, niÖ4-hte auch nicht ganz sieher sein.

Rejrino geht auf Ansegis zurück: weder Bene<likt 1^'vita n<K'h Abbo oder Burchard >. ^Vo^nl^ s<'heinen aus er.^t«^ Hand zu schöpfen I)as Konzil v<>n Rheims (vgl. S. 2») N<>1. 1), vi<-llei<'ht alKT auch das von TrosI»' (vgl. S. 2«»), entlehnen aus llinknuir (vgl. z. B < >pp. I. 711»).

.'►) Hinknnir citiert clen Julian verschie<lenartig. bald als leges Ronuuuie a Justiniano ini|.«'rat«»re pronndgatar <<>pp 11. n<'>. n\> <on>titutio Justiniani (a. a. ( ). II. r>s;). als le\

40 Zweiter Abschnitt.

Stellen sind kirchenrechtlichen Inhalts; die Möglichkeit, dass auch Hinkmar aus einer für den Klerus bestimmten Sammlung geschöpft hat, wird man nicht aus- schliessen dürfen S^). Der Eindruck, welchen man aus allen diesen Daten empfängt, ist zweifellos der, dass in Frankreich Julians Epitome nur eine geringe Beach- tung gefunden hat. Man geht dann vielleicht nicht fehl, wenn man sie auf den kirchenrechtlichen Inhalt beschränkt sein lässt: denn sämmtliche Entlehnungen aus Julian tragen diesen Charakter; es mag einer Untersuchung in anderem Zusammenhange (37. Kapitel) vorbehalten bleiben zu ermitteln, welchen Charakter die Benutzung der kirchenrechtlichen Partien des Julian getragen hat.

An dieser Annahme spärlichen und beschränkten Gebrauchs der Epitome könnte dann freilich eine bekannte Thatsache irre machen. Johannes Cluniacensis, Biograph und Schüler des Odo von Clugny (879—943), des Stifters des Cluniacenser- ordens, lässt in dem Heiligenleben des Odo diesen von seinem Vater, Abbo, er- zählen, er habe ausser den historiae veterum auch Justinians Novelle auswendig ge- konnt ^). Wäre diese Thatsache richtig, so wird man den Umstand, dass ein angesehener Rechtskundiger am Hofe des Grafen von Poitiers, wie dies Abbo war *), eine derartige Bekanntschaft mit der Epitome besass, wie sie im früheren Mittelalter mit Bezug auf die Bibel berichtet wird und dann auch glaublich erscheint % nicht einer rein persönlichen Verirrung auf Rechnung setzen dürfen, sondern als ein Symptom der Bedeutung des Rechtsbuchs im fränkischen Rechtsleben zu betrachten haben. Indes wir können doch wohl sicher sein, dass obschon Johannes diese Äusserung dem Sohne in den Mund legt, Abbo die Novelle Justinians nicht auswendig konnte. Abbo wird nicht versucht und vollbracht haben, was weder vor ihm noch nach ihm ein Mensch versuchte und vollbrachte. Ich vermute, dass dem Johannes nichts weiter als die Kunde von der genauen Bekanntschaft Abbos mit den Ge- set5?en vorlag, was dann der Mönch, sein Biograph, aus Unbeholfenheit oder Be- fangenheit in seinem Vorstellungsbereiche, zu einem Auswendiglernen umgestaltete. Nun ist der Biograph ein Italiener, aus Salerno, und vor seinem Eintritt in Clugny Geistlicher in Rom gewesen^). Dem Italiener ist Justinians Recht natürlich das Recht, und da er die Kirchengeschichte des römischen Bibliothecarius Anastasius kennen musste, mochte ihm, wie diesem (vgl. 11. Kapitel), das Justinianische Recht in der novella Justiniani aufgehen ^). Bei dieser, wie mir scheint, nicht gezwungenen

JustiDiani (a. a. O. II. 787, 7Ü9), als Über coustitutionum (a. a. O. II. 710), auch wohl einfach als lex (a. a. O. I. 718, 719; II. 440, 509), und entweder ohne weitere Angabe oder mit der fortlaufenden Kapitel ziö'er, zuweilen überdies mit der Konstitutionenzitter.

1) In der 1. R. can. compta finden sich sämmtliche bei Hinkmar allegierten Texte wieder. Schrörs, a. d. S. 23 Not. 7 a. O. S. 414 (Not. 122 zu S. 413), scheint es freilich für zweifellos zu halten, dass Hinkmar den Julian im Original vor sich hatte.

2) Ob die Kapitularien, wenn diese in der That Stellen aus Julian enthalten, direkt oder indirekt aus Julian schöpfen, lässt sich nicht feststellen.

3) Veterum namque historias, Justiniani Novcllam memoriter tenebat, nach ed. vit Odon. (Mabill. AA SS ord. S. Bened. [ed. Paris. Hi85] VII. 152); vgl. dazu Savigny U. 124.

4) Vgl. Wattenbach «I. 301 Not. 4.

5) Vgl. Wattenbach Schriftwes. S. 1U2.

6) Vgl. Chevalier Rupert, d. sourc. bist. p. 1181, 1233.

7) Seinem Meister und Lehrer Odo können wir Kenntnis der Hist. trip. des Anastasius, welche die bezügliche Stelle von der novella Justiniani enthält, nachweisen: vgl. Odonis tres libri colhitt. (Bibl. Patr. max. [Lugd 1677J XVi I. 272 sqq.) 3, 23. Die dem Odo in den Mund gelegte

4. Kapitel. Frankreich. 41

Auslegung kann der Bericht des Johannes zu Schlüssen gegen unsere obige An- nahme nicht benutzt werden.

4. Nicht die Justinianische Kodifikation, das Breviar herrscht in Frankreich, t ?®"^ Was den Ausgangspunkt dieser Herrschaft anlangt, so lässt sie sich nur zu einem Breviars Teil auf die Einfilhrung des Gesetzbuchs durch König Alarich 11 zurückführen. Es gilt dieses nämlich lediglich von Aquitanien und von Novempopulana (Vasconia), welche zur Zeit der Promulgation des Breviars im Jahre 506 bis zu ihrem Uebergang in fränkische Herrschaft, des einen in den Jahren 507 bis 510» des anderen i. J. 567, zum westgothischen Reiche gehörten ^). Was die Provence anlangt, so kommt in Be- tracht, dass zur Zeit der Promulgation des Breviars die Landschaft dem Reiche der Burgunder angehörte, deren Herrschaft kurze Zeit darauf, in den Jahren 510 und 523, der ostgothischen Platz machte. Dass die ostgothische Herrschaft die Ein- führung des ostgothischen Edikts zur Folge hatte, ist nicht allein an und für sich wahrscheinlich'^), sondern lässt sich auch insbesondere daraus schliessen, dass die anscheinend der Provence angehörige Sammlung römisch-germanischen Rechts, die Gaudenzische Sammlung, ostgothisches Recht überliefert. Mochten so der burgun- dische Papian und das Edikt nebeneinander gelten, so konnten diese Gesetze doch nicht genügen, um die bisherigen Quellen römischen Ursprungs, Konstitutio- nensammlungen und Juristenschriften, auszuschliessen, wie sie dies auch nicht be- absichtigten. Ingleichen müssen im übrigen Burgund, als im Jahre 532 das Land im fränkischen Reiche aufging, neben dem Papian diese alten Quellen ge- golten haben. In dem von Chlodovech i. J. 486 gewonnenen Gebiete des Syagrius herrschten dieselben ausschliesslich. Es darf schon hier als ein höchst wahrschein- licher Sachverhalt angenommen werden , dass diese Rechtsquellen im wesent- lichen und in erster Linie die im Breviar ausgezogenen und kommentierten iSammlungen von Konstitutionen und Juristenschriften gewesen sind. Um zur Geltung zu gelangen, musste überall das Breviar diese alten Rechtsquellen zur Seite drängen; denn vertrugen sie sich wohl neben dem Papian und dem ost- gothischen Edikt, so konnten sie bei dem zwischen ihnen und dem Breviar be- stehenden Verhältnis des Mehr und Weniger, des einfachen und kommentierten Textes nicht lange neben einander bestehen, ohne dass sie das Breviar aufsaugten oder ihrerseits vom Breviar aufgesaugt wurden. Dass sich dieser letztere Prozess vollzogen hat, kann in einer Periode fortschreitenden Niederganges nur natürlich erscheinen. Wie rasch es geschah, beweist am besten der Umstand, dass schon im Jahre 567 die Väter des Konzils von Tours auf die Interpretation sich bezogen (vgl. S. 7). Wenn sie ihnen indes noch als die explanatio der sacra sententia leguni erscheint, während das Concilium Nannetense v. J. 658 dieselbe als die lex selbst be- zeichnet (vgl. S. 13 Not. 1), so mag man dies auf Rechnung des Fortschrittes setzen, welcher sich innerhalb dieser neunzig Jahre im Rezeptionspruzess vollzogen hat. Das Ergebnis ist dann, dass das Recht des Breviars im ganzen Gebiete? des ehe- maligen weströmischen Reichs durchdringt, ausser in Tours \ und Nantes, wovon

Au^^eruIlg könnte uutlientiK^h «ein und auf das Bee»tn'lx*n zurückgi'hen, s^ich dem ilalieniHi'hen Zöplinjj verständlicli zu niucheu.

li Spuren des Ureviarn finden nieh dann auch hehon früh, niiuilieh in den Forniula«' AnernenK's

■J) K?» wini v(ni lirunner I, .'»«»7 als sieher an^'nonnnrn.

\j Hierliin Lfehuren auch die Fnrnnilae TunMienHes.

42 Zweitor Abschnitt.

soeben die Kode war, in La Mans ^), Angers 2), Meaux^), liheinis *), Trier -^j und selbst in der Normandie *•)• Nicht minder in dem Gebiete des ehemals burgundi- schen Reiches (vgl. S. 38); der Papian kommt dabei ausser Gebrauch: in dem Umstände, dass er zuerst vollständig, später in p]xcerpten an das Breviar ange- reiht und nach dem 10. Jahrhundert nicht mehr abgeschrieben wird"), sprich sich dieser Sachverhalt in unmisvorständlicher Weise aus. Was schliesslich Septimanien anlangt, so ging dieses Land erst in der Mitte des 8. Jahrhunderts aus westgothischem Besitz in die fränkische Herrschaft über; lange Zeit zuvor war durch Keckesuinth das Gesetzbuch römischen Rechtes aufgehoben worden (vgl. S. 33). Hier dürfte das Breviar, dessen Geltung sich in einigen Anwendungen nach- weisen lässt®), erst nach der Einverleibung Eingang gefunden haben ^). Auf die Herrschaft des Breviars in Churrhätien komme ich anlässlich der lex Romana Curiensis eingehend zurück (vgl. 21. Kapitel).

In der That ist es eine Herrschaft, welche das Breviar im fränkischen Reiche führt; daran ist nicht zu zweifeln. Die alten Konstitutionensammlungen und die alte Jurisprudenz sind bis auf wenige Reste verschwunden oder wenigstens ver- schollen (vgl. 9., 10. Kapitel). Sehr gross muss in Frankreich die handschriftliche Ueberlieferung des Breviars gewesen sein; denn überaus reich ist auch heute noch die Zahl der Handschriften des Breviars ^^), und diese Manuskripte sind regelmässig ent- weder nachweisbar in Frankreich bez. im fränkischen Reich geschrieben^^) oder lassen dies wenigstens vermuten, indem das Breviar neben den auf fränkischem Boden gelten- den Volksrechten, Formelsammlungen und Kapitularien erscheint ^^^ Auch aus den

1) Vgl. Savigny II. 120.

2) Vgl. SavigDv II. 120. Hierhin gehören auch die Fonnulae Andecavensos. ;]) Vgl. Savign'y IL 118, 119.

4) Bei Hinkmar von Rheims (vgl. 8. 23). 5) Bei Regino.

()) Vgl. Viollet Pr<5cis de l'hist. d. droit frany. p. G88, G84 und schon vorher Caillemer le droit civ. dans les prov. auglo-norm. prov. p. 5, (i.

7) Vgl. die von Merkel verfasste Übersicht der Handschriften bei Savigny VII. 30 fl. und übereinstimmend Bluhme in seiner ed.. MG LL III. 581 sqq.

5) Vgl. Savigny II. 113, 114.

9) Es ist kontrovers und eine sichere Entscheidung lässt sich, wie es scheint, nicht ge- winnen: vgl. Savigny II. 115, Brunner I. 300 Not. 7.

10) Vgl. die Aufzählung der gegenwärtig vorhandenen Handschriften bei Haenel, 1. 11. V. p. XLI— XC^V, mit den unvollständigen und den sog. Epitomes ()7 (diejenigen inbegriffen *in quibus exigua Breviarii pars inest' 70). Es kommen hinzu: 1) vom Breviar selbst die von Beer entdeckte Handschrift: vgl. Z. d. S. Stift. G. A. VIII. 201 u. 202, IX. 252; 2) von der Epit. Aegid. der Codex, in welchem sich die Gaudenzische Sammlung befindet (vgl. 21. Kapitel); Cod. Vatic. Reg. S52 *S. X (vgl. Zeumer in seiner ed. Formull. p. 132^ (fol. 7a— fol. 91Ms Rubriken bis fol. 17b, die auctoritas Alarici fol. 18a -19a, C. Th. 1, 4, 1 ist Int.); Cod. Paris. Lat. nouv. acqu. 204 * S. X/XI (vgl. K.I^hmann X. Arch. XII. 579) (fol 78a— 94 v , fol. 78 a auctoritas Alarici, reicht bis C. Th. 8, 10 acquiritur; auf dem Bruchstückweise erhaltenen, fol. 95a b Reste aus C.Th. 13 u. Ki, 1); der Cod. Lugd.-Bat. 91 * S. X : vgl. Zeitschrift I. Schlussblatt. 3) Auch versprengter Text findet sich: z. B. Cod. Paris. :{^^1 S. X (Fol. 150ab Theodosium liber Villi capp. XXXI III mit Ruhr. = Br. C. Th. 9, 34, 1); Cod. Bern 314 *(Fol. 8Sb, Zusatz spätererlland. S.XI [?],ex libris teodosiiimperatorislibroXI»no = Br.C Th. 11,1 1.3;; Cod. Vindob. 406 (Jur. civ. 04) = Br. C. Th. 4, 7, 1 Int.

11) Nach Haeuel, 1. R. V. p. XCIX, ist die Handschrift der Kathedralkirche von Tvrea (S. IX— X, Handschriften? X. 11 u. Ki) von Alters in Italien gewesen. Das Nähere er- giebt der Katalog der Handschriften a. a. (). p. XLl sqc^.

12) Es ist letzteres bei sehr vielen <ler Fall, von den Handschriften in der Aufzählung bei

4. Kapitel. Frankreich. 43

uns ertialtenen Bibliothekskatalogen der früheren Jahrhunderte des Mittelalters er- halten wir den Eindruck, dass die Handschriften des Kechtsbuchs auf fränkischem Boden sehr verbreitet waren ^). Und diese Handschriften gehören allen Jahrhun- derten dieses Zeitraumes an^). Dabei ist die Zahl derjenigen Manuskripte, welche nachweisbar schon im früheren Mittelalter durch Ueberschreibung oder sonst un- brauchbar gemacht worden sind, eine ganz geringe ^). Es ist femer, worauf ich an anderer Stelle zurückkomme (13., 19., 22. Kapitel), in Frankreich das Kechts- buch Gegenstand einer reichen erweiternden, paraphrasierenden , epitomieren- den, summierenden, glossierenden, tischenden und sonstigen Bearbeitung geworden. Der Bezugnahmen in Gesetzen, in Aeusserungen des Klerus (vgl. 2. Kapitel) und Urkunden aus dem Kechtsverkehr 4), der Entlehnungen von Texten in juristischen Schriften^) giebt es eine verhältnismässig grosse Zahl. Zweifellos bestand diese Herrschaft des Breviars zu allernächst darin, dass es für die römische Bevölkerung des fränkischen Kelchs die lex Bomana war, in welcher Eigenschaft dasselbe im südlichen Gallien beinahe den Charakter eines Territorialrechts annehmen konnte^). Des Weiteren beginnt es schon früh, wie in der lex Salica und der

Haenel, 1. R. V. p. XLI sciq., m NN. 4, 0, 7, 8, 10, 17b, 21, 2:], 24, 27, 32, 34, 30, 38, 40, 42, 43, 45, 48, 51, 54—57, (50—63, 73, 75, 76; vgl. auch a. a. O. p. XCI.

1) Es iiodet sich an den folgenden Stellen, wobei, wegen der Unbestimmtheit der Angabc, hier und da Zweifel berechtigt sind, ob wir es in der That mit dem Breviar zu thun haben. 1) In einer unbekannten Bibliothek, zu welcher der der Konziliensammlung Coli. Hamil- ton N. 132 (435) S. VIII/IX angefugte und von Karolingischer Hand geschriebene Katalog gebort, als über legis Bomanae, Über legis Theodosiae, über Theodosii (N. Arch. VIII. 335, Uinschius in Z. f. Kircheng. VI. 217). 2) Im 9. Jahrhundert: in der an juristischen Werken reichen Bibliothek von Reichenau, nach Katalogen v. J. 822 u. 842, lex Theodosiana de diversis Konianorum legibus (dazu Volksrechte und Kapitularien) cod. I. (a. 822) und lex Theodosiana (a 842), Becker sub N. 6, 142 u. N. 10, 17; in St. Riquier nach einem Katalog v. J. 831, lex Romana, Becker sub N. 11, 200; aus dem coenobium S. Galli, dessen Katalog eine eigene Abteilung de legibus enthält. Lex theodosiana. Lex ermogeniana. Lex Papiani. Lex franconmi. Lex alanian- Dorum in volumine I., Becker sub N. 22, 3(J8 (item institutiones imperatorum Romanorum vol. I., Tgl. a. a. O. 312, denen vorausgehen capitula que legibus addenda sunt. volu. I., nach Fitting Zeitschrift VII. 89 die Institutionen, was nicht wahrscheinlich ist; eher ist es der Codex). 3) Im 11. Jahrhundert in Corbie lex Romana ab Alarico rege abbreviata, libri veterum sedecim. libri Novellarum sex Theodosii I, Valentiniani I. Martiani I, Becker sub N. 55, 0—11; in Toul vor dem Jahre 1(JH4, Becker sub N. 68, 47, Aug. de mirabilibus mundi cum legibus Theodosii et glossis prologorum. vol. I., und zu Massay tres libri de legibus Theodosii, De- lisle Cabin. d. Manuscr. II 442 sub N. 6<3.

2) Ich kann in dieser Hinsicht auf Haenel, I. R. V. p. XLI sqq.. Bezug nehmen.

3) Soweit ich sehe, nur Cod. S. Germ. 1278, N. 3 bei Haenel, 1. R. V. p. XLIII— XLIV. Hingegen ist in Codd. N. 46, 66 bei Haenel, 1. R. V. p. LXXV u. LXXXI V. da« Breviar einem alten Text übergeschrieben.

4) Vgl. Savigny II. HXi ff.

5) Ik?nedict I^evita, Angilramu, IN. Inidor. die Sammlung von 4(N) Kapiteln, Regino. Abbo. Burchard v. Worni.«*. Odoramnus, die Sammlung des Cod. Philippe. 1741 und S. Cierm. 3<>i.

6) Im Edict. Pistense (c. KI) Karls dos Kahlen v. J. s<»4, MG LL I. 4Ü1 , winl l)erdt.H die terra in qua iudicia 8e(*un<hini legem Rouuiuam terminantur und die terra in (]ua iudicia eecundum legem Romanani mm terminantur unterschieden (vgl. auch c. 23, 13, 1), wobei ge- w\m an den Gegennatz den südlichen und nördlichen Cialliens gedacht werden muss: vgl. Betbmann-Hollweg V. 7.'» u. Not. <>s. Dansellx* Ivlikt hält im Prinzip an dem System clor Personalitat der Rechte fe^t (vgl, c. 34).

Grosse.

44 Zweiter Abschnitt.

praeceptio Chlotars (vgl. S. 2 Note 4), auf die fränkische Gesetzgebung Einfluss zu üben. Inwiefern schliesslich das Breviar auch zum Gegenstand des Unterrichts und der Lehre in der Schule geworden ist, will ich nicht minder einer besonderen Ünter3uchung vorbehalten, wie die Erörterung der Frage, welche Bedeutung das- selbe im fränkischen Reiche für die Kirche hatte (vgl. 34— -37. Kapitel). 5 J^ar] der 5. Zu Verschiedenen Malen wird die Person des grossen Kaisers und Gesetz-

gebers des Mittelalters, Karls des Grossen, mit dem Breviar in Verbindung gesetzt. Zum Teil war davon in der Literatur bereits die Rede. Man weiss ^), dass Cujaz aus einer unbekannten Handschrift des Breviars, als der Re- kognitionsklausel der Auctoritas sich anschliessend, die folgenden Worte über- liefert: et iterum anno XX., regnante Karolo, rege Francorum et Langobardo- rum, et patricio Romanorum 2). In dem Auszug der Epitome Aegidii des Cod. Ambros. A. 46 inf. findet sich an der Spitze der Schrift als Randglosse die Notiz: haec capitula a Karolo primo et Pipino filio eius inter leges Francorum recepta et posita sunt (vgl. 19. Kapitel). Eine Klausel, welche das Schlussstück eines verlorenen Kapitulars zu sein scheint, lautet: Karolus Serenissimus Imperator augustus, a Deo coronatus, maguus et pacificus, cum episcopis, abbatibus, comitibus, ducibus omnibusque fidelibus christianae ecclesiae cum consensu consilioque con- stituit ex lege Salica^ Romana atque Gombata capitula ista in palatio Aquis, ut unusquisque fidelis iustitias ita faceret: qui et ipse manu propria firmavit capitula ista, ut omnes fideles manu roborare studuissent. 3). Diese letzte Klausel scheint füglich kaum eine bessere Auslegung zu vertragen als die, dass Kaiser Karl in Gegenwart von Bischöfen Äbten Grafen Herzogen und aller Gläubigen der christlichen Kirche auf einem Reichstage zu Aachen die in jenem Kapitular zuvor genannten Kapitel aus der lex Salica, der lex Romana und dem burgundischen Gesetze zur Nachachtung festsetzte. Hält man mit ihr zusammen, dass nach dem Berichte der Lorscher Annalen ad a. 802 Karl in Aachen Herzöge, Grafen und das übrige christliche Volk vereinigte, um den im fränkischen Reiche geltenden Gesetzen seine Fürsorge zuzuwenden, Gesetze zu verlesen und, wo es Not that, zu verbessern sowie in der verbesserten Gestalt niederzuschreiben^), so wird man sich von einer leisen Vermutung nicht frei machen können,

1) Vgl. Savigny IL 164-160. Haenel 1. R. V. p. XXU, XXIII.

2) Vgl. Haenel 1. R V. p. 4.

3) Ed. Boretiiis p. 170. In den Handschriften stehen diese Worte an der Spitze eines Kapitulars in Mitten von Kapitularien Ludwig des Frommen. Schon danach werden die Worte als Überschrift verdächtig. Das Kapitular hat überdies zum salischen, römischen und burgundischen Rechte keinerlei Beziehung; diese aber müsste man nach den citicrten Worten erwarten: denn mit Boretius a. a. O. die Erwähnung der lex Salica Romana und Gombata dahin zu verstehen, dass das Kapitular nur für das Greltungsgebiet dieser leges, d. i. für den westlichen Teil des Frankenreichs gelten sollte, geht doch nicht an. Es lässt femer die An- kündigung der Subskription in den citierten Worten vermuten, dass man es nicht sowohl mit einem Protokoll, als vielmehr mit einem EschatokoU zu thun habe; vgl. Brunner I. 379 Not. 17. Auf Grund der letzten beiden Momente, sowie um deswillen, sveil sein Inhalt zn einem Capit. legibus add. nicht passe, kommt Brunner a. a. O. zu dem Resultate, welches im Texte auf- genommen ist.

4) Congregavit duces, comites et reliquo christiano populo cum legislatoribus et fecit omnes leges in regno suo legi et tradi unicuique homini legem suam et emendare, ubicumque necesse fiiit, et emendatam legem scribere, et ut iudices per scriptum iudicassent et munera non accepissent, sed omnes homines, pauperes et divites, in regno suo iustitiam habuissent.

4. Kapitel. Frankreich. 45

(iass jene auf einem Aachener Reichstag in Bezug genommen Kapitel aus der lex Ro- mana ein zu Aachen i. J. 802 verlesenes und anerkanntes Breviar waren. Diese Vermu- tung wird verstärkt durch die soeben erwähnte Notiz des Ambrosianischen Auszugs, welche die capitula des Breviars durch Karl und Pippin unter die leges der Franken aufgenommen werden lässt, sowie jenen Zusatz des Cujaz in der Rekognitionsklausel; freilich besagt unmittelbar jene Klausel lediglich, dass, nachdem die erste Rekog- nition der Authentizität von Exemplaren des Breviars durch Anianus, den damit beauftragten Referendarius des Königs, stattgefunden hat, unter Karl eine erneute R^kognition sich zutrugt); aber wozu eine Rekognition, wenn ihr nicht eine gesetz- liche Anerkennung und Aufnahme vorausgingt)-

6. Wenn oben von der Herrschaft des Breviars gesprochen worden ist, so darf J^tionTip^ man doch nicht übersehen, dass die sogenannten epitomierenden Bearbeitungen, in „„^q^j^; erster Linie die Epitome Aegidii, welche eine nicht unbedeutende Überlieferung und Benutzung aufweist, dem Gebrauche des Breviars selbst nicht geringen Ab- bruch gethan haben. Oder richtiger: der Interpretation dieses Rechtsbuchs; denn wie sie selbst überwiegend Bearbeitung dieses Teils der Kodifikation sind

MG 8S I. .33. Die Worte *et tradi unicuique homini legem siiam' sind obeo nicht wieder- gegeben: ich nehme sie in dem Sinne, dass einem jeden sein Volksrecht garantiert wurde. Über die Auffassung der Stelle gehen übrigens die Meinungen sehr auseinander: vgl. z. B. Stobbe I. 20 fr., Jahrb. d. Frank. Reichs u. Karl d. Gross. (Simson) II. 278 f\\

1) Auch versetzt sie dieses Ereignis in das 20. Regierungsjahr des Kaisers, was unter keinen Umständen auf das Jahr 802 fiihrt. Denn obschon man die Regienmg Karls im fränki- schen Reich, wie in Italien, von verschiedenen Zeitpunkten an datierte, so fallt doch der Ab- lauf einer zwanzigjährigen Frist allemal noch ins 8. Jahrhundert : vgl. z. B. Brinckmeier Histor. Chronol. S. 272. Doch wird man bei der bekannten Unsicherheit der Ueberlieferung in diesem Punkte aus der Abweichung in der Zahl kein Gegenargument schöpfen können.

2) liCdiglich auf die Abfassungszeit der Handschrift bezieht sich die Notiz zum Schluss des Cod. Paris. 4415*: facta hec autem lex' sub die sabbato in mense decemb. anno XV regoante Karlo rege; vgl. auch ed. Haeuel. 1. R. V. p. LXVII. Wenn Savigny II. KU— 160, und danach St^)bbe I. 09, jene Rekognitionsklausel des Cujaz damit auf gleiche Linie stellt, so hat Haenel, I. R. V p. XXIII, dagegen schon Bedenken geäussert.

3) Bened I^vit. II. 281 (MG LL III, 21'») enthält folgenden Eingang: volumus &U\ue praecipimus, ut omnes nontrae ditioni nubiecti, tam Romani quam Franci, Alemanni (etcaet.) ceteri- que omnes nobis subiecti, c}uocumque videantur leges vinculo stricti vel consuetudinario connexi more, hanc sententiam, ({uam ex sextodecimo Theodosii imperatoris libro capitulo videlicet unde- cimo, ad interrogata Ablavii ducis, quam illis et omnibus i)er scripturam misimus, et inter Dostra capitula pro lege tenenda consultu omnium lidelium nontronim, posuimus, lege cuncti perpetua teneant; id est, und lässt dann Con«t. Sirmond. 1 folgen (ed. Haenel [Bonn. Corp. VI.) p. 44.'» si\(\.). Die Zuschreibung dieser Konstitution an T. 10, 11 des Codex Theodosianus erklärt Mch aus der Benutzung eines Ki. Buches, an welches die ersten Sinnondi.schen Konstitut tionen angehängt waren. Dieses jujgebliche Knpitular, welches <lie Coli. ean. des An- selm V. Lucca, der Schätzung von Benedikts Sanindung ent**prechend, den Kapitularien Karls (III. His in Kapitulariluis Karoli imjK*ratoribus, naehCo<l. 11.17S der Barberin. Bibl. in Rom*) und Gratian n<K-h ausdrücklicher Karl zuschreibt (Diet. ante C. XI <|U. 1 c. !{7: per Karobun renovata i^>gno<*cat. qui in suis capitularibuH ait) gilt ganz allgi*niein f[ir apokryph. Immer- hin liegt in der Tliatsache, «Iass man eine Fälschung dieser Art beging, sowie in der Auf- nahme zahlreicher Text<' des Breviar-^ Ih*z. des ächten (<Mlex Tbe<Klosianus 1km Benedikt ein Anzeichen für die im Texte ausgesprochene Vermutung: man glaubte den Text der romischen (iewtze fiir Kapitularien Karls ausgel>en zu können, weil Karls Kapitularien in <ler That sieh mit diesen Gesetzen bi*faÄ!*ten.

46 Zweiter Abschnitt.

und schon darum vermuten lassen, dass gerade die Interpretation im Vordergrunde der Benutzung stand, so findet die Annahme eine Bestätigung in dem Umstände, dass ein gut Teil der Handschriften lediglich diese wiedergiebt ^ und viele Bezug- nahmen auf das Breviar lediglich diese betreffen 2). Dabei ist es bemerkenswert, dass die den Epitomes entlehnten Texte in einer Weise benutzt werden, wie der Gesetzestext selbst vgl. 19 Kapitel. Auch stammt nachweislich ein Teil der Be- rufungen auf das Breviar nicht direkt aus der Quelle ''^).

Schliesslich will ich nicht verfehlen, auf das Schicksal der Epitome Gai hin- zuweisen. Im Vergleich zu den übrigen Teilen des Breviars finden wir von dieser nur ganz selten Gebrauch gemacht^). Man wird dann die Schlussfolgerung auf eine nur geringfügige Beschäftigung mit derselben nicht ablehnen dürfen.

viar

5. Kapitel. Italien.

1 Daf Bre- 1. Ist das Brcviar der Quellenkreis Frankreichs, so muss die Justinianische Ge-

setzgebung für denjenigen Italiens gelten. Die Einführung derselben erfolgte nach Unterwerfung Italiens durch Justinian selbst^). In den Briefen des Pabstes Pelagius I (555—560) (vgl. S. 6) begegnet uns dann bereits das Justinianische Recht in Anwendung. Hat nun in Italien, anders als in Frankreich, wo sich, wenn auch zu ungleichen Teilen, die lex Komana Justinians und diejenige der Westgothen in das Gebiet des Landes teilten, das Justinianischp Recht eine aus- schliessliche Herrschaft geführt? Diese Frage oder, mit anderen Worten, die Frage bezüglich der Geltung der westgothisch - römischen Kodifikation in Italien ist neuerdings wiederum aus Anlass der Untersuchung über die Entstehungsver- hältnisse der lex Romana Curiensis zur Erörterung gekommen^), erfordert jedoch eine davon losgelöste Betrachtung: denn, bei der besonderen Natur dieses sich vom Breviar weithin abhebenden Rechtsbuchs lässt sich im Falle italienischer Herkunft und Geltung desselben daraus, doch immer noch nicht auf Geltung und Gebrauch des westgothisch-röraischen Gesetzes in Italien schliessen, wie es andererseits, auch wenn die lex Romana Curiensis nicht nach Italien gehört, durchaus nicht an an- scheinenden Momenten für Gebrauch und Geltung des Breviars in Italien inner-

1) Vgl. Haenel 1. R. V. p. LIX sqq.

2) Am anschaulichsten ergebeo dieses die bezüglichen Register in Bd. 2.

3) Z. B. bei Burchard, Odoramnus.

4) Bei Savigny II. 503 und Haenel, 1. R. V. in den Noten ad ed. Gai. und p. 464 sqq., findet sich nur eine einzige sichere Allegation, nämlich Regino I. 427 = Gai. 4, 8. (Die Be- nutzung von Gai. 5, 1 in Form. Turon. [Sirmond ] I. 23 ist ganz unsicher). Hierzu kommt dann noch, dass die kanonische Sammhmg von 4(X) Kapiteln in c. 41 fa.st vollständig den Titel 4 wiedergiebt (vgl. Maassen I. 846, 972, wo die Stelle abgedruckt ist). Die Herkunft derselben ist richtig erkannt von v. Scherer, üb. d. Elier. b. Bened. Lev. u. Ps. Isid. (Festschr. 1879) S. 10 Not. 1.

5) Vgl. Näheres bei Bethmann - Hollweg V. 310, 311 und bezüglich der Novellen 10. bei Krüger Quellen S. 354.

6) Vgl. z. B. Schupfer, Atti della r. accad. d. Lincei di Roma, Classe di .scicuz. mor. , stör, et filol. Ser. 3. Vol. VII. 90, 91.

5. Kapitel. Italien. 47

halb der früheren Jahrhunderte des Mittelalters gebricht ^ 2). Denn soviel ist sicher: an Handschriften des Breviars hat es auf italienischem Boden nicht ganz gefehlt ^). Auch ist nachweisbar aus der Epitome Aegidii einzelnes in den Text des Codex Justinianus *) und des Papienser Rechtsbuchs ^) herübergenommen worden. Es scheint aber auch, dass sich die Geltung des Breviars in der Praxis nachweisen lässt^). Man darf sich diesen Thatbestand einer Benutzung und Geltung des Bre-

1) Nicht darüber hinaus, wie ja im 12. Jahrhundert die Summa Parisiensis bemerkt (vgl. S. 79 Not. 5), dass der Codex Theodosianus, d. h. das Breviar, sich nicht in der Lombardei be- findet Azos in der Glossatorenlitteratur alleinstehende Berufung auf Br. C. Th. 10, 5, 1 (vgl. Sa- vigny III. 505) mag man sich füglich damit erklären, dass dieser Schriftsteller in Frankreich gelehrt hat, was freilich nach Denifle, Gesch. d. Univ. i. Mittelalter I. 343, 344, wieder zweifelhaft ist. Irrig int die durch Savignys Register (II. 500—505) verschuldete Bemerkung in Epit. exact. reg. p. CLXXXVni, dass Gratian bei seinen Entlehnungen aus dem Breviar auf die Quelle zu- rückg^angen sei und bisher nicht excerpierte Texte daraus entlehnt habe.

2) Die herrschende Meinung bestreitet die Geltung des Breviars in Italien, von der lex Curiensis abgesehen, soweit diese für italienisch gilt: vgl. Haenel 1. R. V. p. XCIX, Savigny II. 270, Fitting Brach. S. 21, 22 u. die daselbst Not. 30 citierten; vgl. dagegen Bethmanu- Hollweg V. 288 Not. 37.

3) Es lasst sich das Folgende nachweisen. 1) In dem Katalog des Markgrafen Eberhard von Friaul v. J. 837, Becker sub N. 12, 8, findet sich ein Manuskript Librum de constitutioni- bus et edictis Imperatorum. Der erste Titel des Breviars lautet De constitutionibus prmcipum et edicti, und ich sehe nicht ab, wovon die Handschrift anders als von dieser Bubrik des Breviars, bez. einer Epitome desselben, also genannt sein wird; übereinstimmend Bethmann- Hollw^ V. '288 Not 37. Nach Bluhme, MG LL III. p. XLII, ist es der Cod. Goth. des Breviars, N. 7 bei Haenel 1. R. V. p. XLVI. VieUeicht gehört hierher auch die Handschrift des Katalogs von Bobbio S. X, Becker sub N. 32, 245, de institutis antiquorum regum. 2) Es finden sich heute noch Handschriften des Breviars, S. IX u. X, in der alten Kathedralbiblio- tfaek von Ivrea, N. 11 u. 16 bei Hänel 1. R. V. p. XCVI. Nach Scherrer, Verzeichn. d. Handschr. d. Stiftsbibl. v. St. Gallen S. 240, wäre auch Cod. 8. GaU. 731, N. 42 bei Haenel a. a. O. p. LXXXUI, langobardischen Ursprungs. Nicht minder beweisend ist, 3) wenn schon in den Handschriften der Epitome des Justinianischen Codex, in Cod. Pistoi. 66 S. X zwar von zweiter Hand und am Rande, in Cod. Paris. 4516 S. XI jedoch schon im Texte, innerhalb T. C. 3, 12 sich Epit Aegid. T. C.Th. 2, 8 eingeschaltet findet: vgl. Krüger Cod. Just. p. 248 Not. 4, Haenel a. a. O. p. XCIX Not. 47. Nicht beweisend ist dagegen, wenn im Cod. Vercell. des Julian, welcher im 10. Jahrhundert auf italischem Boden geschrieben zu sein scheint, der Appendix des Julian eine Stelle enthält (Haenel Jul. p. VIII sub k), welche als Interpre- tation (C. Th. 8, 5, 1) im Breviar wiederkehrt, da dieselbe vielleicht nicht aus dem Breviar, sondern aus der Originalquelle entlehnt ist.

4) Vgl. die vorige Note sub N. 2.

5) Einige Handschriften des über Papiens. enthalten C. Th. 5, 12 in einer der Epit. Aegid. nahekommenden Fassung unter den Kapitularien Karls des Grossen, so dass es als Capit Itaiicum erscheint (vgl. S. 4 Not. 4).

0) In dem Cod. Catliedr. Mutin. II. 1, mbr. in fol. (N. Arch. I. 574 sub N. 15) finden sich mitten im Texte der im Jahre 904 geschriebenen Handschrift der Coli. Ans. ded. unter der Rubrik 'oonscriptio legis Romane' zwei Anklageformeln nach römischem Rechte, das erste Stück 'tractum ex libro Theodosiano legis Romanae', das andere eine Formel für denjenigen, von dem es heisst *{K)stuIabat iuxta constitutionem Theodosianam vol consulum (]ui legem Romanain pertractaverunt*, womit das Breviar gemeint nein wird , und mit Bezugnalime auf mehrere Stellen von Br. ('. Tli. 0, 1: vgl. Merkel bei Savigny VII. 71, 72 Da nun die lex Ko- mana der Coli. Ans. ded. ohne weitere Beifügung das Justinianische Recht ist, konnte n»an in dem ausdrücklichen Hinweis jener Stellen auf das Tlieodosianinche Recht einen Beweis für italienischen Ursprung des hiHerats erblicken. Freilicli setzt dieser Schluss die italienische Herkunft der Handschrift voraus, welche von Pitra a. d. Not. 2 zu S. 9 a. O. p. 140 in Zweifel gezogen wird. Vgl. Bethniaun-Hollweg V. 287 Not. 37.

48 Zweiter Abschnitt.

viars mit nichten aus dem Umstand erklären, dass die aus dem fränkischen Reiche stammenden Kömer auch in Italien unter ihrer angestammten lex Bomana lebten: nur die lex Romana ist Stammesrecht; der spezifische Quellenkreis römischen Rechts hat hingegen territorialen Charakter. Auch für eine Einführung des Bre- viars in seinen italienischen Landen durch Karl, etwa in Verbindung mit den diesem Rechtsbuche geltenden Massregeln (vgl. S. 44), spricht kein stichhal- tiges Moment ^). Hingegen lässt sich darauf hinweisen, dass es den karolin* gischeii Königen und ihren Hof- und Reichsbeamten 2) zuweilen näher liegen mochte, nach der westgothischen lex Romana als nach dem Justinianischen Recht Gerichtsbarkeit zu üben und Recht zu setzen ^*). Der Sachverhalt, dass der eine Richter sich zu der einen, der andere zu einer zweiten abweichenden lex Romana bekennt, erscheint modemer Betrachtung freilich fremdartig genug; dennoch ist er im Hinblick auf die weitgehende Uebereinstimmung beider Gesetz- bücher, zumal in den grossen und so zu sagen den groben Zügen, welchen jene Jahrhunderte ausschliessliches Verständnis und Interesse entgegenbrachten, nicht unbegreiflich ^ ^). 8c£fte." Bietet in dem zuletzt erörterteu Punkt Italien eine ähnliche Erscheinung

gebiet der dar, wie Frankreich, so fragt es sich, ob, was die Herrschaft der dominierenden

Jttstiniani- ? o / /

TCjwm Ge- Gesetzgebung anlangt, die apenninische Halbinsel sich mit Gallien vergleichen lässt. Soweit das südliche Italien von der langobardischen Invasion befreit blieb') und bis zur Gründung der normannischen Staaten im wesentlichen und

setzgebong.

1) Denn auch die oben (S. 44) erwähnte Glosse in dem Cod. Ambros. A. 46 inf., welche einen Auszug aus der Epit A^d. mit den Worten begleitet: haec capitola a Karolo primo et Pipino filio eins inter leges Franconmi recepta et posita sunt, lässt sich bei näherer Erwägung nicht in diesem Sinne verstehen, zu welcher Annahme man nach der Erwähnung Pipins geneigt sein könnte: vgl. 19. Kap. d. Schrift.

2) Das Batsei einer Benutzung von Stellen des Breviars bei Johannes VIII (vgl. S. 20) könnte man sich, wiU man nicht an dem im Texte gegebenen Lösungsversuch anknüpfen, allen- falls mit dem längeren Aufenthalt dieses Pabstes in Frankreich erklären. Im übrigen be- gegnet in den ächten Kundgebungen der Päbste das Becht des Breviars nicht: denn wenn Haenel, L B. V. p. 465, in einem Briefe Gr^or I (IX. 7) Benutzung von Br. Nov. Theod. 3 an- zunehmen scheint, so tiifil das nicht zu, und eine angebliche Dekretale Nikolaus I (Jvo Decr. Vm. 166. = Br. Paul. 2, 20, 4. Int.) ist apokryph (vgl. Not. 6 zu S. 18 [S. 19]).

3) Anklänge ans Breviar (C. Th. 1, 1, 1) erblickt Boretius in einem Cap. Italicum Lothars (vgl S. 4 Not. 5).

4) Eine Anweisung Karls d. Grossen an einen missus regius, nach römischem Recht zu verfcJiren, enthalten die responsa misso cuidam data (c. 2: lege Bomanam legem, et sicut ibi inveneris exinde facias) in ed. Boretius p. 145.

5) Dass die auf Kaiser Otto I bezügliche Äusserung von IJutprand in seiner Legatio genannten Schrift, postmodum vero insurgentes contra se et domnum apostolicum, quasi iuris- iurandi violatores, sacril^os; dominorum suorum apostolicorum tortores, raptores, secundum decreta imperatorum Bomanorum, Justiniani, Valentiniani, Theodosii et ceterorum ocddit, iugu- lavit, suspendit et ezilio relegavit, MG SS III. 348, nicht auf eine Benutzung des Codex Theodosianus bez. Breviars neben dem Codex Justinianus anspielt, ist schon von Savigny, II. 207, bemerkt. Der Schriftsteller wollte gewiss nichts weiter sagen, als dass Otto nach römischem bez. Justinianischem Bechte gerichtet habe. Das Hineinziehen der Kaisernamen entspricht der schwülstigen gelehrten Art des Autors: vgl. Wattenbach ^I. 394.

6) Gegen die auf Versetzung der Gaudenzischen Sammlung nach Süditalien beruhende Annahme von Gaudenzi, dass in Süditalien das Becht des Breviars galt, vgl. 21. Kap. d. Schrift.

7) Soweit sich bei den zwischen lombardischer und byzantinischer Herrschaft schwanken-

5. Ka])itel. Italien. 49

in grösserer oder geringerer Abhängigkeit unter byzantinischer Herrschaft stand, nahm dasselbe auch in Gesetzgebung und Wissenschaft an der ferneren ßechts- entwicklung teil, und es ist zweifelhaft, ob sich neben derselben, welche im Orient zu der Verdrängung der Justinianischen Kodifikation führte, im Occident die letz- tere in irgend welcher Geltung erhalten hat^).

den Besitzverhältnissen eine Grenze ziehen lässt. sind es die Dukate Gaeta Neapel Sorrent, Amalfi Kalabrien Sizilien Sardinien und ein Gutteil von Apulieii: vgl. Näheres bei Brand.^ (vgl. folg. Not.) p. 17, 18, 7.

1) Die Frage, welchen Rechten das südliche Italien bis zur normannischen Zeit unter- worfen war, ist in den letzten Jahren Gegenstand eindringender Untersuchungen geworden. Hervorzuheben sind: Brandileone II diritto Romano nelle leggi Normanne e Sueve di regno di Hicilia, Introd. di Bart. Capasso (Brand.'); Perla Del diritto Romano Giustinianeo in Arch. Stör. per. l. provinc. Napol., Anno X (1885), p. 130 sqq. (Perla), Brandileone II diritto Bizan- tino neir Italia meridionale dalP VIII al XII seculo, 1886 (Sep.-Abdr. aus Arch. giur XXXVI) (Brand.2); zu diesen Schriften ist zu vergleichen die ausführliche Anzeige und Be- sprechung von Fitting, Zeitschrift \TI. 72 ft'., u. Schupfer, Rend. dolla r. accad. d. Lincei di Koma, Classe di scienz. mor., stör, et filol., 1880, p. 261 sqq. (Schupfer), eine Berichterstattung und Kritik über Brand.^, welche von selbständigen Gesichtspunkten ausgeht und einzelnes neues Material bringt. 1) Die Herrschaft des byzantinischen Rechts im südlichen Italien er- giebt sich aus folgenden Umständen. Einnuil stammen zahlreiche byzantinische^ Recht ent- haltende Manuskripte von dort her: vgl. Brand.2 p. 7—11, 12, Schupfer p. 271, 272. Sodann sind einzelne Fälle von Anwendung byzantinischen Rechts nachweisbar: vgl. Brand. 2 p. 19, 23 Not. 1. Endlich erweist sich die normannische Gesetzgebung von dem Recht der byzan- tinischen Rechtsquellen als stark beeinflusst; das gilt zumal für Sätze, welche dem byzantini- schen Recht eigentümlich sind, indes auch für solche, die es mit dem Justinianischen Rechte teilt: vgl. Brand.2 p. 83—89. Schupfer p. 273. 2) Andererseits ist sicher, dass sich schon in der ältesten normannischen Kodifikation, den Assisen des Roger v. J. 1140, Benutzung von Pandekten und Codex nachweisen lässt: vgl. insbesondere in der neuesten ed. der Assisen nach dem Cod. Vatic. 8782 bei Brand.» p. 94 scjq. die Belegstellen und Brand.2 j». 82, 8G, 9(). Die Thatsache, dass eine Kodifikation im Süden Italiens die Justinianische Kodifikation benutzt, lässt sich leicht, mit Brand.2 p. 91, ^ p. 14 sqq., aus einer Einwirkung Bolognas er- klären; es bedarf dazu nicht einmal des Nachweises vermittelnder Ereignisse, wie einer Ein- Wanderung aus dem nördlichen Italien in grösserem Massstabe, oder einer angeblichen Heirat der Nichte der zu Imerius in Beziehungen stehenden Markgräfin Mathilde mit Roger (so Brand.' p. 12, dagegen Perla p. 4G sqq.) oder der Annahme einer durch Hinweise in den by- zantinischen Rechtstjuellen erleichterten Benutzung des Justinianischen Rechts (so Brand.2 p. 80). Die nähere Gestaltung des in den normaimischen Gesetzen benutzten Quellenrepertoirs römischen Rechts (tres libri [C. 10, 52. 10] in jirt. XXXVI [?], nicht bloss Texte der Epit. Cod.) unterstützt die Annahme bolognesischer Beziehungen. 3) Galt in den Jahrhunderten des früheren Mittelalters nelx?n dem bvzantinisch-römischen auch das Recht der Justinianischen KrHlifikation? Ich nehme, mit Schupfer p. 275, die Möglichkeit einer doppelten lex Romana und zwar eines gleichen Verhältnisses derselben wie zwischen den leges Romanae im Burgun- dischen (Hier im Kr»nipreich Italien an (vgl. S. 38, 48), um so eher, als es an einem Zuzüge römischer Bevi»lktTung aus dem übrigen Italien niemals gefehlt haben wird, und die Annahme, dass sich diescllx» dem byzantinischen Rechte unterwarf, nicht viel für sich hat; territorial war das byzantinische Recht doch wohl nicht: vgl. z. B. M(J SS VIl. 710 Not. 31 d. Herausg.: Bub Grai'cis im|)eratoribus Sijwnti leges valuisse I^angobardorum. Bewiesen scheint es mir jedixh bisher nicht zu st^in. Die zahlreichen Urkunden, in welchen auf consuetudo oder lex Roinana (Avr Romanorum Bezug genommen ist, kann man, mit Brand.2 p. 2<i, 29, ganz un- l>c*deuklich auf d:is byzantinische Ret^ht l)eziehen. Jedenfalls lässt sich eine Benutzung der R<-chtsbüeher der Justinianischen Kodifikation nicht mu-liweisen. Ob Handschriften der Justi- nianischen Rechtsbüeher aus dem bvzantinischen Süditiilien stammen, ist mindestens unsicher: vgl. Shupfer p. 2Sl (Montfnucons [Hibl. Bibl. p. 23«)] Institutionen, (Jaudenzische Sammlung Üonrat, (JeHcJi il. i^aHllen u. Lit. d. rüm. U<^'cht«» etc. \

5Q Zweiter Abschnitt.

Was das von der langobardischen Invasion überzogene Italien anlangt Oi welches ja den grösseren Teil des Festlandes ausmachte, so dürfte die Wahrscheinlichkeit dafür sprechen, dass den Körnern im privatrechtlichen Verkehr unter einander nie- mals der Gebrauch ihres eigenen Rechtes entzogen wurde 2); für die spätere Zeit wird dies für unzweifelhaft gelten dürfen^). Dasselbe wird man auch von dem langobardischen Süditalien, den Herzogtümern Benevent Salerno und Kapua anzu- nehmen haben ^). Für das übrige oströmisch gebliebene Italien, den Exarchat und den Dukat Rom mit der Stadt Rom selbst, ist an der Fortdauer des römischen Rechts gar nicht zu zweifeln und nie gezweifelt worden. Gewiss nahmen diese Gebiete an der späteren Gesetzgebung von ßyzanz teil^); dieselbe produziert aber bis zu der Zeit, da die Trennung vom oströmischen Reiche erfolgte, der Mitte des 8. Jahr- hunderts, im wesentlichen nur Novellen ^). Dass an diesem Sachverhalt nichts ge- ändert wurde, als die lombardischen und die oströmischen Gebiete, die letzteren nach wechselvollen Geschicken im Jahre 774, den fränkischen Herrschern anheim- fielen, liegt auf der Hand"). Wenn endlich im Chrouicon Altinate von Venedig berichtet wird^), dass die Einwohner ihr Recht aus der lex Romana oder der lex Salica schöpfen, so wird für dieses von Römern besiedelte, schon seit dem Beginn des Bilderstreits im Jahre 726 der byzantinischen Herrschaft entfremdete und seit 809 faktisch unabhängige Gebiet kaum an etwas anderes als das auf die Justinianische Kodifikation zurückgehende römische Recht zu denken sein'-^).

[vgl. 21. Kap. d. Sehr.], Cod. Venet. der Novellen [vgl. ed. Zachariae p. VII]); es thiit ilbrigens nicht viel zur Sache.

1) Ich rechne hierzu auch Ligurien, welches unter Rotharis okkupiert >Mirde.

2) Die Gründe für diese Annahme bei Bethmann-Hollweg IV. 332, 334. ^

3)» Vorzüglich wegen Luitprand. c. 91: ut qui cartolas scribent sive ad legem langobar- donim, quoniam apertissima et pene omnibus nota est, sive ad romanorum, non aliter faciat nlsi quomodo in ipsis legibus contenetur; nam contra legem langobardorum aut romanonmi non scribant, nach ed. Bluhnie, MG LL IV. 1'20: vgl. Näheres bei Bethmann-Hollweg IV. 335—338.

4) Nach Brand.2 (vgl. Not. 1 zu S. 49) fristete dasselbe in den niederen Schichten der Bevölkerung ein kümmerliches Dasein; gerichtliche Anerkennung war ihm versagt, weil es an römischen Richtern fehlte. Die häufige Berufung auf lex und consuetudo in salemitanischen l*rivaturkunden erklärt sich der Verfasser mit der Annalime, dass die darin auftretenden Par- teien aus dem der byzantinischen Herrschaft unterworfenen Gebiete stammen und das byzan- tinisch-römische Recht im Auge haben: vgl. Brand.2 p. 24 28, 30, 31, Schupfer p. 264, 265. Schupfer zeigt, dass diese Annahme zum Teil beweislos geblieben ist, und glaubt, dass das römische Recht in der That bei Gericht Anwendung gefunden habe; er meint dies auch aus dem Umstand schliessen zu dürfen, dass vielfach Geistliche, welche das römische Recht kennen mussten, als Richter begegnen (vgl. p. 263 264). Da sich vom 11. Jahrhundert ab Hand- schriften und Bezugnahmen auf die Rechtsquellen nachweisen lassen (vgl. S. 63), so ist das Er- gebnis kaum ein anderes als im langobardischen Oberitalien.

5) Es bedarf für diese Thatsache keines Beweises : sie ergiebt sich aber auch aus den Briefen Gregor I (HI. 65 u. 66, J. 1266, 1267) sowie aus dem Umstände, dass der doch wohl diesem Gebiete angehörende Appendix zum Julian postiustinianische Novellen enthält (vgl. 12. Kap. d. Sehr.).

6) Vgl. die Übersicht bei Zachariae v. IJngenthal, Gesch. d. griech.-röm. R.^ S. 3 11. Zur Zeit, da Leo Isaurus eine Gesetzgebung im grösseren 8tile begann, nach Zachariae, a. a. O. S. 11, um 740, war die byzantinische Herrschaft in Rom faktisch schon gebrochen und mochte im übrigen oströmischen Italien derart bedrängt und erschüttert sein, dass an eine Einführung der griechischen Gesetze nicht mehr gedacht werden konnte.

7) Vgl. Bethmann-Hollweg V. 75, 2a3.

8) MG. SS. XIV. 36. Über den Wert desselben vgl. Wattenbachs I. 400.

9) Die Stelle lautet: erant omnes per rectitudineni omnique ordine quod salvacionis

5. Kapitel. Italien. 51

3. War also über einen weitenRauiu hin das römische Recht durch keinen ge- 3. Mass der setzgeberischen Akt aufgehoben, so fehlt es doch nicht an Anzeichen, dass es *"*'' " innerhalb desselben nur eine verhältnismässig geringe Anwendung fand. Vor allem erstand ihm im langobardischen Recht ein siegreicher Gegner. Dies gilt in erster Linie fQr das Gebiet des langobardischen Königreichs. Nur die lex Lango- bardorum, nach welcher die langobardische Bevölkerung des Königreichs lebt, ist, wie Königs Luitprands (712—743) Edikt (c. 91) sich ausdrückt, aller Welt be- kannt (apertissima et pene omnibus nota) ^). Spärlich sind die Urkunden, welche auf die römischen Gesetze reflektieren 2), und in den Fällen, wo dies ausdrücklich geschieht, ist die Berufung auf das römische Recht zuweilen nicht mehr als eine bedeutungslose'^), ja sinnwidrige^) Redensart. Es findet dies gewiss seine ein- fachste Erklärung in dem Umstände, dass im Königreich die langobardische Be- völkerung überwog, so dass die Einwohner desselben im allgemeinen für Lango- bardengelten konnten, wenn auch andererseits nächst der langobardischen die römische das grösste Kontingent der Bevölkerung ausmachen mochte. Aber auch in dem nichtlombardischen Italien, in dem Exarchat und dem Dukat Rom, hat das römische Recht, welches, wie die Briefe Gregor I beweisen, um die Wende des 6. Jahr- hunderts noch in voller Geltung stand, dem langobardischen Rechte Positionen überlassen müssen. Und zwar offenbar nicht bloss nach dem System der persön- lichen Rechte, welches den Bewohnern langobardischen Stammes den Gebrauch ihres Stammesrechts garantierte. So ist insbesondere das Gebiet des Prozessrechts in den Gebieten mit römischer Bevölkerung weithin von germanischen und ins- besondere langobardischen Prinzipien durchsetzt"^).

ej*t patrie per iusticiam compleuteni et faeieotem. De Koinaüa autem »ive de Salica traxerunt legem; in omoiqiie alteraiciones iuxta positione per consuetudine investigaverunt ab omui illonim antiquitate de omnibus placitis, que yter cartulis cyrographorum sive per memoria retinente, que memoriales ai)elantur, aive per manifestatioucs sive per testimonii testamenti sive per breve recordacionis, per vadimonium dantem et fideiiussores eis recipientem, brc\iarii a|)e- ietur; ceteri autem cartulis seu et placitis.

1) Vgl. den Text in Not. 3 zu S. ')().

2) Vgl. Savigny II. 227—220, 232— 2:K Die hier. S. 231, angeführte Trkumle v. J. 1(K)7, i»t nach einer Notiz von Merkel in seinem Handexemplar von Savignys Werk vielmehr v. J. r21»7 (Merkel citiert hierfür VII. UiSsqq. [Jo. [^mii Delic. Erudit.?]); vgl. femer Beth- mann-Hollweg IV. 3.")S Not. 81.

3) Der häufig vorkommende Ausdruck (z. B. a. IHM Cod. Cavens. III. 474, a. IHX» III. 41M, a. In31» VI. Ü44: vgl. Brand.2 p. 24, 25, 28), das« etwas 'nach römischem Gesetz' ver- kauft wird, «lürfle im Sinne der Parteien lediglich eine Berufung auf die Rechtsgi Itigkeit des Kaufs bedeuten, wie der gleiche Ausdnick in fränkischen iTkunden neben Ik»rufung auf das Kilihche und gotische Gesetz: vgl. Savigny II | 114, 11.'). So versterbe ich auch «lie rrkun<le \(m Capua bei Savigny II 227. 2*2s.

4) So findet sie sich im langobardischen Süditalien nicht selten mit liezug auf die Insti- tnte langobardischen Rechtes (launegilt guadia) (z. B. a. ?>!m; (VkI. Cavcns. III. HM, a. 1012 IV. <»r»7, a. lol.'i IV. US.'), a. in'H» V. sl>s: vgl. Brand. 2 p. 21, 24, 27; die Beispiele lics^cn sich ohno Mühe vermehrten).

.')) Ich verweise hier auf die Krört^TUugen von Bethmann-IIollweg IV. HuMf. Zieht man, wie sich gebührt, was hier auf(frund des frniizösiwhen Brachylogus und d<T jüiigen'n sogenannten fingierten Koa^itutiimen .Tustinians entwickelt wird, nicht in Rti'hnung, so koiiinit nuui zu dem Ergebnis, (hi.«*s das Verfahren fast ganz N'iiie VerbiinUmg mit dfm nniiischon Reclit verloreu hat: vgl. insU*sonderi« a. a. (). S. 3iM<, 422, 423.

4*

52 Zweiter Abschnitt.

Was die Stadt Kom anlangt, so steht fest, dass Lothar im Jahre 824 vt»n dem gesammten römischen Volke die Erklärung fordert, nach welchem Recht es leben wolle*). Die Beantwortung dieser Frage ist unsicher ''^); wahrscheinlich aber dünkt mir, dass Verkürzungen der römischen Bevölkerung in ihrem ange- stammten Rechte, zu Gunsten der langobardischen, wie sie z. B. im Gefolge der Ausübung der hohen Gerichtsbarkeit durch den Herzog von Spoleto nicht aus- bleiben konnten '^), den Anlass geboten haben. Für die Klagen und Beschwörungen des Papstes Leo IV um die Mitte des 9. Jahrhunderts bezüglich des Schicksals des römischen Rechts (vgl. S. 16) gewinnt man ein leichtes Verständnis, wenn man einen ähnlichen Anlass vermutet. Aber auch bei den Päbsten selbst erfreut sich das lango- bardische Recht hohen Ansehens: Zeugnis dessen der Umstand, dass Nikolaus I den Bulgaren allem Anschein nach das langobardische Edikt sendet (vgl. S. 17, 18) und ein anderer Pabst nach uneren Quellen war es Gregor V im Jahre 098 als er sich auf die leges